renforshort – off saint dominique

renforshort_off saint dominique

Kein Wunder, dass schon die erste EP der Kanadierin renforshort beim Universal-Sublabel Interscope erschien. Lauren Isenberg, wie die Künstlerin hinter dem schicken Alias heißt, atmet nämlich den Sound der Stunde. Hier kommen schon beinahe so beängstigend viele Argumente zusammen, die für einen großen Hype sprechen, dass man sich unweigerlich fragt: Aber wäre das nicht zu einfach? Nun, um dieser Frage nachzugehen, sollten wir uns einfach mal der frischen, zweiten EP unter dem malerischen Titel „off saint dominique“ widmen. Los geht’s!

Das 1×1 des Popjahres 2021

Man glaubt es selbst kaum, aber da ist er plötzlich wieder, zumindest irgendwie: Rock in den Charts. Okay, vielleicht nicht gerade solcher, der Herzen unter Lederjacken höher schlägen lässt, aber zumindest solcher, der die Ästhetik zelebriert. Das beweisen der ESC-Sieg der Italiener*innen Måneskin, die Pop-Punk- und Trap-Hybriden von Acts wie Machine Gun Kelly oder Mod Sun und auch die Paramore-Verbeugung im Hype-Album „Sour“ von Olivia Rodrigo. Das ist also scheinbar gerade so ein erfolgreicher Marketing-Trick, dass die Promo-Mail zum renforshort-Release prompt ihre Nähe zu Grunge und Rock betont. Klingt auf dem Papier gut, ist auf der EP aber nur minimal hörbar. Um genau zu sein: Nur auf dem „Flames“ (Mod Sun & Avril Lavigne)-Doppelgänger „Fall Apart“ und dem Opener „Wannabe“, den Olivia Rodrigo so vielleicht auch nach einem besonders miesen Tag geschrieben hätte. Auf der Debüt-EP „teenage angst“ vom letzten Jahr klang das noch kantiger, was auch prominente Fans wie Travis Barker, blackbear, Yungblud und Finneas erklärt.

Neue alte Pfade

„off saint dominique“ ist aber nicht etwa ein schlechter oder gar schwächerer Release als der Vorgänger, sondern einer, der nochmal eine andere Seite der Kanadierin zeigt. So ist der knarzende Instant-Banger „virtual reality“ nicht nur eine Absage, an den ewigen Mythos, Gen Z würde ohnehin nur noch online leben wollen, sondern auch eine Öffnung für fette Trap-Beats. „Lust To Love“ widmet sich hingegen einem etwas schmierigen Klavier und „Exception“ ist so pathetisch, dass es gar Streicher UND eine Glam-Gitarre einlädt. Macht aber nichts, denn die grundlegende Atmosphäre riecht trotzdem noch angenehm nach Bedroom-DIY und Isenberg performt ganz nach Eilish-Art irgendwo zwischen säuselnd und abgefuckt. Vielleicht ist das auch etwas das Problem der EP: Sie ist so gut und so im Moment, dass das Alleinstellungsmerkmal inklusive Ecken und Kanten etwas flöten geht.

Attitüde, Sound, Songwriting, Ästhetik: renforshort macht so vieles richtig, dass entweder nichts oder alles schief gehen wird. Umso spannender bleibt die Frage, wie es nun weitergeht. Wir bleiben am Ball.

Und so hört sich das an:

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Rechte am Albumcover liegen bei Interscope.

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