Footloose – Das Musical, Theater am Tanzbrunnen Köln, 20.02.2024

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Filme bieten regelmäßig immer neues Material für die Theaterbühnen. Mittlerweile sind kaum noch erfolgreiche Streifen davor sicher, als Musical adaptiert zu werden. Dabei gibt es naheliegende Umsetzungen, weil schon im Original viel Musik zu hören ist – zum Beispiel bei „Moulin Rouge“ oder „Sister Act“ – hier und da wird’s aber auch mal richtig skurril, wenn so etwas wie „Tanz der Teufel“ zum Off-Broadway-Hit wird. Nicht zuletzt funktionieren natürlich die großen Tanzfilme der 70s und 80s ganz besonders gut, sodass „Grease“, „Dirty Dancing“ oder jüngst auch „Flashdance“ zu Dauerbrennern der Gattung wurden. Umso erstaunlicher, dass es bei Footloose mit dem Durchbruch weiterhin etwas dauert.

Direkt an dieser Stelle wieder ein großes Kompliment an die Veranstalter*innen von ShowSlot, die mit „Fack Ju Göhte“ , „Ghost“ oder auch „Rock of Ages“ immer einen guten Riecher für die Stücke haben, die entweder besonders neugierig machen, weil man sich zunächst so gar nicht vorstellen kann, wie das funktionieren soll, oder die aus dem Grund die Hütte vollmachen, weil man sie hierzulande so wahnsinnig selten zu Gesicht bekommt. Footloose – Das Musical reiht sich in die zweite Kategorie ein und ist erneut eine gut recherchierte, kreative Wahl.

Dabei klingt es zunächst wie eine unglaublich abgedroschene Entscheidung, denn wie kann das denn bitte sein, dass Footloose immer noch nicht als Musical auf gefühlt allen Bühnen der Welt spielte? Naheliegender geht es doch eigentlich kaum! Aber tatsächlich steht die US-Produktion aus dem Jahr 1984 mit Kevin Bacon in der Hauptrolle immer ein wenig im Schatten der bereits erwähnten „Dirty Dancings“ oder „Flashdances“. Dabei spielte besonders der Soundtrack richtig viel Kohle ein und wurde in den USA mit neunfach Platin ausgezeichnet. Auch hier reichte es für einen ziemlich guten Platz 3 in den Charts. Am meisten in Erinnerung ist wohl der gleichnamige Titelsong von Kenny Loggins geblieben, der auch wirklich sehr schwer den Kopf wieder verlässt, wenn er einmal den Weg dorthin fand.

Schon 1998 feierte die Musicalumsetzung in New York Premiere und reist seitdem immer mal wieder durch die Staaten, aber auch durch UK. Bei uns muss man schon sehr gut die Augen offen halten, gab es nach der englischsprachigen Premiere in München 2003 und der deutschsprachigen 2004 in Österreich in den letzten 20 Jahren keine einzige richtig große Produktion, sondern stets nur kleinere Inszenierungen in Staatstheatern, oft sogar eher von Laiendarsteller*innen. Somit macht ShowSlot also wieder etwas möglich, worauf manche lange warten mussten: Gleich 20 Städte in den drei deutschsprachigen Ländern können für mindestens zwei, maximal aber für 13 Tage am Stück Footloose – Das Musical sehen. Bei Bedarf also dringend die Augen aufhalten, sonst ist’s so schnell weg, wie die Kicks in der finalen Choreographie.

Das fast komplett volle Theater am Tanzbrunnen in Köln ist die erste NRW-Spielstätte auf dem Tourplan. Doch lohnt das erst 65, dann 60 Minuten lange Stück überhaupt, das bis auf kleine Ausnahmen auf Deutsch gespielt und gesungen wird? Die Antwort: Geht so, denn so richtig überzeugen kann es leider am Ende nicht. Dafür fallen zu viele Segmente ein wenig unbefriedigend aus und die Spielzeit, bis es mal so richtig zündet, braucht entschieden zu lang.

Zur Geschichte: Ren McCormack ist nach der Trennung seiner Eltern in einer neuen City angekommen. Bomont ist wahnsinnig langweilig, gefühlt kann man hier so gar nichts tun. Der örtliche Priester hat nach dem Unfalltod seines Sohnes Rock-Musik genauso verboten wie das Tanzen selbst und hat auf jeden ein beobachtendes Auge, der oder die probiert Drogen zu konsumieren. Ren ist aber voller Tatendrang und lebt für Musik. Auf der Highschool lernt er unter anderem die Tochter des Priesters, Ariel, kennen und… na, ihr wisst schon!

Die Story ist gemäß der unaufgeschriebenen Regeln eines Tanzfilms ok, aber natürlich keinesfalls bahnbrechend. Trotzdem gibt es zumindest einige Handlungsstränge, die auch gut zusammenführen und nicht zu sehr aus der Luft gegriffen wirken. Wesentlich problematischer ist, dass zum wiederholten Male die Musik in einer ShowSlot-Produktion vom Band kommt. Dazu klingen die vorab aufgenommenen Songs teilweise nicht mal richtig gut. Besonders am Anfang der Show gibt es erhebliche Tonprobleme, an einigen Stellen sind Drums und Bass schrecklich laut, Darsteller*innen viel zu leise oder zu anderen Momenten der Klang wiederum ganz schön leer. Da muss man bei guten Tickets zum dreistelligen Bereich echt schlucken.

Hingegen das Bühnenbild und die Ausstattung sind für eine Tourproduktion, die nur wenige Tage an einem Ort verweilt, ziemlich gelungen. Zwei hohe Gerüste, die optisch an eine alte Metallbrücke, die über einen Fluss führt, angelehnt sind, können super umfunktioniert werden, sodass sie für unterschiedliche Szenen passen und mal nebeneinander, mal voreinander und mal schräg positioniert werden. Dazu gibt es diverse Requisiten für den Highschool-Alltag oder das Dinner in der Familie, das schnell in Streitigkeiten endet. Das Kostüm ist ähnlich und wechselt recht regelmäßig.

Mit Ethan Freeman hat man einen der größten Musical-Dinos Deutschland an Bord. Der fast 65-jährige hat in den letzten vier Dekaden alles gespielt, was möglich war, und ist einfach ein echtes Aushängeschild. Auch in seiner Rolle als Priester macht er wieder gesanglich wie schauspielerisch alles richtig und hat ganz viel Präsenz. Kerstin Ibald als seine Ehefrau Vi schafft es genauso mit emotionalen Akzenten das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Trotzdem bleibt der berührendste Moment bei Hauptdarsteller Raphael Groß als Ren und Helena Lenn als Ariel, die mit ihrem Liebesduett „Wie im Märchenland“ den optischen Höhepunkt ihr Eigen nennen können. Beide harmonieren echt gut und liefern Identifikationsfläche.

Doch neben den vier Erwähnten stürzt das Niveau der Cast rapide ins Mittelfeld. Besonders in den Nebenrollen, darunter gleich mehre Freund*innen von der Highschool, kann man an einigen Stellen Töne hören, die nicht nur nicht mittig im Ton, sondern wirklich schief sind. In anderen Momenten klingt es stark nach Erkältung. Vielen sind die Noten, die sie singen müssen, hörbar zu hoch, sodass wahnsinnig viel gepresst wird und darunter einfach der Sound leidet. Schade. Fehlt es da einfach noch zu sehr an Bühnenerfahrung oder muss da im Gesang nochmal ordentlich nachgebessert werden?

Inhaltlich hangelt sich das Stück im ersten Akt ganz stark an der Grenze zur Langeweile entlang. Nicht permanent, aber doch einige Male warten einige spürbare Längen in der Erzählung auf. Das verfliegt dafür im zweiten Akt vollständig, sodass die andere Hälfte des Musicals viel, viel mehr Spaß macht. Klug ist auch das wirklich starke Finale, bei dem – wie sollte es auch anders sein – zu „Footloose“ ein mehrminütiger Highschool-Ball veranstaltet wird, der ordentlich Tempo hat, mitreißt und eine starke Choreographie bietet. Diese wird dann auch gleich mit zwei, drei Zugaben-Einlagen verlängert. Schlau, denn das ist eben der Eindruck, mit dem man den Saal verlässt. Ansonsten gibt es mit „Wo sind die Helden?“, der deutschen Version zu „Holding Out For A Hero“ von Bonnie Tyler, einen weiteren großen Ohrwurm, der aber leider gesanglich nicht so gut abschneidet.

Footloose – Das Musical ist eine wirklich schöne Wahl, allein schon aus dem Grund, weil es so wenig Präsenz besitzt und in Deutschland nahezu unbekannt ist. Die Cast splittet sich in „ziemlich gut“ und „eher enttäuschend“ auf. Die Musik ist stimmig und spaßig, kommt aber eben aus der Konserve. Optisch ist das Stück für eine Tourproduktion überdurchschnittlich. Wer ansonsten die Musicalnation leer geguckt hat, darf es gern mitnehmen – wer eher Typ „Ich gehe einmal im Jahr ins Musical“ ist, könnte ein wenig underwhelmed nach Hause fahren, auch wenn die Titelmelodie einen in den Schlaf verfolgt.

Und so sieht das aus:

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Bild von Christopher

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8 Kommentare zu „Footloose – Das Musical, Theater am Tanzbrunnen Köln, 20.02.2024“

  1. War am Donnerstag, 22.2.24 im Tanzbrunnen Köln.
    Resümee/Note Gesamt: SEHR SCHLECHT!!! Schulnote 5-
    Bühnenbild: 6 (eigentlich gab es keines – bis auf 2 Gerüste, die irgendetwas darstellen sollen)
    Cast: 5 (sie waren bemüht aber leider keine professionelle Leistung, eher wie eine Schulaufführung)
    Band/Orchester: 3+ (das war das Beste am Musical)
    Preise: 6 (die Aufführung war wie eine Schulaufführung, dafür weit über 100 Euro an Eintrittsgeld – eine Frechheit!!!!)
    Sitzplätze: 6 (Tanzbrunnen – alle Stühle auf gleicher Höhe, dafür die Bühne sehr niedrig. Man schaut ausschließlich auf Köpfe und Körper der Gäste der Reihen vor einem, die Beine und Füße der Darsteller sind dadurch fast nicht zu sehen.)
    Die gesamte Darstellung hat nur einen professionellen Touch. Das ist der total überhöhte Preis!!!
    Mein abschließender Tip: NICHT HINGEHEN – DAS GELD SPAREN UND LIEBER DEN FILM IM FERNSEHEN ANSCHAUEN! Der taugt was!

    1. Hi Dirk,
      oh wow. Das klingt so, als ob du wirklich sehr enttäuscht wurdest!
      Schade. Ich hoffe, dein nächster Musicalbesuch wird besser 🙂

      LG

  2. Furchtbares Musical! Wir haben Karten für ca 120€ gekauft, nicht mal 5€ Eintrittspreis hätten sich hierfür gelohnt! Es ähnelt stark einer schlecht inszenierten Schulaufführung. Schiefe Töne, wenig Tanz, zumal die beiden Hauptdarsteller tatsächlich überhaupt gar nicht tanzen können. Die Wahl der Hauptdarsteller lässt auch zu wünschen übrig, ziemlich unpassende Wahl. Ich bin sehr enttäuscht und frage mich wirklich, wie man in einem Musical so viel falsch machen kann und dafür noch so viel Geld verlangen kann. Bei dem Zuschauer kommt Nix an, etliche haben bereits nach den ersten 20 Minuten den Saal verlassen. Kann ich wirklich niemandem empfehlen.

    1. Hi,

      in meiner Vorstellung habe ich nicht mitbekommen, dass jemand eher gegangen ist.
      Schade, dass es für dich so unangenehm war.

      VLG

  3. Die Darbeitung war eine der schlechtesten, die ich in 30 Jahren jemals gesehen und gehört habe!
    Falsche Stimmlagen, disharmonische Gesangseinlagen, schlechte Tänzer*innen und eine grottenlangweilige Umsetzung der Handlung.
    Wir sind entsetzt und wütend zugleich, soviel Geld(3× 119,75€) bezahlt zu haben – gelinde gesagt, eine bodenlose Frechheit.
    Ganz ganz furchtbar!

    Corinna

  4. Das war ein Albtraum. Leider war diese Darstellung, wenn man dies so nennen kann eine absolute Frechheit.
    Es konnte weder eine/r die Töne treffen noch konnten die Darsteller tanzen.
    Die Hauptdarstellerin wurde zum tanzen in die letzte Reihe geschickt, weil sie nicht tanzen konnte. Mehrere Personen haben nach 15 min die Vorstellung verlassen oder sich auf den Schock etwas zu trinken geholt.
    So viel Geld für die Tickets für so eine Frechheit.
    Die Tour sollte abgebrochen werden und das Geld sollte zurück bezahlt werden.
    Da habe ich schon Schulaufführungen gesehen die weit aus interessanter und besser waren.

    1. Hey,

      die Hauptdarstellerin, die ich gesehen habe, war ganz gut.
      Nicht überragend, aber auf jeden Fall in Ordnung.
      Einige der vier wichtigen Darsteller*innen fand ich super,
      leider war ich aber – wie in meinem Bericht beschrieben – von der restlichen Cast auch nicht begeistert.

      VLG

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