Alanis Morissette – Jagged Little Pill (25th Anniversary Edition)

Du bist gerade 21 und veröffentlichst dein erstes internationales Alben. Das wird mit rund 25 Millionen verkauften Einheiten zu einem der elf erfolgreichsten Longplayern aller Zeiten. Und zwar weltweit. Du gewinnst nicht mal ein Jahr später als bis dato jüngste Frau den Grammy für das Album des Jahres, das beste Rockalbum, den besten Rocksong und die beste Rock-Gesangsleistung einer Frau. Einige Zeit später wird zu diesem Album und deinen restlichen besten Titeln ein Broadway-Musical geschrieben. Trifft das auf dich zu, … Weiterlesen

Jessie Ware – What’s Your Pleasure?

Jessie’s back. Nein, nicht Jessica Simpson. Auch nicht die von den No Angels oder von Tic Tac Toe. Nicht mal Jessie J. Von Jessie Ware ist die Rede. Die teilt sich zwar mit der „Price Tag“-Sängerin die Londoner Herkunft, nur leider nicht den gleichen Erfolg. Trotz immer wiederkehrender, gehaltvoller Musik ist der Funke bei der breiten Masse bisher nur aufgeflimmert statt übergesprungen.

Mit „Devotion“ (2012), „Tough Love“ (2014) und „Glasshouse“ (2017) lieferte die 36-jährige bereits dreimal … Weiterlesen

Cover von Remo Drives "A Portrait Of An Ugly Man".

Remo Drive – A Portrait Of An Ugly Man

Auf „A Portrait Of An Ugly Man“ spielen die Gebrüder Paulson aka Remo Drive staubtrockenen Indie-Rock. Der erinnert zeitweise an die jungen Arctic Monkeys. In ihren ruhigeren Momenten. Wilde Indie-Rock-Cleverness minus die Ungestümheit sozusagen. Der Platte selber merkt man trotz des vollen Bandkalenders – sie ist zwischen vielen Tourneen bereits die dritte Veröffentlichung binnen vier Jahren – keinerlei Abnutzungserscheinungen an.

Album Numero tres ist nämlich abgesehen von seiner immer gelassenen Ader auch der verspielten Arrangements wegen eine unterhaltsame Angelegenheit. … Weiterlesen

Haim

Haim – Women in Music Part III

Sein Album als eine der weltweit erfolgreichsten Bands des vergangenen Jahrzehnts plump „Women in Music Part III“ zu nennen, zeugt von einer großen Portion Galgenhumor. So unselbstverständlich wie es auch 2020 noch ist als selbstständige Frau eine beeindruckende Karriere auf die Beine zu stellen, so selbstverständlich ist es leider, all jene, die es dann all der Hürden zum Trotz doch schaffen, eben als „Frauen im Musikbusiness“ zu beurteilen. Während Gitarristin Danielle  und Bassistin Este den Titel vor allem lustig finden, … Weiterlesen

Owen – The Avalanche

Owen ist Mike Kinsella. Mike Kinsella ist Sänger und Gitarrist von American Football. American Football schrieben Ende des letzten Jahrhunderts mit ihrem ersten Studioalbum Emo-Geschichte. „The Avalanche“ ist das bereits zehnte Album von Owen. Das wird keine Emo-Geschichte schreiben. Einen Lauscher kann man der Platte trotzdem guten Gewissens schenken.

Während für die mittlerweile wieder aktiven American Football verstärkte Klänge dominieren, so kanalisierte Owen Kinsellas ruhige und verletzliche Charakterzüge. Ähnlich sind dahingegen die Sound- und Motivschichtungen, die sowohl „The … Weiterlesen

Cover von Phoebe Bridgers Zweitwerk "Punisher".

Phoebe Bridgers – Punisher

Das Prädikat „umtriebig“ lässt sich momentan wohl niemandem so sehr aufdrücken wie Phoebe Bridgers. Seit dem eindrucksvollen Debüt im Spätsommer 2017 verbrachte die nun 25-Jährige scheinbar nur wenige Handvoll Stunden abseits der Musik. Es folgte eine sechs Songs starke EP mit Julien Baker und Lucy Dacus als Boygenius in 2018 und ein Überraschungsalbum mit Bright Eyes-Kopf Conor Oberst als Better Oblivion Community Center im letztjährigen Januar. 2020 ist nun das vierte Kalenderjahr in Folge samt neuer Phoebe Bridgers Musik: … Weiterlesen

Cover des zweiten Pabst-Albums "Deuce Ex Machina".

Pabst – Deuce Ex Machina

Der Grunge-Sticker haftet Pabst an. Egal wann und wo über die Berliner Band gesprochen wird, immer fällt auch das Buzzword, dem Kurt Cobain und Co. Anfang der 90er-Jahre zu derartiger Popularität verhalfen. Mit „Deuce Ex Machina“ gehört diese simplifizierte und eingleisige Zuschreibung nun der Vergangenheit an. Waren die Bezüge des Indie-getränkten Sounds des Power-Trios auf dem Debüt „Chlorine“ noch verhältnismäßig einseitig, so widmet sich dieses auf seinem zweiten Studioalbum nun jeglicher populärer Spielart des Rock: Blues, Stoner, Indie – und … Weiterlesen

Interview mit Pabst über "Deuce Ex Maschina". Foto von Constantin Timm.

Interview mit Pabst über „Deuce Ex Machina“

Die Aufschrei der Medienlandschaft war groß. Als der amerikanische Analyse-Riese The Nielsen Company Anfang 2018 in seinem Jahres-Report feststellte, dass R&B- sowie Hip-Hop- in den vorausgegangen zwölf Monaten erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen in den USA mehr Aufmerksamkeit generiert hatten als Rock-Musik, waren sich Kultur-Journalist*innen einig: Rock is dead. Als zusätzliche Bekräftigung für diese plakative These sahen Medienvertreter*innen, dass die erfolgreichsten Rock-Songs dieses Zeitraumes nicht von klassischen Genrevertretern stammten: Imagine Dragons, Twenty One Pilots, Walk The Moon. … Weiterlesen

wargirl

Wargirl – Dancing Gold

Inmitten der mit Ellbogen umkämpften Musikindustrie bieten Wargirl ein kleines, unbekümmertes Fleckchen Utopie. Das Sextett arbeitet vollkommen hierarchiefrei, spielt worauf es eben Lust hat, vereint Musiker*innen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Genres miteinander. Ihr Hauptantrieb klingt dabei so hippieesk wie die dazugehörige Musik: „Wir sind keine Fans von machthungrigen Regierungen. Wir bevorzugen Liebe, Freundlichkeit und füreinander da zu sein. Wir hoffen, dass wir etwas erschaffen, das empowernd auf andere wirkt.“ Auch wenn diese doch recht genügsame Mentalität bei Wargirl weit … Weiterlesen

Jehnny Beth

Jehnny Beth – To Love Is To Live

Der in westlichen Kulturen verankerten Vorstellung von Liebe steht das kühle, selbstbewusste Cover von „To Love Is To Live“ nahezu diametral entgegen. Im literarischen und kulturellen westlichen Kanon wird Liebe als sinnliches, verletzliches Gefühl zwischen mindestens zwei Personen verstanden, symbolische Entsprechungen durch die Farbe rot, Herzen und Rosen verdeutlicht. Am besten gleich durch alle drei auf einmal – und bloß scharf von anrüchiger Sexualität und Körperlichkeit getrennt. Und dann steht da Jehnny Beth unbekleidet, mit einer zielstrebigen Körpersprache, das Farbschema … Weiterlesen