Review: Mit "Bloom" verpassen Kid Dad ihrem Sound die nötige Neuausrichtung. Diese gelingt und öffnet die Band für die hiesige Indie-Szene.

Kid Dad – Bloom EP

Kid Dad ziehen es vor einzelne Singles zu veröffentlichen statt lange Zeitintervalle zwischen Releasezyklen verstreichen zu lassen. Damit nähern sich die Paderborner dem Zeitgeist, der in Indie und Rock eigentlich noch nicht wirklich Fuß gefasst hat. Ihre letzten vier Singles bündelt die Band nun mit einem zusätzlichen Song zu der EP „Bloom“. Die weicht die Kanten des bisherigen Kid Dad-Sounds angenehm auf.

Der nächste Langspieler (…) muss gewaltige Schritte wagen, damit die Paderborner sich nicht in der Eindimensionalität ihres Weiterlesen

Silly, Tempodrom Berlin, 27.11.2021

Instandbesetzung geglückt. Bei einer Band mit einer derartig langen Geschichte wie Silly sie besitzen, ist es nicht immer einfach, überhaupt noch zu funktionieren. Zwar sind Uwe Hassbecker, Ritchie Barton und Jäcki Reznicek mit ihren teils 39-jährigen Mitwirken in der Gruppe schon durchaus treue Mitglieder, aber besonders auf der Seite der Frontsängerin scheinen Steine im Weg eher zum Standard als zur Ausnahme zu gehören.

Gründerin Tamara Danz schaffte 18 Jahre die Band zu leiten, bevor sie 1996 mit gerade einmal … Weiterlesen

THOMAA! – South Rim

3 + 4 + 9 + 43? Die Lösung muss nicht zwingend 59 sein, sondern kann durch die Variablen „Instrumente“, „Musiker“, „Tracks“ und „Minuten Spielzeit“ auch „Unendlich Lust auf Musik“ ergeben. So wie im Falle von THOMAA! aus Köln, die gerade ihr Debüt-Album South Rim vorlegen. Moment! South Rim? Kurzer Erdkunde-Exkurs: Der „South Rim“ liegt im Grand Canyon Nationalpark und ist ein sehr bekanntes Naturschutzgebiet. Was ihn dabei auch auszeichnet: Felsen und Felsformationen, behaftet mit Ecken und Kanten. Und … Weiterlesen

Review: Das vierte Idles-Album "Crawler" ist unbequemer und weniger greifbar als seine Vorgänger.

Idles – Crawler

War „Ultra Mono“ eine offenherzige Umarmung, so begrüßt „Crawler“ Zuhörer*innen mit vorausgestellter Schulter. Denn: Das vierte Album der Idles ist in vielerlei Hinsicht eine Antithese zu seinem Vorgänger. An die Stelle von teils im Vocal-Booth improvisierten, mit Wortmalereien gespickten Texten treten dort poetische Ein-Zeiler und eng gestrickte Narrative. Und: Straighte Dance-Beats weichen kantigen Rhythmen und kunstigem Post-Punk.

Der Wind ist kühler, den „Crawler“ aus den Boxen in die Gehörgänge bläst. Wo der Idles-Drittling noch empowernde Demoschild-Sprüchchen aneinanderreihte und damit vielerorts … Weiterlesen

Don Broco - Amazing Things

Don Broco – Amazing Things

Don Broco – das ist die Band, die irgendwie nirgends so richtig rein passt. Immer wissend die „zu harte“ oder „zu ruhige“ Band im Line Up zu sein, machen die vier Jungs aus Bedford trotzdem einfach ihr Ding. Und was ist das? Tja, vielleicht beschreibt der Titel des neuen Albums „Amazing Things“ das ja am besten, obwohl das natürlich ganz schön kühn ist.

Wenn man sich nicht auf ein Genre festlegen kann…

Die Band zeigt sich völlig zufrieden damit abgestempelt … Weiterlesen

Review: Auf "The Myth" kehren Biffy Clyro ihrer handzahmen Seite den Rücken zu und üben sich in Krawall und Schrägheit.

Biffy Clyro – The Myth Of The Happily Ever After

Auch für ihr zu dem Zeitpunkt achtes Album kehren Biffy Clyro ihre Routinen um und veröffentlichen überschüssiges Material nicht einfach als B-Seiten-Resterampe. Stattdessen setzt die Band die Arbeiten an dem überschüssigen Material nach der Veröffentlichung von „A Celebration Of Endings“ fort. Im letzten Jahr entstehen daher neue Songs, alte werden zugespitzt. Das Ergebnis dieses Verfeinerungsprozesses heißt „The Myth Of The Happily Ever After“ und ist nun doch weit mehr als nur ein Buffet wieder aufgewärmter Speisen.

Eines teilt sich das … Weiterlesen

Frank Carter and the Rattlesnakes - Sticky

Frank Carter & The Rattlesnakes – Sticky

„Sticky ist kein Lockdown-Album, es ist ein Freiheitsalbum“, will Frank Carter die Fans vor Albumrelease wissen lassen. Im Falle des Duos aus der UK bedeutet diese Definition aber weder eine Abkehr von klassischen Pandemie-Themen wie Introspektive noch eine Rückkehr zu alten Laien. Mit ihrem vierten Album machen Frank Carter & The Rattlesnakes nämlich wieder alles so wie bisher auf jedem der drei Vorgänger: komplett neu. Wo das Debüt „Blossom“ eine brachiale Naturgewalt war, ging das zweite Album „Modern RuinWeiterlesen

Review: Trotz Songs von bis zu 20 Minuten Länge gelingt es The World Is A Beautiful Place auf "Illusory Walls" niemals zu langweilen.

The World Is A Beautiful Place & I’m No Longer Afraid To Die – Illusory Walls

The World Is A Beautiful Place & I’m No Longer Afraid To Die machen – nicht nur des unendlich langen Namens wegen – Gitarren-Emo für Menschen mit langem Geduldsfaden. Aushaltevermögen jedoch belohnt das Bandkollektiv aus einer nahe der US-amerikanischen Ostküste gelegenen Kleinstadt im Bundesstaat Connecticut leidenschaftlich.

Das beste Beispiel dafür: Der Song „Infinite Josh“. Der schichtet zunächst minutenlang und schrittweise Melodie auf Melodie während die Gesänge sich in Ekstase repetieren, bricht dann mit seinen Anfangsmotiven und setzt neu an. Es … Weiterlesen

Kurzum: "Ain't It Tragic" will die Weltherrschaft und Dead Sara hätten sie verdient. 

Dead Sara – Ain’t It Tragic

Die Sehnsucht nach der Rückkehr zu einem regulären Kulturbetrieb ist bei Musikfans wohl ungebrochen. Wer eine Platte wie „Ain’t It Tragic“ auflegt, wird vor dem geistigen Auge unweigerlich die größten Festivalbühen wachsen sehen. Auf denen werden Dead Sara wohl auch mit ihrem dritten Album kaum landen, aber jede Faser dieser 11 Songs vibriert nur so vor Intensität. Dafür holt das Trio aus L.A. die ganz großen Rock-Gesten heraus und setzt einer bisher ohnehin bemerkenswerten Diskographie die vorläufige Krone auf.

Groß,

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Review: Das neue Die Ärzte-Album "Dunkel" vermag das Gemüt unseres Autors nicht zu erhellen. Stattdessen ermüdet die beste Band der Welt.

Die Ärzte – Dunkel

Worte bringen dich zum Lachen, Worte bringen dich zum Wein’n;
Worte treiben dich zur Weißglut, Worte bringen dich zum Schrei’n;
Transportier’n Informationen, Emotionen, Trost und Hass;
                  Lassen Herzen schneller schlagen, machen Feinde, machen Spaß.“ – Die Ärzte

Ebenjene Zeilen singt Farin Urlaub (57, Anti-Alkoholiker, Pescetarier) auf „Kraft“, dem siebten Stück des neuen, vierzehnten Studioalbums von den Die Ärzte. Unglücklicherweise leidet gerade das unter den oft thematisch einseitigen Texten seiner drei Erschaffer – und unter musikalischer Belanglosigkeit.

Dabei steigt … Weiterlesen