Review: Auf AWSUNTW erzählt Casper so viel und ausführlich tragische Geschichten wie noch nie. Gerade das gehört zu den Stärken des Albums.

Casper – Alles War Schön Und Nichts Tat Weh

Es ist ein alter Leitsatz: Des großen Künstlers Leid, ist der kleinen Hörer*innenschaft Freud. Es ist auch ein wahrer Leitsatz. Immerhin interessiert sich der Mensch für Negatives mehr als für Positives. Das belegen wissenschaftliche Studien. „Negativity Bias“ nennt die Psychologie dieses Phänomen, das bitterböse Medien im digitalen Zeitalter reichlich bedienen. Doch die großen Medienhäuser, deren Missbrauch dieser Eigenart der menschlichen Psyche durchaus weitreichende Folgen haben kann, sind damit nicht allein. Auch Casper, Rapper und Lebensretter des deutschsprachigen Indie, erzählt auf … Weiterlesen

Lo Moon – A Modern Life

Leise Töne mit großer Wirkung: Das Subgenre des Indie-Dream-Pop hat ein ziemlich großes Publikum. Die Kombination aus sensiblen Texten, atmosphärischen Synthesizern, reduzierten E-Gitarren, ein paar gut dosierten Basslinien und leicht schwebenden Vocals hat völlig mit Recht viele Befürworter*innen gefunden. Auch Lo Moon aus Los Angeles scheinen sich mit ihrem Stil eine solide Fangemeinde erspielt zu haben.

Das Trio, das mittlerweile zum Quartett wurde – Drummer Sterling war zunächst nur bei Gigs mit dabei, zählt seit Ende 2018 jedoch zur fixen … Weiterlesen

Yaenniver

Yaenniver – Nackt [Doppel-Review]

Knapp fünf Jahre nach dem letzten Jennifer-Rostock-Release präsentiert Frontfrau Jennifer Weist unter dem Alias Yaenniver ihre erste Solo-Platte. Diese geht das Thema Songwriting merklich anders an als ihre Hauptband und setzt damit jede Menge Statements – und polarisiert wie gewohnt. Auch bei Julia & Christopher kommt die Platte dabei sehr unterschiedlich gut an.

Christopher ist skeptisch:

Die deutsche Musikszene besitzt gefühlt zwei Genres. Zumindest zwei erfolgreiche. Rap und Pop. Alles daneben ist quasi schon Underground. Doch hin und wieder zeigen … Weiterlesen

Courtney Barnett

Plattenkrach: Courtney Barnett – Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit

2015 erweckte nicht nur minutenmusik das Licht der Welt, sondern auch das Debütalbum „Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit“. Mit dieser Ausgeburt an Lässigkeit bringt die Australierin den Slack Rock auf die großen Bühnen. Für Julia ein einschneidendes Album, für Alina ertönt die Platte für dieses Special zum ersten Mal aus der Box. Wie empfinden die beiden die Platte?

Julia findet:

2015 war das Jahr, in dem ich noch mit einem Bein in der Metalcore & … Weiterlesen

Die Liste Valentinstag allein

Die Liste: 10 Songs für den Valentinstag allein

Der Tag der Liebe jährt sich erneut. Kein Grund zur Sorge, solltest du wiedermal allein zuhause rumhocken – wir lassen dich nicht hängen, sondern liefern den passenden Soundtrack für den Valentinstag allein! Denn vergiss die anderen, du bist mit dir selbst im Reinen! Nur echt mit diesen Gassenhauern:

Billie Eilish – Lost Cause

Weiterlesen

Slash feat. Myles Kennedy & The Conspirators – 4

Endlich wieder Zeit. Eigentlich wollten Slash und seine Band Guns n’Roses zum wiederholten Male die Welt unsicher machen, um den echten Hard Rock zurück auf die Bühnen zu bringen. Warum das nicht geklappt hat, ist mittlerweile nicht mehr nötig zu erklären. Ähnlich ging es wohl auch seinem Buddy Myles Kennedy, der sowohl solo als auch mit seiner Truppe Alter Bridge Bock hatte zu zocken. Aber Bock haben wir ja alle in Überdruss.

Und wenn ein gewisses Virus eben einem … Weiterlesen

Buchreview: In seinem Literaturdebüt "Nullerjahre" lässt Hendrik Bolz seine ostdeutsche Jugend Revue passieren. Ein wahrlich relevantes Werk!

Buchreview: Hendrik Bolz – Nullerjahre

Eine angenehme Erfahrung ist es nicht „Nullerjahre“ zu lesen, das Literaturdebüt von Zugezogen Maskulin Rapper Hendrik Bolz über seine Jugend im ostdeutschen Küstenstädtchen Stralsund. „Woke“, „aware“ und „inclusive“ ist dort tatsächlich wenig. Trotzdem sollte jede*r einmal einen Blick in das Buch werfen, denn der beschriebene Alltag – so trist und übergriffig er auch ist – war traurige Realität, die noch bis ins Jetzt hinein wirkt.

Es braucht nicht viele Seiten, da wird „Nullerjahre“ schmutzig. Missglückte Toilettengänge, Mobbing, erste Masturbationsversuche, rassistische … Weiterlesen

Zeal & Ardor

Zeal & Ardor – Zeal & Ardor

Ein unheilvolles Glockenläuten zerreißt die Stille. Was jetzt kommt, kann mit Worten nur schwer umrissen werden. Der Raum, den die Klangwelten von „Zeal & Ardor“ eröffnen, ist geprägt von einem bedingungslosen Zweifeln, einem wüsten Zorn, einem Wehklagen & Anklagen. Auslöser für diese nahezu nihilistische Finsternis ist mal wieder Manuel Gagneux, der auch bei diesem dritten Album die gesamte musikalische und gesangliche Arbeit im Alleingang übernommen hat – die Drums ausgeschlossen. Knapp 3,5 Jahre nach „Stranger Fruit“ öffnet das … Weiterlesen

Review: Radikal anders machen Alt-J auf ihrem vierten Album "The Dream" nicht. Ein gutes und vor allem erdendes Album ist es dennoch.

Alt-J – The Dream

Das vierte Alt-J Album „The Dream“ passt nicht in die Flimmer-Bild-Welt von Instagram und Co. Vielmehr entschleunigt es als Gegenentwurf zu dem akuten „Höher, Schneller, Weiter“ – ein wenig wie eine ausgedehnte Yoga-Sitzung.

Neu erfindet sich die britische Band auf ihrem vierten Streich nicht. Sie adjustiert sich eher selbst: Die Electronica-Anleihen, die sich im Bandsound zuletzt immer weiter ausbreiteten, reduziert, die Folk-Anleihen und organischen Instrumentationen wiederum hochgefahren. Alltäglicher Indie-Folk ist das im Endeffekt trotzdem nicht. Dafür lieben Alt-J das Experiment … Weiterlesen

Hedwig and the Angry Inch, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, 05.02.2022

Musicals sind aktuell ein wenig der „Last Man Standing“. Werden Konzerte der Reihe nach abgesagt, haben die Theater immerhin die Möglichkeit, Kapazitäten anzupassen und so zumindest vor kleinerem Publikum ihre Stücke aufzuführen. In Gelsenkirchen feiert man sogar Premiere mit einem, das es viel zu selten auf den Spielplan schafft: Hedwig and the Angry Inch.

Große Musicalfans, die auch über den typisch deutschen Tellerrand hinausschauen können, rasten nun aus, alle anderen haben Fragezeichen im Gesicht. Bis heute ist das 1998 … Weiterlesen