The Offspring – Let The Bad Times Roll

The Offspring - Let The Bad Times Roll

Auf den ersten Blick löst das Coverartwork von „Let The Bad Times Roll“ blankes Entsetzen aus. Schnell stellt sich die Frage, weshalb the Offspring, die legendäre Skate-Pop-Punk-Gruppe aus Orange Country, ihr erstes Studioalbum seit knapp neun Jahren in einer solchen Hässlichkeit verpacken? Beim genaueren Betrachten fallen jedoch dezente Anspielungen auf sozialpolitische Probleme auf, welche die Band in den Texten ihres aktuellen Albums thematisiert. Hinzu kommt die detailreiche und liebevolle Gestaltung des Covers. Nach einer genaueren Auseinandersetzung gibt der Überzug also ein gar nicht mal so schlechtes Bild ab. Mit der Musik der Platte verhält es sich hingegen umgekehrt.

„Let The Bad Times Roll“ legt einen Senkrechtstart hin, stürzt anschließend jedoch ab und hat danach seine Probleme sich wieder zu fangen. Was zunächst großartig klingt, entpuppt sich als Mischung aus Langeweile, Mittelmaß und vereinzelten Glanzstücken.

Zwischen Nostalgie und Belanglosigkeit

Das Album startet mit dem energischen „This Is Not Utopia“ und legt mit dem euphorischen, titelgebenden „Let The Bad Times Roll“ nach. The Offspring sind zurück, eingängig und geradeaus wie eh und je. Eine Erkenntnis, die nur die halbe Wahrheit darstellt. Im weiteren Verlauf driftet das Album zunehmend in einen gut gespielten Einheitsbrei sb.

Immer wieder ertönen Stücke wie „Army Of One“ oder „Breaking These Bones“, die für frühe 2000er-Nostalgie sorgen. Einwandfrei spielt Noodles gleichermaßen poppige und eingängige Riffs. Dexters Stimme hat im Laufe der Zeit wenig von ihrem Charme eingebüßt. Pete Pradas Schlagezugspiel lässt sich als grundsolide beschreiben und Todd Morse, Bruder von H2O-Chef Toby Morse, versteht es sich organisch in die Band einzufügen. Trotzdem schafft es das Album nicht, auf ganzer Linie zu überzeugen. Dafür kommen Stücke wie „Coming For You“ und „Hassan Chop“ einfach zu mittelmäßig daher. Generell verliert sich das Album häufig in unnötigen Lückenfüllern.

Starke Momente fürs Formatradio

Insgesamt ist das wohl größte Problem der Platte, dass die Songs nicht wie aus einem Guss wirken. Viel mehr vermitteln sie den Eindruck, zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Kontexten entstanden zu sein. Die ersten beiden Stück triefen nur so vor Leidenschaft und Genialität. Leider bleiben sie damit fast die Ausnahme. Zu oft klingen die Stücke auf „Let The Bad Times Roll“ einfach belanglos. Das Album wirkt zusammengewürfelt. Starke Songs wechseln sich mit belanglosen aber gut gespielten Lückenfüllern ab. Die euphorischen, fast schon hymnenartigen Stücke der Platte können an alte Hits wie „Self Esteem“ und „The Kids Aren’t Alright“ definitiv anschließen. Die schwachen Songs der Platte hingegen hinken hinterher.

Zweifelsohne hat „Let The Bad Times Roll“ seine starken Momente. Immer noch bewegt die Band sich gekonnt zwischen Skatepunk, alternative Rock und poppigen Klängen, sie verstehen ihr Handwerk. Ins Formatradio passt die Gruppe aus dem sonnigen Kalifornien mit ihrer aktuellen Platte allemal. Aber das taten the Offspring ja schon immer. Ob „Let The Bad Times Roll“ sich auch für eingefleischte Fans eignet, entscheidet sich wohl auf individueller Ebene. Reinhören lohnt sich definitiv, dass sind es die starken Augenblicke der Platte wert. Eine Frage bleibt nach intensiver Auseinandersetzung mit Album und Artwork trotzdem noch ungeklärt: Was soll die komische Piratenflagge?

„Let The Bad Times Roll“ kannst du hier (Vinyl) und hier (digital) kaufen.

Und so hört sich das an:

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Die Rechte am Albumcover liegen bei Concord/Universal.

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