Porridge Radio – Waterslide, Diving Board, Ladder To The Sky

Porridge Radio - Waterslide, Diving Board, Ladder To The Sky

„Stadium-epic“ soll es sein, dieses neue, dritte Album von Porridge Radio. Moment, nochmal ein Blick auf den Albumtitel. Den bringt man jetzt eher weniger mit eingängigen Hymnen in Verbindung. Und die Band dahinter bis dato eigentlich auch nicht. Was führt das Quartett aus Brighton denn nun schon wieder im Schilde? Nachdem sich Porridge Radio unter besten Lockdown-Bedingungen mit „Every Bad“ in die Herzen der Feuilletons und Indie-Bubble gespielt hatten, winkte direkt mal eine Mercury Prize Nominierung. Kann man schonmal machen. Nach so viel Hype steht aber natürlich auch ein gewisser Druck im Aufnahmestudio. Wohin soll der Weg also gehen – bleiben wir in Kennerkreisen oder gehen wir Richtung Bombast? Nun, das eingangs erwähnte Zitat spricht zwar von letzterem, „Waterslide“ ist aber vor allem ein Kompromiss aus beidem.

Zerrissenheit aus Hundert Kehlen

Porridge Radio haben eine Geheimwaffe. Sie trägt den Namen Dana Margolin und hält das Mikrofon fest umklammert. Auch auf dieser neuen Platte steht die Musikerin klar im Rampenlicht, mehr noch als andere Sänger*innen. Denn Margolin verfügt über dieses gewisse Vibratio in ihrer Stimme, ein Timbre, das dafür gemacht wurde, Gänsehäute zu erwecken und Tränensäcke wachsen zu lassen. Wahnsinnig abgeklärt klingt das an der einen Stelle, wahnsinnig niedergeschlagen an der anderen, aber nie, wirklich nie, einfach beliebig. Margolin singt wieder um ihr Leben – und alle machen mit. Diese hingebungsvolle Intensität hat mit dem großen Stadion aber herzlich wenig zu tun, funktioniert doch nur im möglichst nahen Zusammenspiel aus Publikum und Klangkörper, zerbricht doch unter großer Bühnenshow und gigantischen Rängen. Nein, „Waterslide“ ist kein Album, das man mal nebenbei anmachen möchte, um ein paar neue Fans an Land zu ziehen. Das, was hier gigantisch ist, sind die Gefühlsausbrüche, die in jeder Silbe stecken.

„I don’t want to be loved“

Natürlich macht Margolin nicht alles alleine, aber es ist ganz deutlich, dass die restlichen 3/4 von Porridge Radio vor allem einen angemessenen Thron für die Queen zimmern. Und, ja, auf „Waterslide“ klingt dieser etwas zugänglicher als noch auf dem Vorgänger. In seinen Knochen steckt ein Crescendo, ein Klimax, eine „Ladder To The Sky“. „Back To The Radio“ baut seine intensive Einsamkeit Schritt für Schritt auf, der Wandel von melancholischen Chören zum großen Finale von „End Of Last Year“ macht es ähnlich. Und auch „U Can Be Happy If U Want To“ lässt die Synthesizer erst im Hintergrund flirren, bis es im Getöse aufgeht. „Waterslide“ vertraut auf direkten, lauten Alternative-Rock („Trying“), kleine Bläser („I Hope She’s OK 2“) und sanftes Klavier („Flowers“) und schwillt damit angenehm auf wie ein Hefekloß.

All das ist dennoch nur der Nährboden für die Lyrics, die einen mal wieder kopfüber in den Höllenschlund stoßen. Vorgeschmack gefällig? „Cut off my shoes instead of taking them off“, „No, I don’t want the end / But I don’t want the beginning“. „I just need to keep you close/ But what if it feels like everything else? What if it feels like nothing at all?“ Aber eben auch: „I associate you with good things“ und „Don’t cut me out“. In etlichen Repititionen schmeißt sich Margolin wieder und wieder in die verzweifelte Suche nach einem Halt des Gegenübers, stößt sich selbst wieder ab oder wird selbst weggeschubst. Und wir hören nicht einfach dabei zu, sondern sind Teil dieses Strudels, dieses herrlich intensiven, unbequemen und doch auch irgendwo schönen Gefühls. Fürs Stadion ist das hier einfach zu groß.

Das Album „Waterslide, Diving Board, Ladder To The Sky“ kannst du hier (Vinyl) oder hier (digital) kaufen.*

Und so hört sich das an:

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Rechte am Albumcover liegen bei Secretly Canadian.

 

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