K. Flay – Inside Voices

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Eigentlich wünscht man seinen Lieblingskünstler*innen ja nur das Beste. Aber irgendwie scheint ja auch manchmal was am Mythos der leidenden Kunstschaffenden dran zu sein, entstehen doch gerade in den dunkelsten Episoden der Personen ihre größten Werke – und in den guten oft eher Belangloses. Zumindest kam mir der Gedanke beim bisher letzten Werk von K. Flay, das unter dem Namen „Solutions“ anstatt dem bisherigen düsteren Sound plötzlich positive Zukunftsentwürfe ins Songwriting ließ. Spaß statt Zorn, Optimismus statt Trübsal, Lösungen statt Probleme. Das war zwar verdammt empowernd und auch nicht schlecht, schlug mir aber auch nicht in die Magengrube wie die Vorgänger „Life as a Dog“ oder „Everywhere Is Somewhere“. Während der Pandemie gab es dafür eine schicke, kleine Coversong-Sammlung – und nun kommt mit „Inside Voices“ plötzlich richtig Leben in die Bude.

Die Kunst des Loslassens

„Fuck you, you didn’t deserve me!“ haut Kristine Flaherty – die Person hinter dem Künstler-Alias – direkt im Opener „Four Letter Words“ raus und gibt damit den Ton für diese EP an. Dank der poppigen Chorale klingt das hier wie eine sehr schlecht gelaunte Version von Tones and I in ein, zwei Oktaven tiefer. Irgendwo im musikalischen Spannungsfeld zwischen dem flockigen Indie von „Solutions“ und dem rauen Unterton der Anfangstage thront ein Empowerment-Statement im Grunge-Holzfällerhemd. Kein Wunder, dass Travis Barker da gerne mittrommelt („Dating My Dad“) und den bizarren Gitarrensound zu einem Hit veredelt. Und dann steuert auch noch Tom Morello seine niemals nicht-mitreißenden Riffs zu „TGIF“ bei – da hat sich der Featuring-Marathon von K. Flay also auch mal ausgezahlt. „I’m a King, I won’t let anybody take my Crown“ singt die Künstlerin dort und ja, diese plötzliche Selbstermächtigung ist in den geradlinigen Arrangements eingraviert. Kompromisslos, angepisst, und voll auf die Zwölf.

EPs sind ja ohnehin das Ding der Stunde und deswegen ist es ein wahrer Ohrenschmaus, dass in so kurzer Spielzeit so viele Banger aus den Lautsprechern dröhnen. 5 Songs, 5 Hits, irgendwo zwischen den Hand Claps und den Kinderchören von „Good Girl“ und dem schwindlig machenden Spoken Word-Signature-Sound in „My Name Isn’t Katherine“. „Tired of being nice“ heißt es in „Good Girl“ und so sehr man ihr das Beste wünscht – im Musikalischen darf K. Flay künftig gerne weiterhin wieder so angepisst agieren. Vielleicht ja schon auf der Zwillings-EP „Outside Voices“, die im Herbst erscheinen soll?

Und so hört sich das an:

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