Interview – The Temperance Movement in Köln

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Vor dem mitreißenden Konzert von The Temperance Movement im Kölner Luxor am 17. Dezember hatten wir die Gelegenheit, mit Sänger Phil Campbell über die neuesten Entwicklungen innerhalb der Band zu sprechen. Wir haben uns mit ihm über den Ausstieg von Drummer Damon Wilson und über Mikey Sorbello, welcher spontan für die Deutschland-Konzerte der Band einspringen konnte, unterhalten. Außerdem erfahrt ihr in unserem Interview mehr über die neulichen Akustik-Gigs der Band, die Resonanz des Publikums auf die Songs des aktuellen Albums “White Bear” sowie die Pläne für neue Musikaufnahmen im kommenden Jahr.

The Temperance Movement
Phil Campbell, Damon Wilson, Nick Fyffe und Paul Sayer.

minutenmusik: Hi, Phil! Ihr habt gerade eine Show in Isernhagen gespielt. Wie war’s?

Phil Campbell: Es war fantastisch. Hab vielen Dank, Sebastian. Es ist schön, dich zu treffen und von dir interviewt zu werden. Isernhagen war toll, Deutschland ist toll.

minutenmusik: Auf dieser Tour habt ihr einen anderen Drummer dabei, Mikey Sorbello von The Graveltones. Wann hattet ihr euren ersten Kontakt mit den Graveltones?

Phil Campbell: Vor vielen Jahren… Wir kennen die Graveltones schon etwa so lange, wie es die Band gibt. Ich glaube, wir haben vor vielleicht drei, vier Jahren eine Tour in Europa mit ihnen gespielt. Wir kannten sie schon immer. Wir haben zusammen in Veranstaltungshäusern in London gespielt…
Wenn du deinen Drummer verlierst, ist das eine ziemlich, ziemlich schwierige Sache, mithin ist es wahrscheinlich das, was am schwersten zu ersetzen ist!? Mit Mike haben wir einfach… Ich meine, weil wir auf Tour gingen, war es gewissermaßen leicht, Mike einfach zu fragen, ob er es machen könnte. Wir haben nicht viel darüber nachgedacht. Im Grunde lag es einfach daran, dass wir beide auf derselben Tour waren und dass wir wussten, mit ihm würde es ganz gut klappen. Also frugen wir ihn, und ob er dazu in der Lage wäre, denn es ist eine durchaus schwere Sache, jede Nacht zwei Gigs zu spielen. Und genau das macht der Typ jetzt…

minutenmusik: Habt ihr mit ihm geprobt?

Phil Campbell: Ja, wir hatten ein paar Probe-Tage, was wahrscheinlich nicht genug war, aber… Ich meine, wir haben getan, was wir konnten. Wir haben dieses Jahr viel getourt und es gab nicht wirklich viel Zeit, denn es war ein wenig… Wir haben es nicht erwartet. Als Damon uns verließ, sofort nach der Amerika-Tour… Also wir hatten nicht wirklich so viel Zeit, die Sache in Ordnung zu bringen, daher wurde es schnell zusammengefügt.

minutenmusik: Dass Damon die Band verlassen würde, habt ihr also unmittelbar nach der Amerika-Tour erfahren?

Phil Campbell: Ja, am Tag nach unserer Rückkehr. Obwohl, weißt du… Es war ein ziemlicher Schock, für alle von uns. In dem freien Monat, den wir zwischen der Amerika-Tour und dieser Tour hatten, im November, da mussten wir irgendwie einfach eine Show abziehen und einen Monat zu Hause verbringen. Aber das passiert jedes Mal, beide Male, die wir in Amerika waren. Letztes Jahr, 2015, verließ uns Potashnick, nachdem wir zurückkamen. Er hat dasselbe gemacht. Was also Freizeit zum Relaxen war, wurde einfach zu einem Albtraum. So war es auch, als Damon uns verließ. Es war ein verdammter Albtraum. Anstatt einfach ein paar Wochen frei zu haben, damit wir relaxen können, verwandelt es sich zu einem totalen Stress…

minutenmusik: Zusätzlich habt ihr jetzt noch ein paar Akustik-Gigs in der UK gespielt. Da musstet ihr wahrscheinlich auch viel für üben, und ihr hattet noch einen anderen Drummer dabei. Wie sind die Gigs gelaufen?

Phil Campbell: Die waren wirklich großartig für uns, weil sie gewissermaßen einen Sinn für Spaß und Freude in uns wieder entzündet haben, welcher uns irgendwie entrissen worden war, weil wir die Songs und Arrangements einfach zu oft gespielt hatten, immer und immer und immer wieder. Zur Temperance Movement gehört dieses Live-Element. Im Laufe der Zeit, die wir jetzt zusammen spielen… da gibt es auf jeden Fall Versionen von Songs, die wir gespielt haben…, da gibt es absolut Dinge, die wir machen wollen, und wir versuchen, herauszuholen, was geht. Ich denke, all die Arrangements waren ein wenig abgestanden, um ehrlich zu sein. Die Songs also komplett neu zu erfinden, das war sehr, sehr, sehr gesund für die Songs und für die Band, auch die Arbeit mit einem anderen Drummer. Wir haben ihn nicht gebeten, die Songs auf die gleiche Art zu spielen. Wir baten ihn, die Songs auf eine andere Art zu spielen, also war es so, als wäre es eine komplett andere Band. Ich würde sagen, von allen Gigs, die wir im letzten Jahr gespielt haben, waren diese drei Akustik-Gigs so ziemlich meine liebsten. Und ich denke, es waren meine besten und die besten der Band. Es war nicht die Amerika-Tour, die war es nicht, denn wir haben es irgendwie übertrieben. Ich denke, was hier passiert ist… es ist fast so, als ob es eine neue Band wäre. Die drei von uns aus der Original-Formation plus Matt White, wir alle haben uns entschlossen, weiterzumachen. Und wenn wir das tun, werden wir es verändern. Und es wird etwas sein, das ganz anders ist als das, was es war, als wir anfingen, denn es sind einfach andere Leute beteiligt.

minutenmusik: Wer hatte die Idee zu dem Cover des Radiohead-Songs „Just“, das ihr gespielt habt?

Phil Campbell: Das war ein Song, den wir in einer Radiostation in Paris gespielt haben. Es war einfach ein Song, den wir alle kannten. Beim Radiosender in Paris wollten sie ein Cover, also haben wir dieses gespielt. Wir haben es bei der Show in London gespielt, um uns gewissermaßen bei unserer Management-Firma zu bedanken, denn sie mögen Radiohead. Da haben wir es gespielt, das eine Mal, aber in Manchester oder Glasgow haben wir es nicht gespielt.

minutenmusik: Für die Akustik-Gigs habt ihr eine neue Art des Ticketverkaufs ausprobiert. [Ticketkäufer mussten auf einer Internetseite ihr Fanwissen unter Beweis stellen, bevor sie Tickets erwerben konnten. Dadurch sollte es Weiterverkäufern erschwert werden, in den Besitz vieler Tickets zu kommen.] Wie lief das?

Phil Campbell: Ich denke, dass es recht kompliziert war, um ehrlich mit dir zu sein. Von dem her, was ich gehört habe, war es nicht so reibungslos. Das Wichtigste ist, dass Leute Tickets gekauft haben und wir alle Shows ausverkauft haben, aber es war keine sehr einfache Art, es zu tun.

minutenmusik: War es also an sich eine gute Idee, die noch verbessert werden muss?

Phil Campbell: Ich denke, durch diese Erfahrung wissen wir, was falsch war, und wie man es besser macht. Wie bei allem, was wir gerade machen, ist das vorübergehend. Man muss es einfach vorantreiben… Wir probieren Dinge aus.

minutenmusik: Ihr habt jetzt das ganze Jahr lang Songs aus eurem neuen Album „White Bear“ gespielt. Wie ist die Reaktion der Fans auf das neue Material im Vergleich zu den Songs eures Debüts? Was sind die größten Publikumslieblinge?

Phil Campbell: Ich denke, dass wir mit „White Bear“ einen Gang hochgeschaltet haben. Wir versuchten, es ein klein wenig heavier zu machen, aber im Wesentlichen denke ich, dass die meisten Songs, die bei den Fans Nachhall finden, nach wie vor von der ersten Platte stammen, die wir gemacht haben. Und selbst da denke ich, es sind die sanften Songs, die wir spielen, welche ihnen gefallen, wie „Smouldering“ und „Pride“ und „Lovers and Fighters“ und „Chinese Lanterns“. Das sind die Songs, mit denen die Fans am meisten im Einklang sind. Auf unserer neuen Platte haben wir nicht wirklich sehr viele solcher sanften Momente. Wir haben einen Song namens „I Hope I’m Not Losing My Mind“, welcher den Leuten gefiel. Es gibt da einige großartige Songs auf „White Bear“. Ich persönlich finde, dass es bloß ein klein wenig zu heavy ist. Ich habe es genossen, Songs für die Akustik-Shows umzuarbeiten. Wir haben eine Überarbeitung von „A Pleasant Peace I Feel“ gemacht, die meines Erachtens besser als die Version war, die wir aufgenommen haben. Es hat auf jeden Fall gut Spaß gemacht, es zu spielen. Wir waren gerade zurück von der Amerika-Tour und wir haben uns als Rockband definiert… Ich denke, heavier als auf „White Bear“ wird es für mich nicht werden. So heavy zu sein, das ist nicht für unsereins.

minutenmusik: „Modern Massacre“ ist sehr heavy, aber ein toller Song. „White Bear“ wiederum ist (in der Live-Version) völlig anders, nicht so heavy…

Phil Campbell: „White Bear“… Es ist eigentlich unmöglich, es im selben Set wie „Get Yourself Free“ und „Modern Massacre“ zu spielen, denn ich kann es tatsächlich nicht singen. Es ist viel, viel zu hoch! Und wenn wir mehr Zeit gehabt hätten und ich darüber nachgedacht hätte, es tiefer gemacht hätte… Aber so haben wir es halt gemacht, also spielen wir eine Version von „White Bear“, die sanft und drei oder vier Lagen tiefer ist – und es ist singbar. Du kannst wirklich den Song hören, das ist viel besser, als wenn man es schreit.

minutenmusik: Euer Debüt erschien 2013, Anfang 2016 kam „White Bear“ auf den Markt. Wann rechnest du mit einem neuen Album?

Phil Campbell: Ich weiß es nicht, aber falls wir bis zur Mitte des kommenden Jahres etwas haben…. Ich bin mir nicht sicher, wie lange es dauert. Ich denke, wir fangen so früh wie möglich im neuen Jahr und im ersten Vierteljahr mit der Arbeit an. Ich hoffe, zumindest bis zum Sommer etwas aufgenommen zu haben.

minutenmusik: Auf eurem nächsten Album wird dann auch Matt White an der Gitarre dabei sein.

Phil Campbell: Ja, Matt White kam dazu und hat die Platte gespielt, die Potashnick mit uns aufgenommen hatte. Er war von Anfang an am Schreiben interessiert, denn er ist ein anderer Gitarrenspieler und ein anderer Musiker. Das haben wir gebraucht, das ist es, was die Dinge verändert. Es sind andere Ideen und neue Perspektiven.

minutenmusik: Als Musiker wird man ja auch von anderen Kollegen beeinflusst. Ihr wart mittlerweile schon mit einigen anderen Bands auf Tour. Was findest du eigentlich an den Graveltones toll?

Phil Campbell: Es ist fantastisch, sich die Graveltones anzusehen. Sie sind großartig. Sie haben eine Menge Energie. Ich liebe es, dass sie sowohl sehr schnell und heavy als auch richtig ruhig sein können. Sie erinnern mich an Rage Against The Machine, manchmal erinnern sie mich an die White Stripes. Sie haben viel Kraft und Dynamik in dem, was sie tun, für gerade mal zwei Leute.

minutenmusik: Ihr habt beide schon als Vorband für die Rival Sons gespielt. Was kannst du über die sagen?

Phil Campbell: Die gehen schon klar! Sie sind irgendwie eine andere Band, sie sind auf dieses schonungslose Rockband-Ding aus… Ich wünsche ihnen viel Erfolg!

minutenmusik: Hattet ihr auch die Chance, die Rolling Stones persönlich zu treffen, als ihr sie supportet habt?

Phil Campbell: Ja, wir haben sie getroffen… Sie waren sehr nette und sehr bezaubernde Leute, sehr gute Leute, mit denen man Zeit verbringen kann, genauso, wie man sie sich vorstellt. Wir konnten mit ihnen in der Umkleide abhängen und über Musik und andere Sachen plaudern. Sie sind cool, sehr cool. Und sie sind immer noch eine Band, die man sich gut anschauen kann. „Midnight Rambler“ zum Beispiel, von „Let It Bleed“, ist erstaunlich. Wenn sie es herunterbrechen… Sie sind immer noch magisch, sie sind immer noch eine magische Band!

minutenmusik: Hast du eigentlich noch andere Talente neben der Musik? Du hast mal einen täglichen Tour-Kommentar geschrieben. Macht dir das Schreiben Spaß?

Phil Campbell: Ja, das mache ich recht gerne. Ich hatte ziemliche Freude daran, einfach der Sache wegen zu schreiben… Sonst schreibe ich eigentlich bloß für die Facebook-Seite, Nick macht das auch. Manchmal ist es schön, sich damit die Zeit zu vertreiben, während man auf Tour ist.

minutenmusik: Phil, ich wünsche dir noch viel Spaß bei den letzten Konzerten dieser Tour und danke dir für das Interview. Auf ein erfolgreiches Jahr 2017!

Phil Campbell: Danke, Sebastian!

Mit ihrem 2018 erscheinenden Album “A Deeper Cut” wird die Band erneut in Deutschland zu sehen sein.

Termine:

18.03.2018 München, Backstage Werk
24.03.2018 Berlin, Lido
25.03.2018 Hamburg, Knust
27.03.2018 Köln, Bürgerhaus Stollwerck

So hört sich das an:

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Titelbild: Albumcover “White Bear”.
Bandfoto von: Rob Blackham.

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