Review: Auf ihrem neuen Album "Lygophobie" lassen Lygo Optimismus im Pessimismus erkennen.

Lygo – Lygophobie

Raus aus der Schockstarre“, rein in Aufarbeitung beschließen Lygo. „Lygophobie“ – nein, das ist nicht nur ein flaches Wortspiel, sondern umschreibt die Angst vor Dunkelheit – tritt die Flucht nach vorne an: Vor den eigenen Schatten und gesellschaftlichen Problemzonen.

„Zusammen Im Bett“ etwa ist eines dieser Stücke. Es ist noch erkennbar – das Hadern mit der eigenen Psyche, das die verschachtelten Texte der Wahl-Kölner bislang geprägt hatte – aber irgendwo unter der Oberfläche schlummert Erkenntnis. Das Wiedererkennen im … Weiterlesen

Review: Auf "The Myth" kehren Biffy Clyro ihrer handzahmen Seite den Rücken zu und üben sich in Krawall und Schrägheit.

Biffy Clyro – The Myth Of The Happily Ever After

Auch für ihr zu dem Zeitpunkt achtes Album kehren Biffy Clyro ihre Routinen um und veröffentlichen überschüssiges Material nicht einfach als B-Seiten-Resterampe. Stattdessen setzt die Band die Arbeiten an dem überschüssigen Material nach der Veröffentlichung von „A Celebration Of Endings“ fort. Im letzten Jahr entstehen daher neue Songs, alte werden zugespitzt. Das Ergebnis dieses Verfeinerungsprozesses heißt „The Myth Of The Happily Ever After“ und ist nun doch weit mehr als nur ein Buffet wieder aufgewärmter Speisen.

Eines teilt sich das … Weiterlesen

Review: Isolation Berlin haben ein "Geheimnis". Oder doch nicht? Autor Jonas ist sich nicht ganz sicher.

Isolation Berlin – Geheimnis

Tobias Bamborschke hat ein Geheimnis. Seine Band Isolation Berlin nun ebenso: In Albumform. Dabei ist das dritte Album der vier Berliner eigentlich ein offenes Buch.

So ganz richtig ist diese Aussage natürlich nicht. Zu sehr verschwimmen in den Texten Bamborschkes – Stimme der Band und zweite Gitarre – Realität und Fiktion. Und dennoch: Der offenarmige Eindruck bleibt. Er erzählt (nicht) von privaten Problemen, besingt den Rückzug aus der Leistungsgesellschaft, berichtet von einer Jugend zwischen menschlichen Emotionen und starren Geschlechterrollen. 

Und … Weiterlesen

Review: Trotz Songs von bis zu 20 Minuten Länge gelingt es The World Is A Beautiful Place auf "Illusory Walls" niemals zu langweilen.

The World Is A Beautiful Place & I’m No Longer Afraid To Die – Illusory Walls

The World Is A Beautiful Place & I’m No Longer Afraid To Die machen – nicht nur des unendlich langen Namens wegen – Gitarren-Emo für Menschen mit langem Geduldsfaden. Aushaltevermögen jedoch belohnt das Bandkollektiv aus einer nahe der US-amerikanischen Ostküste gelegenen Kleinstadt im Bundesstaat Connecticut leidenschaftlich.

Das beste Beispiel dafür: Der Song „Infinite Josh“. Der schichtet zunächst minutenlang und schrittweise Melodie auf Melodie während die Gesänge sich in Ekstase repetieren, bricht dann mit seinen Anfangsmotiven und setzt neu an. Es … Weiterlesen

Review: Das neue Die Ärzte-Album "Dunkel" vermag das Gemüt unseres Autors nicht zu erhellen. Stattdessen ermüdet die beste Band der Welt.

Die Ärzte – Dunkel

Worte bringen dich zum Lachen, Worte bringen dich zum Wein’n;
Worte treiben dich zur Weißglut, Worte bringen dich zum Schrei’n;
Transportier’n Informationen, Emotionen, Trost und Hass;
                  Lassen Herzen schneller schlagen, machen Feinde, machen Spaß.“ – Die Ärzte

Ebenjene Zeilen singt Farin Urlaub (57, Anti-Alkoholiker, Pescetarier) auf „Kraft“, dem siebten Stück des neuen, vierzehnten Studioalbums von den Die Ärzte. Unglücklicherweise leidet gerade das unter den oft thematisch einseitigen Texten seiner drei Erschaffer – und unter musikalischer Belanglosigkeit.

Dabei steigt … Weiterlesen

Review: Obwohl One Step Closer eine ziemlich typische Hardcore-Band sind, lösen die Fünf etwas aus, das nicht vielen Mitstreiter*innen gelingt.

One Step Closer – This Place You Know

Fünf junge, weiße Männer in ihren späten Teenagerjahren, die womöglich aus Langeweile zu Gitarre, Bass, Schlagzeug und Mikrofon greifen, sind allemal keine Ausnahmeerscheinung. Ryan Savitski, Tommy Norton, Ross Thompson, Brian Talipan und Grady Allen sehen obendrein ziemlich gewöhnlich aus – ja, vielleicht ein bisschen nerdy, wirklich auffällige Typen stecken trotzdem nicht unter den Flanellhemden. Die fünf – wenn sie gemeinsam musizieren nennen sie sich One Step Closer – kommen zudem aus einer Kleinstadt im grauen Rust Belt … Weiterlesen

Bericht: Das Stadt ohne Meer-Festival fand 2021 ohne Maske und Abstand statt und brachte eines: Euphorie von allen Seiten.

So war das Stadt ohne Meer Festival 2021

Endlich. Gerade einmal zehn Tage vor dem für Mitte September angesetzten Stadt ohne Meer-Festival erfuhren OK KID, dass ihre Veranstaltung unter der 2G-Regel stattfinden könne. Es sollte nichts mehr schief gehen. Nur wenige Besucher*innen gaben ihre Tickets der neuen Zugangsregelungen wegen zurück. Und auch die wenigen neuen Tickets, die wieder in den Vorverkauf gingen, waren schleunigst erneut vergriffen. Außerdem konnte man nach den eintägigen Festivalausgaben in 2018 und 2019 erstmals die Möglichkeit bieten mit einem Caravan auf einem benachbarten … Weiterlesen

Review: Das neue Thrice Album "Horizons/East" ist wieder proggiger als seine Vorgänger, büßt dafür aber emotionale Tiefe ein.

Thrice – Horizons/East

Für ihr elftes Album beschlossen Thrice ihrem zuletzt mainstreamigeren Rock eine Experimental-Kur zu verpassen. Um diesem Ziel näher zu kommen, setzte man sich für einzelne Songs die Aufgabe, bestimmte Konträr-Stile in Einklang zu bringen. Dem Sound der Band nimmt das emotionale Tiefe.

Das beste Beispiel für diesen Effekt ist das beschließende „Unitive/East“. Der, eine verträumte Klavier-Ballade, ist zwar im Prinzip ganz nett, schlussendlich dann aber doch nicht mehr als etwas Artpop-Geklimper mit Vocal-Glasur. Bis auf abschweifende Gedanken ruft das wenig … Weiterlesen

Review: Seinem Titel möchte "Groll", das Musik-Debüt von Anton Weil alias WEIL nicht gerecht werden. Fernab davon hat es viel zu bieten.

WEIL – Groll

So wirklich nach „Groll“, also nach unter der Oberfläche brodelndem Zorn, mag das Debüt von WEIL nicht klingen. Dafür sind die ersten musikalischen Schritte von Anton Weil – einigen eventuell bereits als Theater- oder Filmschauspieler bekannt – vielerorts zu melancholisch. Von Verbitterung getriebenen Ärger sucht man in den zehn Titeln zumeist vergeblich.

Kaum ein Moment könnte weniger Verbitterung in sich tragen als die Bridge von „Das Wetter“. Weil‘s Stimme, hier auf dem Kipppunkt zum Brechen tänzelnd, liegt ganz dicht am … Weiterlesen

Die Hinweise verdichten sich: Kündigt Casper bald sein neues Album an?

Bahnt sich da etwa für 2022 ein neues Casper Album an?

Es rumort im Hause Casper. Und all das ruft verdächtig laut nach einer Albumankündigung. Zunächst verschwanden in den vergangenen Wochen schrittweise immer mehr Social Media-Posts von den Profilen des Rappers bis einige Kanäle komplett oder nahezu komplett von Postings befreit waren. Anschließend änderte der 38-Jährige sein Profilbild auf allen Plattformen zu einem pastelligen Rosa und schmückte seine Kurz-Bio mit vier Bienchen-Emojis. Einen Tag später bereits folgte auf Instagram eine herbstliche Fotografie einiger Bienenstöcke (siehe oben) mitsamt Bienen-Emojis – was auch … Weiterlesen