K.I.Z – Rap Über Hass [Doppel-Review]

Review: Nach der großen Ankündigung erscheint nun endlich das sechste K.I.Z-Album „Rap über Hass“. Wir besprechen das Album gleich zweifach.

Nach der großen Ankündigung Ende 2020 erscheint nun endlich das sechste K.I.Z-Album „Rap über Hass“. Grund genug dem ganzen gleich aus zwei Perspektiven zu begegnen.

Anna macht den Anfang:

Wer hätte gedacht, dass in Zeiten von Lockdown, Kontaktbeschränkungen und Konzertverboten eine der großartigsten musikalischen Meldungen das Land zum fanatischen Jubeln bringen könne? (Bitte was?!) Ja, ganz recht gehört: K.I.Z sind zurück – fallt auf die Knie und huldigt euren Göttern! 

Stolze sechs Jahre lang haben die Berliner Masters of Rap rund um die MCs Nico Seyfrid, Tarek Ebéné und Maxim Drüner ihre Fans auf neuen originell-musikalischen Stoff warten lassen. Und das, obwohl ihre „Jünger*innen“ bereits lautstark Entzugserscheinungen vermeldet haben. Bis auf ein in der Zwischenzeit erschienenes Solo-Album von Tarek und dem Seitenprojekt VSK, blieb es ruhig um die Berliner Rap-Combo. 

Das änderte sich Ende letzten Jahres aber urplötzlich, als K.I.Z den langersehnten Befreiungsschlag verkündeten: Nach einem glorreichen „Album zum Album“-Release des Mixtapes „Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung“ (eine Single als Vorbote zum Album herauszubringen kann schließlich jeder …) war klar: „Rap über Hass“, das sechste Studioalbum von K.I.Z, wird kommen – und das Land mit geistreichen Punchlines und Charme überrollen! 

Bereits vier Singles hat die Rap-Crew vor Album-Release veröffentlicht. „Rap über Hass“, „VIP in der Psychiatrie“ sowie „Ich ficke euch (alle)“ und das erst vor wenigen Tagen erschienene „Mehr als nur ein Fan“ geben dabei die Marschrichtung des Albums an: Politisch motivierter Wumms mit einer gepfefferten Prise Hass. Und das auf albumtauglichen 12 Songs und dem wohl grandiosesten Album-Artwork, das die Nation je gesehen hat! 

Hatten die bisherigen Single-Auskopplungen bereits mit großartigen Samples von stupiden Reden von AfD-Politikern für Aufruhr gesorgt, versuchen sich K.I.Z auch auf den übrigen Songs in abwechslungsreicher, provokanter Unterhaltung. So springen die Rapper, die sich auf „Definition von Glück“ bewusst an dem allseits gelebten Lebensmotto von Harald Juhnke bedienen, sowohl auf den derzeit durchs Land rollende Trap-Zug auf, ohne dabei aber vollständig den viel zu oft kopierten „Tretti“-Sound übernehmen zu wollen. Mit „Ja“, einem Track der nicht zuletzt wegen der akzentuierten Stöhn-Rhythmik von Maxim an Britney Spears‘ „I’m a Slave 4 U“ erinnert, holt die Berliner Rap-Crew zu einem innovativen Rundumschlag aus und nimmt den Zuhörer*innen mit auf eine grandiose Unterhaltung einer sich entwickelnden Partynacht. 

Der Partykracher „Filmriss“, dessen Hook-Schreier gewaltig an die flötende Engelsstimme von Tony-D zu erinnern vermag, wird als Solo-Track von Tarek gehändelt – und kann überzeugen. Sollten Live-Konzerte in ferner Zukunft wieder möglich sein, wird dieser Song wohl die Moshpits dieser Welt heraufbeschwören und die Bierbecher der Hallen in die Luft fliegen lassen.

K.I.Z lieben einen kraftvollen Auftritt. Das haben sie auf „Rap über Hass“ einmal mehr unter Beweis gestellt. Die Berliner Hip-Hop-Formation hat in den vergangenen Jahren ihre kreative Power vereint und zu einem kraftvollen Album zusammengeschweißt. Und das ist durchaus gelungen! Musikalisch – und wie gewohnt politisch.

So heißt es in dem entsprechenden Pressetext zusammenfassend und deutlich: „Rap über Hass“ entzieht sich jeder einfachen politischen Botschaft. Gerade darum ist es das beste politische Album, das man sich gerade jetzt wünschen kann. Denn es ist ja nicht politisch, wenn man schlichte Parolen skandiert oder sich in der Sicherheit eines übersichtlichen Weltbildes wiegt. Politisch ist es, seine eigene Haltung, seinen eigenen Blick auf die Welt, seine Wut, seinen Hass in jedem Moment wieder zu hinterfragen und neu auszurichten.

Dem können wir nur zustimmen: Amen!

Und Jonas sagt:

„Rap Über Hass“ ist detailreicher ausproduziert und hat mehr Konzeptsongs als das letztjährige Ankündigungsalbum. Dabei gehen Witz, Lockerheit und das Spontane des Überraschungs-Vorgängers verloren. Das große Studioalbum zieht in der Hinsicht vor „Und Das Geheimnis Der Unbeglichenen Bordellrechnung“ den Kürzeren. Das ist schade, denn „Rap Über Hass“ ist trotz alldem ziemlich gut.

Der Drüner, der Seyfrieder und der Nubische sind wieder Geschichte. An deren Stelle treten auf „Rap Über Hass“ nun wieder Maxim, Nico und Tarek K.I.Z. Die profitieren bereits ohne ein Wort gerappt zu haben von den fast zeitlosen Instrumentals, die größtenteils von den Drunken Masters und Nico selber ausproduziert wurden. Kleinste Details schleichen sich in die Beats, die es zudem schaffen, Raps und Musik miteinander in Dialog treten zu lassen. Neben leicht versüdstaatlichten Trap-Knallern – ja, Autotune gibt es kaum – und nahezu gefühlvoll arrangierten Soul-Versatzstücken stehen auf „Rap Über Hass“ einige Electronica-Ausflüge, die unmissverständlich die Sprache von Deichkind sprechen. „Unterfickt Und Geistig Behindert“ etwa reiht in abgehackten Stückelflow Drogentrip-Absurditäten aneinander und durchläuft binnen seiner fünfminütigen Spielzeit sowohl überdrehten Euphorie-House als auch loungige Ruhephasen.

Die Präsenz eines Nico Seyfried strahlt jedoch auch über die Produktionen hinweg. „Mister Lover“ Nico fällt mit den stärksten Parts und Einzeilern auf. Das beste Beispiel: Im kurzen „2 Nicos“ berichtet er davon, dass er nur mit Panda-Maske Sex habe, damit das Gerücht entstehe, Cro hätte einen kleinen Penis. Gesundes Level von Selbstironie!

Abgesehen von einigen Konzeptsongs – „Mehr Als Nur Ein Fan“ mit Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß etwa liebäugelt mit überdrehten Fan-Vorstellungen oder „Kinderkram“ lässt ungewohnt reflektiert die eigene Karriere Revue passieren – ist der Albumtitel Programm. Die drei schießen in alle Richtungen, zielen mit dem Todesschläger vermehrt aber auf Rechtsextreme und das Kapital. Sowohl instrumental als auch textlich kann „Rap Über Hass“ somit als eine erwachsenere, immer noch sehr Ficki-Ficki-Humor durchtränkte Weiterentwicklung von „Urlaub Fürs Gehirn“ verstanden werden. Stünde zwischen den zwei Alben kein ambitioniertes Pop-Rap-Großwerk à la „Hurra Die Welt Geht Unter“, die Band wäre ihren Weg konsequent hinfortgeschritten.

Es ist offensichtlich: Es gibt wenig zu beanstanden. Aber dennoch: „Und Das Geheimnis Der Unbeglichenen Bordellrechnung“ hinterließ einen größeren Einschlagkrater. Liegt das an seiner Lockerheit oder einfach nur an der spontanen Veröffentlichung? Wer weiß. Hoffen wir, dass „Rap Über Hass“ hier nicht über seine eigenen Beine stolpert.

Das Album kannst du dir hier kaufen.*

Mehr K.I.Z gibt es hier.

Und so hört sich das an:

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K.I.Z live 2022:

17.02.2022 – Zürich, Halle 622 (CH)
19.02.2022 – Wien, Stadthalle (AU)
20.02.2022 – Bamberg, brose ARENA
23.02.2022 – München, Zenith
25.02.2022 – Freiburg, SICK-Arena
26.02.2022 – Stuttgart, Schleyer-Halle
27.02.2022 – Mannheim, Maimarkthalle
04.03.2022 – Magdeburg, GETEC-Arena
05.03.2022 – Hannover, ZAG-Arena
06.03.2022 – Lingen, EmslandArena
10.03.2022 – Rostock, Stadthalle
11.03.2022 – Bremen, ÖVB-Arena
12.03.2022 – Leipzig, Arena
14.03.2022 – Münster, Halle Münsterland
17.03.2022 – Köln, LANXESS arena
18.03.2022 – Hamburg, Barclaycard Arena
19.03.2022 – Berlin, Max-Schmeling-Halle

Die Rechte für das Cover liegen bei Eklat Tonträger.

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