Das Cover von Dizzee Rascals Album "E3 AF"

Dizzee Rascal – E3 AF

Okay, bevor man mit Dizzee Rascal über einen der prägendsten Künstler des britischen Grime-Genres spricht, gilt es fix ein, zwei Dinge im Umgang mit der brachialen Musikrichtung klar zu stellen. Regel Nummer Eins: Gottverdammt, don’t call it Hip-Hop! Der aus Großbritannien stammende Genre-Mix aus Dancehall, Hip-Hop und Ragga-Elementen zeichnet sich zwar auch durch verspielte Rap-Performances aus, ist aufgrund des deutlich höheren Tempos sowie der elektronischen Einflüsse aus Drum and Bass und Dancehall aber von seinem amerikanischen Geschwisterkind Hip-Hop abzutrennen. Regel … Weiterlesen

Puscifer - Existential Reckoning

Puscifer – Existential Reckoning

Fünf Jahre nach dem Erscheinen von „Money Shot“ meldet sich das Neben-Nebenprojekt von Tool-Goldkehlchen Maynard James Keenan zurück: „Existential Reckoning“ ist Puscifers fünftes reguläres Studioalbum und überrascht in erster Linie durch das für das Projekt unüblich detailverliebte Coverartwork. Immer wieder schlägt „Existential Reckoning“ musikalische Kehrtwenden ein. Immer wieder geschieht das nicht vorhersehbare. Trotzdem schafft es die Platte kaum zu überraschen oder gar zu provozieren, denn 2020 ist das einzige Vorhersehbare, dass nichts vorhersehbar ist.

Fremd in der Welt und doch

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Cover von Amy Macdonalds neuem Album "The Human Demands".

Amy Macdonald – The Human Demands

Das Genre des folkigen Singer/Songwriter-Pops scheint ein wenig auserzählt zu sein. Nach der Omipräsenz von Ed Sheeran ist der Bedarf an melancholischer Mucke mit Klampfe gedeckt. Gerade aus UK gab es eine nahezu unüberschaubare Anzahl an Musiker*innen, die mit ihren leicht-beflügelten Songs die Charts dominierten und einen Gegenentwurf zum am Computer gebastelten Sound darstellten. Eine unter ihnen: Schottin Amy Macdonald, die sogar schon einige Jahre vor dem Herrn mit den roten Haaren Hits landete.

Gerade im Fall der 33-jährigen … Weiterlesen

Cover von Bring Me The Horizons "Post Human: Survival Horror".

Bring Me The Horizon – Post Human: Survival Horror

Einen Schritt zurück. Nach dem durchwachsenen „amo“ und einer zwar spannenden, doch schnell wieder in der Versenkung verschwundenen EP mit unsagbar langem Titel scheint der Erfolg der eigentlich für einen Videospielsoundtrack geschriebenen Single „Ludens“ neue Energien in Oli Sykes und Co hervorgekitzelt zu haben. Unter dem Banner „Post Human“ möchten Bring Me The Horizon in den kommenden zwölf Monaten gleich vier EPs herausbringen. Die erste davon nennt sich „Survival Horror“, hat gleich mehrfach Pandemie-Bezug und atmet die befreiende Härte, die … Weiterlesen

Cover des vierzehnten Die Ärzte-Albums "Hell".

Die Ärzte – Hell

Breite Synthesizer-Bässe, eine knarzende Kick-Drum, triolische Hi-Hats und Autotune-Gesang. All das zu einem Ganzen vermengt ergibt eine Erfolgs-Formel, die gegenwärtig die Charts dominiert und sich New-School-Rap tauft. Lang lebe der Zeitgeist! Wenn „Hell“, das 13. Studioalbum der Die Ärzte, mit „EVJMF“ einsteigt, kann man sich durchaus einen Moment lang irritiert fragen, ob man sich in eine der großen Deutschrap-Playlisten verirrt hat, die diese Leitmotive prominent zur Schau stellen. Aber spielen die nicht eigentlich Punk-Rock? Tatsächlich, der zeitgenössische Opener des ersten … Weiterlesen

Pur – 100% Das Beste Aus 40 Jahren

Erfolgreiche Künstler*innen bzw. Bands spalten die Zuhörerschaft meist in zwei Lager. Die eine Seite bekommt auch nach zig Jahren und Alben nicht genug, die andere bereits bei einem Song schon entschieden zu viel. Im Fall von Pur ist genau diese „Hate it or love it“-Reaktion von Anfang an Tagesordnung – umso erstaunlicher, dass Hartmut Engler, Joe Crawford, Rudi Buttas, Ingo Reidl und ihre immer mal wechselnden Begleitmusiker seit mittlerweile vier Dekaden ihren Hassern strotzen und sich stattdessen … Weiterlesen

Das Cover des Albums JP4 von Junglepussy

Junglepussy – JP4

Vieles, was in der hiesigen wie internationalen Hip-Hop-Landschaft veröffentlicht wird, bezeichnet sich 2020 gerne mal selbst als „zu wild“ oder „way too lit“. Gemeint ist dabei meist keine mutige, gar experimentelle Herangehensweise an das eigene Genre, sondern viel mehr das erfolgsorientierte Kopieren von Formeln, die sich in der Vergangenheit bereits bewährt haben. Auch Jahre nach Drakes Jahrhundert-Hit Hotline Bling ist nicht abzusehen, wie lange Mainstream-RapperInnen rund um den Globus noch mit Afro-Drums unterspielte Trap-Gesänge als „der eigenen Zeit voraus *Feuer-Emoji*“ … Weiterlesen

Maria Mena – They Never Leave Their Wives

They Never Leave Their Wives. Ein Albumtitel, der einem schon direkt sagt, was folgen wird. Maria Mena redet nicht lange um den heißen Brei. Maria Mena sucht die Konfrontation, findet eindeutige Worte, legt ihr Herz auf den Tisch, liefert Geständnisse und macht sich angreifbar wie nie.

Die 34-jährige Osloerin ist seit ihrer Jugend in ihrem Heimatland Norwegen ein Star. Bereits mit dem Debüt konnte eine Platinauszeichnung erreicht werden. Bei uns sollte es noch einige LPs dauern. Erst mit dem … Weiterlesen

Tyler Bryant & The Shakedown

Tyler Bryant & The Shakedown – Pressure

Tyler Bryants Geschichte liest sich wie ein Jugendroman, der für Musik begeistern soll: Ein 11-jähriger Junge aus Texas kann mit seinem Weihnachtsgeschenk nichts anfangen und verkauft es kurzerhand für eine neue Gitarre um bei seinem Lehrer Mr. Twitty den Blues zu erlernen. Rückblickend betrachtet eine valide Investition, mit einem Dirtbike kommt man nämlich nicht über den Atlantik, falls man mit fünfzehn mal Konzerte in Europa geben muss.

Mittlerweile ist Tyler Bryant 29 und kann auf eine beeindruckende Vita zurückblicken. Neben … Weiterlesen

Tribe Friday

Tribe Friday – Waiting For A Sign/Chasing Pictures

„Wir wollen die größte Band der Welt werden. So einfach ist das“, erzählten uns Tribe Friday kurz vor ihrer Corona konformen Tour im Interview. Nun, für so große Worte braucht es auch dementsprechende Musik, sonst kann selbst die brachiale Live-Macht des Quartetts nur marginal etwas nützen. Von der musikalischen Komponente für Zuhause können sich Interessierte jetzt in geballter Power auf dem neuen Wir-nennen-es-mal-Album überzeugen, das sich aus den beiden EPs „Chasing Pictures“ (VÖ: März 2020) und „Waiting For A … Weiterlesen