Cleopatrick – Bummer

Review: Mit ihrem Debütalbum dürften Cleopatrick wohl einer der heißesten Liveacts für die After-Pandemie-Zeit sein.

Während Royal Blood das Album ihrer Karriere rausgehauen haben und die ewigen Schürzenjäger von Death From Above 1979 ihre sanfte Seite entdeckten, wildern Newcomer Cleopatrick im Power-Rock-Revier der beiden Genregiganten und machen dabei auch noch fette Beute.

Anders als bei den ähnlich schlagkräftigen Duos donnern uns die jungen Kanadier ihren stampfenden Alternative-Rock ohne Bass, dafür in der Kombination Gitarre/Schlagzeug um die Ohren. Das klingt dadurch zwar weniger nach Disco als die aktuellen Erscheinungen der beiden Referenzgrößen, heizt aber vielmehr mit der nötigen Menge HipHop im Kofferraum zurück zu deren ungezügelten Anfängen in die Garage.

Die Lone-Wolfs und ihr Rudel

Luke Gruntz und Ian Fraser sind seit frühsten Kindheitstagen beste Freunde, und weil sie in ihrer beschaulichen Heimat Coburg am Ontariosee niemanden für den Bass finden konnten, bewiesen die beiden mit ihren selbstveröffentlichten EPs „14“ und „The Boys“ kurzerhand, dass dieser für sie eh überflüssig ist. Heute ist das Zwei-Mann-Powerhouse allerdings gar nicht mehr so allein, denn sie scharen mittlerweile eine ganze DIY-Entourage um sich. Das Kollektiv, bestehend aus Musikern und Fans, nennt sich New Rock Mafia und teilt nicht nur einen ähnlichen Musikgeschmack sowie die gleichen Überzeugungen, sondern sie supporten sich auch gegenseitig, wo sie nur können.

Randale im Kindergarten

Schon im Kindergarten müssen die beiden gewusst haben, wie man für Aufruhr sorgt, denn mit so ziemlich jedem Track auf ihrem Debüt zelebrieren sie so ausufernd hochtourige Moshpits, als hätten sie nie was anderes gemacht. Dafür bauen Cleopatrick immer erstmal Spannung auf, indem die Verzerrer für die zerberstenden Riffs nach und nach hochgeschraubt werden. Frasers schwerfällig krachender Beat, für den die beiden Inspiration in ihrem Lieblingsgenre HipHop fanden, gewinnt gleichzeitig zunehmend an Intensität. Alles dafür, um in einem verzerrten Grunge-Massaker zu enden, bei dem man am liebsten alles kurz und klein schlagen möchte.

Das geht meist mit Gruntz‘ pissigen Sprechgesang einher, aber auch immer mal im Wechsel mit eindringlich gesungenen Melodien, ähnlich einem Alex Turner von den Arctic Monkeys – zumindest so lange, bis die nächste Distortion-Welle eintrifft. Der Höhepunkt dieses formelhaften Aufbaus dürfte wohl der kompromisslose Stomper „Good Grief“ sein, der schon fast einem Erdbeben gleicht. Aber auch der intensiven Hymne „The Drake“ und dem melodischen „No Sweat“ merkt man ihre Live-Tauglichkeit durch die richtige Balance aus Eingängigkeit und Eskalation an. Potenzial, was wohl auch Frank Carter & The Rattlesnakes gesehen haben, die das Duo bereits auf Tour begleiten durfte.

Von ihrem Konzept weichen die Kanadier allerdings selten mit Konsequenz ab und so versickern entschärfte Songs wie „Why July“ und „2008“ zwischen den Blutlachen ihrer Fuzz-Massaker der offensichtlichen Hits. Der ungebrochenen Partystimmung tut das aber überhaupt keinen Abbruch und Cleopatrick dürfte wohl einer der heißesten Liveacts für die Pandemie-Katharsis sein, wenn es denn bald so weit ist.

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Die Rechte für das Cover liegen bei Nowhere Special Recordings.

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