Plattenkrach: August Burns Red – Constellations

August Burns Red - Constellations

2009 veröffentlicht die US-amerikanische Metalcore-Band August Burns Red ihr drittes Album “Constellations”. Einige Jahre später stößt Melvin auf dieses Album und entdeckt eine Band, die für ihn heute zu seinen Lieblingsbands zählt. Alina hat bis zur Planung des Plattenkraches noch nie etwas von August Burns Red gehört. Und wird sie auch vielleicht danach nie mehr.

Melvin: Irgendwie habe ich nie verstanden, warum August Burns Red keinen gigantischen Aufstieg hingelegt haben und nicht die Größe von Parkway Drive oder Bring Me The Horizon erreicht haben. Wobei das so nicht stimmt – verstehen tue ich es schon. Die Metalcoreband ist weder so eingängig wie die beiden anderen genannten Kapellen, noch hat sie so medienwirksame Bandmitglieder, auffällige Albencover oder knalliges Merchandise. Im Gegenteil, August Burns Red bezeichnen sich sogar als christliche Metalcoreband, was wohl auf viele Hörer wohl erst einmal abschreckend wirken dürfte. Aber abseits von allen rein rechnerischen Fakten, die dazu gehören, um eine ganz große Band zu werden, finde ich es zumindest schade, dass August Burns Red bisher keinen gigantischen Erfolg hingelegt haben. Denn für mich sind die Musiker aus Pennsylvania die Talentiertesten ihrer Zunft mit immer anspruchsvollem Songwriting, von den hochwertigen technischen Skills der Musiker, bis hin zu den einprägsamen Texten des Frontmanns Jake Luhrs. Um das gut zu finden, muss ich auch kein gläubiger Christ sein.

Fast alle Werke der Metalcore-Band laufen bei mir hoch und runter, eines hat es mir aber ganz besonders angetan. Und das liegt daran, dass August Burns Red einfach nur genau das abliefern, was ich von diesem Genre erwarte. Wunderschöne Gitarrenmelodien, mal krachend und mitreißend, mal wirklich ruhig und einfach nur schön. Harte Breakdowns mit knalligen Drums und brutalen Shouts und viele, emotionale Momente. Egal, ob direkt nach dem Aufstehen oder kurz vor dem Schlafengehen – das was für viele, mit äußerst hoher Wahrscheinlichkeit auch für meine Gegenrednerin Alina, einfach nur grausam klingt, ist für mich Balsam in den Ohren.

Besonders hervorheben möchte ich „Marianas Trench“, was vielleicht sogar künstlerübergreifend mein absoluter Lieblingssong ist Da möchte ich mich aber nicht festlegen, um mich da nicht in den nächsten 20 Jahren permanent korrigieren zu müssen. Aber ehrlich: In diesem Song stecken so viele Emotionen, so viel Herzblut. Ich selbst erinnere mich mittlerweile an unzählige schöne und traurige Momente, in denen ich diesen Song angehört habe und verbinde viel damit. Gibt es einen besseren Song, wenn man einfach nur noch Wut fühlt und nichts anderes mehr? Gibt es nicht. Gibt es einen besseren Song, wenn man glücklich ist und sich an der wundervollen Gitarrenmelodie erfreuen kann? Gibt es nicht. August Burns Red geben nur selten Ruhe zwischen den Songs, bevor sie gleich weiter in die nächste Schlacht ziehen, „Marianas Trench“ basiert genau auf diesem Konzept. Die Atmosphäre die gleich zu Beginn durch die tolle Gitarrenmelodie getragen wird, fesselt mich jedes Mal wieder aufs Neue. Natürlich passiert das Ganze nur – in typischer August Burns Red Manier -, um das emotionale Gerüst dann kurz darauf mit brachialer Lautstärke in Sekundenschnelle wieder einzureißen. „Marianas Trench“ ist ein Song, wie eine wilde Achterbahnfahrt. Und wer mich kennt, der weiß: Ich liebe Achterbahnen.

Ebenfalls ein paar Worte verlieren, möchte ich noch über „Thirty and Seven“ – den brachialsten Album-Opener, den ich kenne. Wie kommt man bitte auf die Idee mit so einer Maschinengewehr-Salve in ein Album zu starten? Jeder, der da „nur mal kurz Probe hören“ wollte, hasst oder liebt die Band schon ab dem ersten Song. Stimmt doch, oder, Alina? Weitere Songs möchte ich gar nicht einzeln hervorheben – das Album ist einfach in Gänze überragend und wird wirklich zu keiner Sekunde langweilig. Tatsächlich muss man die Songs auch in einer Reihenfolge durchhören, damit sie ihre volle Wirkung entfalten können.

Vergleicht man „Constellations“ mit anderen Releases von August Burns Red, dann mag das 2009er Album musikalisch definitiv nicht das ausgefeilteste und anspruchsvollste sein. „Rescue & Restore“ und „Found in Far Away Places“ sowie beispielsweise auch die Weihnachtsalben zeigen, dass August Burns Red was die reine Instrumentalisierung angeht noch viel breiter aufgestellt sind als auf „Constellations“. Genre-Scheuklappen sind hier nicht vorhanden, Einflüsse aus anderen Musikrichtungen sind an jeder Ecke und Kante bemerkbar. Gerade weil „Constellations“ mein erster Zugang zu dieser wunderbaren Band war, über die ich, wie dem geneigten Leser schon aufgefallen sein dürfte, gar nicht aufhören kann zu schwärmen, ist dies ein weiterer Grund, warum es für mich das wichtigste Album der Band ist.

Alina: August Burns Red. Eine Band von der ich noch nie in meinem Leben irgendetwas gehört habe. Wieder einmal. Laut Google handelt es sich dabei um eine Metalcore Band, die seit dem Jahr 2003 „Musik“ macht. Wenn man sich Bilder der Bandmitglieder ansieht, mag man zunächst der Illusion verfallen, die würden noch harmlos aussehen und gar nicht so schlimme Musik machen, aber man täuscht sich. Melvin hat sich nun das dritte Studioalbum „Constellations“ der Band herausgesucht, das 2009 erschienen ist und für mich persönlich so ungefähr den Horror auf Erden repräsentiert.

Aber fangen wir mal vorne an. Mit Beginn des ersten Tracks „Thirty and Seven“ habe ich fast augenblicklich einen Moshpit vor Augen. Und zwar einen der ganz schlimmen Sorte. So einen bei dem mir Angst und Bange wird, wenn ich an die armen Menschen denke, die sich da gerade gegenseitig die Köpfe einschlagen. Bereits im Plattenkrach zum Biffy Clyro Album habe ich erwähnt, was mir beim Genre Metal „so überhaupt gar nicht gefällt: dieses unsinnige Gekreische, bei dem einen wirklich die Ohren bluten und man sonst eigentlich nur den Bass vernehmen darf.“ Die zwölf Tracks auf „Constellations“ stellen dabei keine Ausnahme dar und beinhalten ebenfalls durchgehend besagtes Gekreische, Gejaule und diese ganz schlimmen Töne, die bei mir nicht mehr als Kopfschmerzen zutage fördern. An dieser Stelle frage ich mich wirklich, ob man das noch singen nennen kann, oder ob eine Wortneuschöpfung nicht besser sei!

Was mir außerdem auffällt, ist das die Musik und Instrumentenwahl einen absolut aggressiven Ton mit sich bringen. Nichts klingt schön oder gar fesselnd, obwohl der größte Teil der Songs wirklich rhythmisch ist. Von den Lyrics brauche ich daher eigentlich gar nicht anzufangen, denn die verstehe ich eh nicht. Ich könnte noch nicht einmal sagen, welche Sprache dort angewendet wird. Was ich schon fast als witzig empfinde, ist die Tatsache, dass man egal wo man hin spult, immer das gleiche zu hören bekommt. Die Songs bauen sich in Endlosschleife auf, der Gesang ist immer gleich – von Stimmvariationen hat diese Band wohl noch nichts gehört und alles wirkt austauschbar.

Obwohl ich es mir feste vorgenommen habe, habe ich es nicht geschafft auch nur einen einzigen Song von „Constellations“ bis zum Ende durchzuhören. Sie alle haben wirklich nichts von dem, was ich in der Musik suche und anders als zum Beispiel bei Biffy Clyro, kann ich mich dementsprechend auch mit nichts anfreunden. Für mich ist dies absolute Kopfschmerzmusik, die gleichzeitig furchtbar aggressiv und langweilig daher kommt. Mir ist unbegreiflich, wie man sich eine so desaströse Stilrichtung anhören kann und die Vorstellung von Melvin, der schon im Anzug bei Helene Fischer saß, auf einem August Burns Red Konzert ist unfassbar lustig! Wenn ich Melvin nicht schon so lange kennen würde, würde ich mir wahrscheinlich Sorgen um seine Psyche machen – aber Musikgeschmäcker sind nun einmal unterschiedlich und jeder soll das hören, was er mag. August Burns Red gehört für mich auf jeden Fall nicht dazu und hinterlässt ein Fragezeichen nach dem anderen.

Das Album “Constellations” kannst du dir hier kaufen.*

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