InTechnicolour

InTechnicolour – Big Sleeper

Optisch wollen InTechnicolour weder mit ihrem Album-Artwork noch ihren Pressebildern oder Videos einen Aufschluss darauf geben, was musikalisch in ihnen steckt. Dabei müssten die drückenden Soundwände zwischen Desert-Rock und Slude-Metal die künstlerische Ader von Baroness-Frontmann John Baizley zum Pulsieren bringen. Dessen unverkennbare Artworks kämen den wüsten, enthusiastischen Klangwellen der Briten jedenfalls viel näher als das tropische Pop-Art-Cover.

Spaziergang durch Morast und Wüste

Dass sich InTechnicolour aus versierten Mitgliedern von Delta Sleep, Luo und Boker zusammensetzt, kann man dem selbstbewusst-ehrgeizigen Songwriting … Weiterlesen

Courtney Barnett

Courtney Barnett – MTV Unplugged Live in Melbourne

Courtney Barnett sitzt mit Akustik-Gitarre und schlichtem weißen Shirt unter einem sanft leuchtenden Baum und verkörpert ein weiteres Mal die Vollkommenheit des Unvollkommenen. In der einst legendären Reihe von MTV Unplugged haben sich bereits unzählige Musiker*innen einem Soundstriptease unterworfen, mittlerweile dürfen nahezu alle kommerziell erfolgreichen Acts in Nirvanas Fußstapfen treten. Hierzulande zum Beispiel Andreas Gabalier, Revolverheld oder Santiano. In Australien sitzt mit Courtney Barnett nun im Gegensatz eine der wichtigsten Singer-Songwriterinnen der letzten Jahre auf dem Stuhl bereit, die abgebrühte … Weiterlesen

Grimes

Grimes – Miss Anthropocene

Nur wenige Ereignisse und Entwicklungen treiben so große Spalte in die Menschheit wie der Klimawandel. Da gibt es die Massen, die jeden Freitag protestieren, aber auch jene, die die gesamte Wissenschaft leugnen, da gibt es Politiker*innen mit lächerlichen Klimapaketen und solche, die sich mit Leib und Seele für diese große Sache einsetzen. Auch in den Reihen der Kunstschaffenden treten immer mehr für ihre Sache ein: Coldplay verzichten wegen der hohen CO2-Emissionen auf das Touren, Joaquin Phoenix nutzt seine Oscar-Übergabe zum … Weiterlesen

Algiers

Algiers, Club Volta Köln, 14.02.2020

Manche Alben wachsen bei der Live-Präsentation an Energie, an Erhabenheit, an visueller Ästhetik. Besonders gelungene Darbietungen krallen sich gar so unwiderruflich ins Gedächtnis, dass sie bei jedem weiteren Hördurchlauf gewisser Passagen wieder vor der inneren Bildfläche erscheinen. Konzerte üben vor allem wegen dieser Prozesse eine ungeheure Faszination für Musikfans aus, nicht zuletzt weil nirgendwo sonst der Graben zwischen Künstler*in und ihnen so winzig sein kann. Das brodelnde Industrial-Soul-Gebräu der Algiers konnte schon mit dem 2017er Album „The Underside Of Power“ … Weiterlesen

Petrol Girls

Petrol Girls, Tsunami Club Köln, 13.02.2020

Stereotypen von Genres verfestigen sich durch Repitition und Bevorteilung bestimmter Abläufe und Protagonisten gegenüber marginalisierten Gruppen. Kein Wunder also, dass man beim Wort „Post-Hardcore“ schlanke weiße Männer vor Augen hat, die sich zwischen Sprechgesang und Schreieinlagen über emotionale Befindlichkeiten auslassen. Dabei konnte diese Spielart doch schon immer mehr als die klassische The-Wave-Struktur und sollte gerade im Jahr 2020 auch offen für Reformation sein. Einen besonderen Dienst an der Sache trägt hier das queerfeministische Kollektiv Petrol Girls, die sich im vergangenen … Weiterlesen

Sons

Sons – Family Dinner

Nach einem gemütlichen Familienabend sieht das Albumcover schonmal nicht aus. An einem solchen würde man aber vermutlich auch nicht gerade das Debüt der Belgier SONS auflegen. Schon die quälend kreisenden Gitarren des Openers und Titeltracks würden einige Verwandte nachhaltig verstören, wenn dann auch noch verhuschter Sprechgesang mantra-artig „Mother, father, are you there? Tell me now what makes a man“ konstatiert, schmeißen vor dem geistigen Auge wohl auch die Toleranteren Stirn runzelnd die Servietten auf den Tisch. Gerade dieser finstere Einstieg … Weiterlesen

Tame-Impala

Tame Impala – The Slow Rush

Ein ganzes Menschenleben in zwölf Songs. Klingt nach einem gewagten Experiment, aber für die ist Kevin Parker, der Mastermind hinter Tame Impala, schließlich seit jeher bekannt. Alleine die beiden letzten Alben „Lonerism“ und „Currents“ gelten als stilprägend, die Vermählung von klassischem Psychedelic Rock und sphärischen Electro-Spielereien und Parkers unverkennbarer Stimme sorgte für einen kometenhaften Aufstieg in die obersten Reihen von Festival-Line-ups der Welt. Headliner-Slots verlangen aber eben auch nach neuen Songs und Sounds und die sind Tame Impala den Fans … Weiterlesen

The Murder Capital

The Murder Capital, Gleis 22 Münster, 04.02.2020

Musik gewordene Finsternis, bedrückende Melancholie, von tiefen Bässen getragener Klagegesag. Was The Murder Capital auf ihrem Debütalbum „When I Have Fears“ an atmosphärischer Dichte erzeugen, sorgte selbst in der überbordernden Post-Punk-Welle der Stunde für Aufsehen. Live müssen sich die Briten aber zumindest in Deutschland noch mit den kleinen Clubs, was irgendwie nicht so recht zusammen passen will. Diese gigantischen Soundwänden, diese bodenlose Tiefe eingesperrt im kleinen Gleis 22?

Junior Brother

Schwierige Umstände, bestmöglicher Output

Die Skepsis gewinnt noch an Gewicht, als sich … Weiterlesen

HMLTD

HMLTD – West of Eden

Ein düsterer Bass dröhnt. Eine männliche, tiefe Stimme stellt mit Nachdruck fest: „Three Years ago I said ‚The West is dying right underneath my nose and I’ll be so glad when it finally goes.‘ I hate to say I told you so: The West is dead.“ Es folgt eine knapp dreiminütige Abrechnung mit den verwerflichen Lebensweisen der westlichen Kulturen in allerfeinster Post-Punk-Manier. Keine großartigen Gefühlsausbrüche, lediglich auf den Punkt gebrachte, finstere Aussichten. Um dieser einführenden Stimmung des Debütalbums von HMLTD … Weiterlesen

Freya Ridings

Freya Ridings, Live Music Hall Köln, 29.01.2020

Popstars auf dem Sprung sind ein Phänomen, das große Höhenunterschiede für die Zukunft offen hält. Folgen könnte ein rasanter Aufstieg in die größten Stadien und eine treue Anhänger*innenschaft für die nächsten Jahre – oder aber der schnelle Absturz in die Vergessenheit. Auf dem Sprung ist auch der richtige Ausdruck für Freya Ridings: Die britische Singer-Songwriterin trat noch vor knapp 15 Monaten beim Hamburger Reeperbahn Festival als gänzlich unbeschriebenes Blatt auf. 2019 dann der große Knall – auch wenn das für … Weiterlesen