Chubby And The Gang – The Mutt’s Nuts

Chubby and the Gang - The Mutt s Nuts

Nach den mehr als gelungen Platten von Squid, Shame und Black Midi hat man mittlerweile das Gefühl, das auch die nischigste Nische im Post-Punk besetzt ist und das Genre von der Musikwelt durchgespielt scheint. Gerade dann kommt schon die nächste junge Londoner Band angerast und das auch noch auf demselben Label der Post-Punk-Flagschiffe Idles und Fontaines D.C.. Ähnlich den Labelkollegen blicken auch Chubby And The Gang mit ihrem zweiten Album „The Mutt’s Nuts“ in die Vergangenheit, aber statt dem nächsten Aufguss 80s-Nostalgie geht es für die West-Londoner nochmal schlappe 30 Jahre weiter zurück. Damit stechen sie durch ihren eigentümlichen Sound, der wohl am ehesten als Hardcore-Rock’n’Roll, Post-Streetpunk oder Modern-Pub-Rock bezeichnet werden kann, aus der Masse und dem Vintage-Kleiderschrank hervor.

Speed und Kopfschmerzen

Das erste Album von Chubby And The Gang hieß „Speed Kills“ und um diese steile These zu beweisen, klingt schon der Opener von „The Mutts‘ Nuts“, als würden der Father of Rock and Roll Chuck Berry mit seinen unehelichen Söhnen von Motörhead eine Spritztour auf Speed unternehmen. Wem jetzt schon von den kreiselnden Riffs mit 50s-Einschlag und der Oldschool-Hardcore-Geschwindigkeit schwindelig ist, muss sich als Nächstes mit der schwer verdaulichen Stimme von Sänger Charlie Manning Walker aka Chubby Charles auseinandersetzen. Dieser rangiert nämlich meist irgendwo zwischen Glenn Danzig mit Mandelentzündung und einem heiserem Tim Armstrong – nur dass er mit der Selbstverständlichkeit eines Hooligans seine griffigen Oi!-Slogans herausbellt. Wer aber das Schmerzmittel seiner Wahl einwirft, um mit dem rasanten Sound, den die Band selbst als Melodic Migrane bezeichnet, klarzukommen, erlebt eines der vielseitigsten und spaßigsten Punk-Alben des Jahres.

Proletariat Blues

Von der ruppigen Gangart und der einzigartigen Stimme her dürften die Londoner sich bestens mit den sympathischen Bogan-Punks von Amyl And The Sniffers verstehen, die ja gerade mit ihrem Retro-lastigen Garage-Sound selbst für Furore sorgen. Chubby And The Gang heben sich allerdings entscheidend von den Australiern ab, da sie nochmal eine weitreichendere Bandbreite an Stilen bieten – das dürfte auch an Produzent Jonah Falco von der ähnlich flexiblen Hardcore-Urgewalt Fucked Up liegen: „Coming Up Tough“ grüßt so mit Thin-Lizzy-Doppelgitarren, „Pressure“ überrascht mit zugedröhnten Wah-Wah-Effekten und die auf akustische Instrumente reduzierten „Take Me Home London“ sowie „Life’s Lemons“ könnten aus der Feder von Pete Doherty stammen. Daneben gibt es noch auf „Lightning Don’t Strike Twice” sumpfige Blues-Licks mit George Thorogood-Charme und Piano-gestützte DooWoop-Anflüge in „Life On The Bayou“ ähnlich den Rockabilly-Chaoten von Kings Of Nuthin’.

Modfathers

Zum Abschluss salutieren Chubby And The Gang dann noch mit „I Hate The Radio“ vor dem Modfather Paul Weller und The Jam – mit den expliziten Working-Class-Texten über die Rechte von Arbeitern, schlechter Bezahlung und Verfehlungen des Justizsystems, die man Chubby problemlos abkauft, dürfte das dann sogar Szenepolizist Jason Williamson von den sonst grandiosen Sleaford Mods gefallen.

Da die Welt für die britischen Bulldogen schon kompliziert genug ist, gibt es dazu keine breitspurigen Metaphern und sämtliche Texte von Chubby, der neben seinen anderen Bands wie The Chisel oder Boss auch noch an sechs Tagen die Woche als Elektriker arbeitet, sind so geradeaus wie der Sound. „Beat, Beat, Beat the Drum / Getting tucked in ain‘t no fun”: Damit ist dann alles gesagt.

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