PVRIS – Use Me

PVRIS

Die zwei Worte “Use Me” können gänzlich konträre Konnotationen hervorrufen, wie PVRIS-Frontfrau Lynn Gunn uns im Interview erzählt. Zum einen schwingt eine gewisse Keckheit mit, eine Herausforderung, eine selbstbewusste Ansage, zum anderen zeugt dieser Imperativ aber auch von einer bedingungslosen Hingabe, einer Selbstaufgabe für eine andere Person. Eine starke Dynamik, die auch ihrer eigenen Haltung nahe käme, so Gunn. Aber eben auch eine, die dem Grundtenor des dritten Albums der großen Alternative-Pop-Lieblinge entspricht. Denn wo die Synthies in vielen Stücken ihre Tanzschuche wund polieren, steht die finstere Stimmung ihnen dennoch ins Gesicht geschrieben. Die kantigen Ansagen Gunns recken ihr Kinn nach vorne, stehen aber mit intimen Bekenntnissen der Mental-Health-Lage im Ring. “Use Me” wird so auf zwei Ebenen zu einem Album der Dichotomien, an dessem Ende vor allem eins wartet: Fortschritt im guten Sinne.

Nicht alles Gold, was glänzt

Seit ihrem Debüt “White Noise” von 2016 gelten PVRIS als die perfekte Anlaufstelle für alle, die ihren inneren Emo auch mal auf die Tanzfläche lassen wollen. Mit ihren Ursprüngen in der Metalcore-Szene kann die Band auf eine große Fanbase in der alternativen Rock-Szene bauen, obwohl ihr Sound eigentlich von Stunde Null ganz andere Töne spricht. Einen nicht unwesentlichen Anteil an dem Erfolg der Band trägt wohl auch Frontfrau Lynn Gunn, die mit starken Haltungen und selbstbewussten Forderungen eine klare Vorbildfunktion einnimmt. Dass sich Gunn für das dritte Album der Band nun auch allein aufs Cover bannen lässt, hat seine Gründe. Auch im Studio hatte die Frontfrau die Zügel bislang stets in der Hand, war nicht nur in Punkto Songwriting, sondern auch in der Produktion stets die zentrale Kraft. Doch erst jetzt steht Gunn auch zu dieser Rolle, nimmt den Platz ein, den sie verdient. Auf das Album übertragen zieht dieser Schritt durchweg positive Konsequenzen mit sich.

Mehr! Mehr! Mehr!

Trotz Label-Wechsel und dieser internen Machtneustrukturierung mag Gunn nicht so wirklich von einer neuen PVRIS-Ära sprechen. Und sie mag recht behalten, denn “Use Me” ist am Ende doch vor allem die große Ernte der bereits angepflanzten Samen. Will genauer heißen, dass die fordernden, selbstbewussten Songs wie “Gimme A Minute” und “Death Of Me” mit noch wuchtigeren Beats davonsprinten, die poppigen Vertreter wie “Good To Be Alive” und “Hallucinations” noch mehr Formatradio-Größe erreichen und die Synthies noch mehr Stellenwert bekommen (“Wish You Well”). In Kombination mit ein paar Hip-Hop-Beats (“Use Me) und einer unentwegt melancholischen Grundatmosphäre gewinnt man dadurch am Ende das Maximum an PVRIS, die wahre Essenz der Band scheint sich endgültig herauszukristallisieren. Von der Alternative-Szene hat die Platte auf den ersten Blick hingegen kaum noch etwas gemein, doch die ungehemmte Abhandlung von Themen der mentalen Gesundheit gemahnt am Ende doch in jedem Takt an die Ursprünge der Band. In kleinen Versprechen wie “We’ll Be Okay” (“January Rain”) gibt Lynn Gunn schließlich sogar noch ihre eigene neu gewonnene Stabilität an ihre Fans weiter – ein großer Akt der aufopfernden Stärke. “Use Me” ist so ein vielseitiges, jedoch gleichermaßen rundum stringentes Werk,  das vor allem von einer gesunden Weiterentwicklung PVRIS’ zeugt.

Das Album “Use Me” kannst du hier kaufen. *

Wir haben Frontfrau Lynn Gunn außerdem per Telefon einige Fragen gestellt. Unser Interview gibt es hier.

Und so hört sich das an:

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Rechte am Albumcover liegen bei Warner.

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