Eurovision Song Contest 2024, 2. Semifinale: Die Ergebnisse & Infos zum Finale

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Das große Finale des Eurovision Song Contest 2024 in Malmö in Schweden kann nur stattfinden, wenn vorab die beiden Semirunden gelaufen sind. Nachdem sich am Dienstagabend die ersten zehn Länder qualifiziert haben, konnte sich auch im zweiten Halbfinale am Donnerstag ein Dutzend ein Ticket für den Abschluss safen. Sechs andere sind zeitgleich ausgeschieden.

Noch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde die Startreihenfolge der 26 Teilnehmenden für das Finale bestimmt. Das passierte einerseits durch Losverfahren, andererseits durch produktionstechnische Entscheidungen. Das ESC-Finale 2024 kann morgen um 21 Uhr im Fernsehen auf Das Erste sowie parallel auf eurovision.de und in der ARD Mediathek im Stream mitverfolgt werden. Deutschland startet mit Isaak bereits sehr früh, nämlich an 3. Stelle. Der frühe Vogel.

Und das sind die Weiterkommer*innen – die Liste zeigt nicht, welches Land die meisten Anrufe erhalten hat, sondern ist nach Startreihenfolge der vergangenen Show sortiert:

Diese zehn Länder sind im Finale dabei:
Griechenland – „Zári“, Marina Satti
Schweiz – „The Code“, Nemo
Österreich – „We Will Rave“, Kaleen
Armenien – „Jako“, Ladaniva
Lettland – „Hollow“, Dons
Georgien – „Fire Fighter“, Nuza Busaladse
Estland – „(nendest) narkootikumidest ei tea me (küll) midagi“, 5miinust x Puuluup
Israel – „Hurricane“, Eden Golan
Norwegen – „Ulveham“, Gåte
Niederlande – „Europapa“, Joost Klein

Ausgeschieden sind somit:
Malta – „Loop“, Sarah Bonnici
Albanien – „Titan“, Besa
Tschechien – „Pedestal“, Aiko
Dänemark – „Sand“, Saba
San Marino – „11:11“, Megara
Belgien – „Before the Party’s Over“, Mustii

Die Startreihenfolge für das Finale am Samstagabend:
01. Schweden
02. Ukraine
03. Deutschland
04. Luxemburg
05. Niederlande
06. Israel
07. Litauen
08. Spanien
09. Estland
10. Irland
11. Lettland
12. Griechenland
13. Vereinigtes Königreich
14. Norwegen
15. Italien
16. Serbien
17. Finnland
18. Portugal
19. Armenien
20. Zypern
21. Schweiz
22. Slowenien
23. Kroatien
24. Georgien
25. Frankreich
26. Österreich

NACHLESE ZUR SHOW:

Zunächst regte man sich über das Wegfallen des jährlich wechselnden Mottos auf, dann freute man sich umso mehr über die überragende Bühneninszenierung bei sehr vielen Beiträgen. Der Eurovision Song Contest 2024 ist vor allen Dingen visuell ein Spektakel sondergleichen. Doch schon jetzt redet die Welt gefühlt nur über einen Beitrag. Nicht über potenzielle Gewinner*innen wie Kroatien, die Schweiz, Italien, womöglich auch Frankreich, die Niederlande oder Ukraine – nein, gefühlt dreht sich alles nur um den ultimativen Aufreger: Israel.

Seit Monaten gibt es heiße Diskussionen, ob es vertretbar ist, das Land, das gegen Palästina aktuell Krieg führt, weiterhin mitmachen zu lassen oder nicht. Für die EBU war 2022 sofort klar, dass Russland nach dem Angriff auf die Ukraine gebannt wird. Auch Belarus darf seit einigen Runden aus politischen Gründen nicht mehr mitwirken. Doch bei dem Krieg im Gazastreifen ist der Diskurs ein anderer, ein wesentlich komplexerer.

Israel hatte zunächst vor, mit dem Song „October Rain“ anzutreten – in den Lyrics wird unmissverständlich auf den im Oktober angefangenen Krieg Bezug genommen. Politische Statements sind beim Eurovision jedoch verboten. Zwar gibt es immer wieder Songs mit politischem Background – besonders prominent: Der Sieg der Ukraine mit „1944“ von Jamala im Jahr 2016 – sollte es aber zu eindeutig werden, ist das ein No Go. Der Text des israelischen Beitrags wurde angepasst, umschreibt in „Hurricane“ nun emotionale Herausforderungen, die aber auf sehr viele Lebensereignisse bezogen werden können, sodass die EBU ihr OK gegeben hat.

Und spätestens da muss man Entscheidungen so hinnehmen. Dass das nicht allen gefällt, wenn Israel am Wettbewerb mitmacht, ok. Wenig überraschend. Was aber so gar nicht ok ist, ist eine Sängerin, die nicht stellvertretend für den Krieg, sondern ausschließlich stellvertretend für ein Land, das ein halbes Jahrhundert bereits teilnimmt, antritt, mit Morddrohungen zu bombardieren, sodass sie bei keinen Promo-Partys vorab mitwirken kann und eine besonders hohe Sicherheitsauflage im Hotel benötigt.

Aber ja, der ESC ist und bleibt einfach politisch. Anders hätte die Ukraine vor zwei Jahren auch nicht haushoch gewonnen und so viel Solidarität seitens des restlichen Kontinents gespürt. Bei Israel ist man sich uneiniger. Der Auftritt von Eden Golan wird laut von Buhrufen aus der gesamten Halle untermalt – nur im TV bekommt man davon nichts mit. Stattdessen wird Applaus eingespielt, was natürlich auf die Zuschauenden, die am Ende über ein Weiterkommen abstimmen sollen, einen ganz anderen Eindruck macht. Äußerst diskutabel. Natürlich ist das Bearbeiten von Tonspuren keine Neuerung, aber es ist auch eine Manipulation. Am Ende gab es für Israel ein Ticket fürs Finale. Was dahingehend wohl noch passiert? Wir erfahren es in etwas mehr als 24 Stunden.

Wenn Gutes und weniger Gutes Hand in Hand gehen

Das auf den ersten Blick stärker erscheinende zweite Semifinale des ESC 2024 stellt sich im Nachhinein ein wenig als Enttäuschung heraus. Im Vergleich zum ersten Halbfinale fallen nur wenige Beiträge besonders positiv auf, dafür gleich mehrere besonders negativ.

Eine ganze Riege an Songs mit hohem Nervfaktor tummelt sich in der zweiten und letzten Chance auf Finaltickets. Da gibt es – schon wieder, muss man an der Stelle sagen – ganz schrecklichen Rockquatsch aus San Marino. Zum dritten Mal in Folge. Und zum dritten Mal in Folge hasst man es abgrundtief. 14 Mal hat das winzige Land versucht, ganze elf (!) Mal ist man am Semi gescheitert. Und leider völlig zurecht. „11:11“ von Megara ist – schon wieder – eine Aneinanderreihung von Untaten im Ohr. Aber die meisten bleiben davon eh verschont, schauen für gewöhnlich ja viele eh nur das Finale.

Doch der Grat ist schmal. Gar nicht viel angenehmer ist die wirklich sehr schief gesungene Nightwish-Terror-Hommage aus Norwegen, die mit hüpfenden Gitarristen so cringe wirkt, dass Magensaft hochkommt – aber irgendwie unterhält das dann doch wieder. Gåte sind eine Runde weiter. Womöglich aber nur, weil Norwegen ein Land ist, dass meistens hohe Qualität liefert und automatisch Bonuspunkte bekommt. Estland kann sich zwar nicht auf seinem Ländernamen ausruhen, ist aber ein Stück weit eine Fortsetzung zum Balla-Staging aus Kroatien 2023. Das ist einfach so dumm und hohl, dass man sich davon auf merkwürdige Art unterhalten fühlt und es deswegen nochmal sehen will.

Bitte nur eben nicht langweilen. Hausfrauen-Pop lief im 1. Semi bei Island nicht, läuft somit auch im 2. bei Dänemark nicht. Das sind Songs, die selbst vor 20 Jahren schon nur im Radio nachmittags im Stau funktionierten. Latin-Pop-Bootyshaker sind bereits mehrere weiter, irgendwann ist da auch mal gut. Deswegen hat Malta es nicht geschafft, weil „Loop“ viel zu generisch klingt und Malta es generell nie leicht hat. Wirklich schade – und das ist im Vergleich zum 1. Semi anders – ist aber, dass zwei Fan-Favos ebenso das Weite suchen. Tschechien bietet mit der Sängerin Aiko zwar nicht super gesungenen, dafür aber doch recht modernen, schnellen Indie-Rock, der musikalisch eine etwas andere Farbe serviert. Belgien ist für seinen Dark-Pop bekannt, der aber locker seit einem Jahrzehnt immer wieder geschickt wird. Zwar ist Mustiis „Before the Party’s Over“ kompositorisch ein wunderbarer Titel, kann dem Track an sich aber in der Liveperformance keine zusätzliche Note verleihen. Was noch raus ist? Ach jo, Albanien. Leider erinnern wir uns nicht mehr an den Song. Sad.

Welkom in Europa

Auf das einzige Highlight im Gesamtpaket wartet man enorm lang, nämlich bis zur letzten Startnummer. Auf der 16 schickt die Niederlande Joost, der hierzulande mit Ski Aggu und „Friesenjung“ für einen der größten Hits im vergangenen Jahr sorgte. Sein überwiegend auf Niederländisch gesungenes „Europapa“ ist nicht ganz so crazy wie „Friesenjung“, aber auch alles andere als normal. Mit einer klug gewählten Mitte, einem verdammt witzigen Outfit und einer guten Message – die Vor- und Nachteile der EU – plus einer Hommage an die verstorbenen Eltern ist das ein Allrounder, dem man nicht entkommt. Unser Liebling im 2. Semi.

Laut Umfragen ist der Halbfinal-Favorit jedoch die Schweiz, die erstmalig seit ihrem Sieg mit Céline Dion Ende der 80er wieder auf einen Gewinn hoffen darf. Der non-binäre Act Nemo singt Oper, dann rappt er, dazu macht er Matrix-like Bewegungen auf einer Drehscheibe und bleibt bis zum Ende ungreifbar. Das ist faszinierend, wenn auch überhaupt nicht anbiedernd und äußerst sperrig. Ob das Samstagabend wirklich für den 1. Platz reicht? Es bleibt spannend, denn ein wenig fragt man sich schon, wie viele Gelegenheitshörer*innen sich auf diesen Ritt einlassen können.

Musikalisch die fetteste Party kommt zweifelsohne aus Österreich. Zwar ist Kaleen leider nicht die stärkste Sängerin im Wettbewerb, der Gesang aber zumindest in Ordnung. Was definitiv das stärkste ist, ist der Sog, dem man sich beim Hören von „We Will Rave“ nicht entziehen kann. Ein Eurodance-Stomper ohne Kompromisse, ohne ein Gramm zu viel. Das ist so uplifting, dass Energie unaufhaltsam durch den Körper strömt. Dazu gibt es eine coole Choreo – Österreich ist im Finale an letzter Stelle dran und schickt die Zuschauer*innen somit mit purem Adrenalin ins Voting.

Die restlichen vier Finaleinzüge kommen aus Griechenland mit einer sehr schrägen Folklore-Bhangra-Kombi, die im TikTok-Stil gezeigt wird, einem sehr erwachsenen, aber auch eher zu ernsten Letten namens Dons, einer völlig übermotivierten Sex-Oriental-Dance-Pop-Nummer aus Georgien und einem sehr spaßigen Volkslied auf Armenisch mit „La la lai“-Mitsingchorus.

Postcards

Wie immer werden die Performances durch Postcards eingeleitet, die dieses Jahr wieder besonders schick ausfallen. Zunächst werden zwei erfolgreiche Beiträge der jeweiligen Länder aus vergangenen Zeiten vorgestellt, anschließend folgen in Selfie-Art gefilmte Videos der Künstler*innen in unterschiedlichen Situationen, die mit einer Splitscreen-Technik mit Sehenswürdigkeiten der Länder kombiniert werden. Schön. Da lohnt es sich auch am Samstag, nochmal genauer hinzuschauen und vielleicht Inspiration für den nächsten Städtetrip zu finden.

Pausenacts & ein Musical

Nachdem im ersten Semi mit drei Kultsongs richtig kraftvoll gestartet wurde, geht es dieses Mal eher albern los. Eine Parodie auf Loreens Sieg mit „Tattoo“ wird von den Moderatorinnen Petra Mede und Malin Åkerman in vorab aufgenommener Version gezeigt. Ja, kann man machen. Ist ok. Doch der „Haha, hihi“-Anteil bleibt auch bis zum Ende vergleichsweise hoch, sodass es kurz vor der Ergebnisverkündung ein eher unangenehmes ESC-Musical „We Just Love Eurovision Too Much“ zu erleben gibt, dessen einziger Lichtblick das Wiederkehren von Finnlands Käärijä ist, der sogar jetzt noch so laut umjubelt wird, dass man immer noch von einem wahren Gewinnraub sprechen darf.

Stärkster Zwischendrin-Moment ist ein reiner Feel-Good-Break mit Charlotte Perrelli, der schwedischen Siegerin 1999, Sertab Erener, der türkischischen Siegerin 2003 und Elena Paparizou, der griechischen Siegerin 2005, die alle zu einem auf der Mega-LED-Wand projizierten Karaoke-Video ihre Classics schmettern. Übrigens: Leider werden im 2. Semi die Möglichkeiten der Bühne wenig bis gar nicht genutzt. Die größten Augenblicke bleiben also auch am Samstag der irische und ukrainische Beitrag und das Endhüllen des Green Rooms, der sich verrückterweise nämlich hinter der LED-Wand befindet und einen „Wow“-Moment bereithält.

Frankreich, Spanien, Italien & eine Minibesserung bei Thorsten Schorn

So wie im ersten Semi haben ab diesem Jahr auch die restlichen Big-Five-Länder die Chance, in einem der beiden Halbfinals ihren Song vollständig vorzustellen. Frankreich liefert die gesanglich stärkste Performance ab. Slimane singt wirklich sensationell gut. Ob sich „Mon amour“ aber auch musikalisch genug abhebt, um unserer Nachbar*innen nach 47 Jahren wieder zu einem Sieg zu bringen? Eher nicht.

Dahingehend stehen die Chancen für Italien mal wieder um Längen besser, die mit einem ultra fiesen Ohrwurm-Beat so mitreißen, dass „La noia“ sich schon jetzt einen Top-10-Platz gesichert hat. Da werden alle auch auf der Couch mitgrooven. Schon wie bei den Pre-Partys ist aber die älteste Kandidatin, die 56-jährige Sängerin der Band Nebulossa, der geheime Star. „Zorra“ ist kleines Trash-Gold und macht unglaublich Spaß. Wir hören es schon jetzt auch 2031 noch auf diversen ESC-Partys.

Im Vergleich zum eher schwierigen Einstand am Dienstagabend macht unser neuer Kommentator Thorsten Schorn im 2. Semi eine bessere Figur. Etwas mehr Impro und weniger klar erkennbares Ablesen – gut. Zwar gibt es zwei, drei Fehler im Vortrag, die er korrigiert, aber das ist definitiv angenehmer. Die Dad-Jokes haben sich auch gefühlt um die Hälfte halbiert. Allerdings ist auch hier wieder ein Fußballspiel in seinen Augen erwähnenswert. Spielen Samstagabend wieder irgendwelche Vereine? Falls ja – Thorsten, we really don’t care.

Was heißt das für Samstag?

In unserer Prognose lagen wir im 2. Semi nur bei sieben Ländern richtig. Aber sind ja auch 16 statt 15 angetreten. Statt Estland, Lettland und Georgien waren wir beim ersten großen Check Team Belgien-Tschechien-Dänemark. Anyway: Schafft Isaak für Deutschland es endlich, nicht den letzten Platz zu machen? Das wäre fair. Holt Kroatien sich wirklich den ersten Sieg mit einem quasi komplett gezockten Song? Oder doch das kreative Kuddelmuddel aus der Schweiz? Kommt Israel ohne große Vorkommnisse durch die Show und macht durch Solidarität im Televoting den ersten Platz? Was ist mit der „Hate it or love“-Performance aus Irland, die mit großer Sicherheit das beste Ergebnis seit Jedward 2011 bedeutet? Wie gut schneiden Frankreich und Italien ab? Und wann geht endlich der „Europapa, Europapa“-Ohrwurm weg? Diese und viele weitere Fragen klären wir in der dritten und letzten Nachlese am Sonntag. Stay tuned.

Direkt weiterlesen:
Nachlese zum 1. Semifinale 2024
Alle 37 Songs aus 2024 im Check

Hier nochmal unser Favorit des Abends – Joost Klein aus der Niederlande:

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Die Rechte fürs Cover liegen bei EBU/Eurovision Song Contest.

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