grandson – Death of an Optimist

Grandson

grandson meint es ernst! Schon in seinen EPs namens “A Modern Tragedy” “Vol. 1” und “Vol. 2” katapultierte der Newcomer politischen Crossover ins 21. Jahrhundert. Seinen von wichtigen Statements gespickten Protestsongs entspricht tatsächlich auch grandsons Verhalten abseits der eigenen Musik, wie der XX Resistance Fund regelmäßig beweist. Wie selbstverständlich positioniert sich der Musiker kontinuierlich gegen Rassismus, Umweltzerstörung und diverse Formen der Marginalisierung. Klingt ja alles schön und gut – aber wie gehaltvoll ist die Musik zu dieser Tattoo-Vorlagen-Maschine für die linke Szene denn? Dafür lohnt sich ein Blick in das Debütalbum, das direkt mit einem anspruchsvollen Narrativ aufwartet, wie grandson uns auch im Interview erzählte. Halbe Sachen macht er scheinbar nicht!

Ein Dinner mit dem eigenen Alter Ego

…nun ja. Im Grunde genommen macht er es doch. Denn “Death of an Optimist” ist tatsächlich ein duales Konstrukt. Auf der ersten Seite erzählt noch Jordan Edward Benjamin, wie grandson bürgerlich heißt, vonn seiner Hoffnung und seinen Träumen , um dann auf der zweiten Hälfte von dem düsteren Alter Ego “X” infrage gestellt zu werden. Ein personifiziertes Feindbild, das die eigenen Dämonen, Zweifel und Ängste abbildet, mit sich selbst in den Ring treten zu lassen, ist schon grundlegend eine sehr spannende Idee. Und diese Grundlage arbeitet grandson auch mit Liebe zum Detail auf, wie schon der immense Atmosphärenwechsel in der Albummitte verdeutlicht. Ruft “Dirty” noch mit ungewohnt beschwingten Ska-Bläsern zum Protest auf, malt “WWWIII” als Gegenstück die beängstigende Vorstellung eines Weltkrieges an die kargen Wände. Protest ist aus X’ Perspektive längst vergeblich.

Symbiose aus Form und Inhalt

Aufeinander treffen diese beiden Perspektive im Interlude “The Ballad of G and X”, in dem grandson von seinem permanenten Zoff mit den eigenen Zweifeln singt. Wo sich gerade in der alternativen Szene viele am liebsten selbst die Krone als beste Menschen der Welt aufsetzen würden und die Feinde als konträr zum eigenen Selbst konstruieren, zeigt sich grandson hier selbst angreifbar, zweifelnd. Ein Ringen mit dem eigenen selbst, das aber nicht nur inhaltlich ziemlich mitreißt, sondern auch mit dem passenden Sound daherkommt. Hits kann grandson, das haben seine bemerkenswerten Streaming-Zahlen schon bei den EPs bewiesen, die die Millionen-Marke mit links knackten. Und auch auf Albumlänge beweist der Songwriter seine Stärke für geradliniges Songwriting, das aber mit seinem Crossover-Grundbau aus verzerrten Riffs und fetten Hip-Hop-Beats genügend Material für überraschende Wendungen bereit hält. Das klingt auf “Left Behind” mal luftig leicht, bei “Riptide” lassen sich Linkin-Park-Referenzen erahnen und “We Did It!!!” zittert zwischen wankenden Synth-Türmen. Wer das Duell am Ende für sich entscheidet? Einen klaren Sieger kann es hier unmöglich geben, sind X und grandson doch unweigerlich miteinander verbunden. Dem Hörvergnügen tut das nur gut und spendet gleichzeitig Mut, aber auch Verständnis für die eigenen Zweifel. Halbe Sache im besten Sinne!

Übrigens lädt grandson am 18. Dezember um 2 Uhr europäischer Zeit zum Livestream-Event “Death of an Optimist: The Movie” ein, bei dem es einen Blick hinter den Aktivismus, die Kunst und die Musik des Albums gibt – und die Platte natürlich auch live und in voller Länge gespielt wird. Dazu gibt’s ungesehene Filmaufnahmen aus dem Studio und von seiner treuen Fangmeinde, den grandkids. Tickets für das Event könnt ihr hier kaufen.

Das Album “Death of an Optimist” kannst du hier kaufen. *

Und so hört sich das an:

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Rechte am Albumcover liegen bei Atlantic Records.

 

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