Eivor

Eivør , Zeche Bochum, 28.10.2021

„Ein wahrer Goldschatz an großen Momenten“ stand in meinem Fazit zum zweiten Eivør-Album „Segl“. Beim Verfassen dieser Zeilen konnten weder Autorin noch Musikerin ahnen, dass 13 Monate später genau diese großen Momente auch das erste wieder halbwegs normale Indoor-Konzert begleiten sollten. Dabei ist die Venue schon fast etwas grotesk: Zu dem kühlen Industrie-Pott-Schick der Zeche wollen die magischen Sphären von Eivør irgendwie so gar nicht passen. Und dann doch irgendwie wieder vollkommen. Ein Abend der faszinierenden Widersprüche, der die … Weiterlesen

Wenn einer lügt dann wir

Wenn einer lügt dann wir – Ironie oder Schicksal

Blick durch ein mäßig geputztes Fenster, hinein in eine mäßig aufgeräumte WG auf drei Musikerinnen, die sich denken: So, jetzt machen wir das aber echt mit der Musik. Muss ja so, wenn man selbst so gerne auf Konzerten abhängt. Am Anfang steht aber ein Name, der muss griffig, leicht googlebar und wohlklingend sein. Und nun die feixenden Gesichter bei der Entscheidung für den Namen, auf den das alles nicht zutrifft: Wenn einer lügt dann wir. Ob die Geschichte sich so … Weiterlesen

RemiWolf.Album Artwork

Remi Wolf – Juno

Stellt euch mal vor, ihr veröffentlicht eure erste EP, die wird zum großen Hype und zieht gleich mal eine Neuauflauge mit Remixen von u.a. Beck, Hot Chip Little Dragon und Sylvan Esso nach sich. Klingt zu abgefahren, um wahr zu sein, ist bei Remi Wolf und ihrem Mini-Debüt „We Love Dogs!“ aber genau so passiert. Abgesehen davon, dass dem EP-Titel wohl niemand widersprechen möchte, liegt das wohl vor allem an dem abgedreht-überwältigenden Sounds, die die 25-jährige US-Amerikanerin zusammenwürfelt. Bester Beweis … Weiterlesen

Frank Carter and the Rattlesnakes - Sticky

Frank Carter & The Rattlesnakes – Sticky

„Sticky ist kein Lockdown-Album, es ist ein Freiheitsalbum“, will Frank Carter die Fans vor Albumrelease wissen lassen. Im Falle des Duos aus der UK bedeutet diese Definition aber weder eine Abkehr von klassischen Pandemie-Themen wie Introspektive noch eine Rückkehr zu alten Laien. Mit ihrem vierten Album machen Frank Carter & The Rattlesnakes nämlich wieder alles so wie bisher auf jedem der drei Vorgänger: komplett neu. Wo das Debüt „Blossom“ eine brachiale Naturgewalt war, ging das zweite Album „Modern RuinWeiterlesen

Charity Children Almost Young

Charity Children – Almost Young

Für ihr Albumcover nahmen Charity Children scheinbar einen herzhaften Griff in die Farbpalette. Heraus kommt ein gesprenkeltes Sammelsurium aus Farbtupfern, die als Gesamtwerk eine schimmernde Vielfalt andeuten. Verzichtet wurde aber auf die krasse Extreme, selbst der dunkelste Ton fühlt sich noch warm an, selbst der hellste sticht nicht unangenehm ins Auge. Eine passende Analogie für den Sound, den das in Berlin ansässige Duo auf ihr drittes Album gebannt hat. „Almost Young“ fühlt sich an wie eine altbekannte Umarmung, selbst wenn … Weiterlesen

Kurzum: "Ain't It Tragic" will die Weltherrschaft und Dead Sara hätten sie verdient. 

Dead Sara – Ain’t It Tragic

Die Sehnsucht nach der Rückkehr zu einem regulären Kulturbetrieb ist bei Musikfans wohl ungebrochen. Wer eine Platte wie „Ain’t It Tragic“ auflegt, wird vor dem geistigen Auge unweigerlich die größten Festivalbühen wachsen sehen. Auf denen werden Dead Sara wohl auch mit ihrem dritten Album kaum landen, aber jede Faser dieser 11 Songs vibriert nur so vor Intensität. Dafür holt das Trio aus L.A. die ganz großen Rock-Gesten heraus und setzt einer bisher ohnehin bemerkenswerten Diskographie die vorläufige Krone auf.

Groß,

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Laura Jane Grace – At War With The Silverfish

2020 war für viele ein Jahr der Introspektive, des Auseinandersetzens mit dem eigenen Seelenleben. Nach dem gefühlt 40. Lockdown hat man sich aber dann auch an seinem Innersten satt gesehen und wäre dann wieder bereit für etwas mehr Zerstreuung. Laura Jane Grace‘ – ihres Zeichens Sängerin und Gitarristin der Punk-Legenden Against Me! – Solo-Debüt „Stay Alive“ fiel genau in den Zeitrahmen der persönlichen Einkehr. Der dementsprechend gedrosselte, aber dafür umso intimere Sound war mutig, trostspendend und eine besondere Abwechslung vom … Weiterlesen

Varley

Varley – Smalltalk & DMCs

Endlich kann man wieder aus voller Inbrunst sagen: Indie lebt! Und zwar nicht nur in der Art, wie er Pop und Hip-Hop beeinflusst, sondern auch noch im klassischen Sinne mit analogen Instrumenten. An der Speerspitze stehen bei dieser neuen Welle aber keine weißen College-Dudes, sodern vor allem viele FLINTA. In der deutschen Musikszene gibt es bislang jedoch noch wenige Gallionsfiguren, da schaut man noch neidisch auf Größen wie Phoebe Bridgers oder Holly Humberstone herüber. Aber keine Sorge – die neuen … Weiterlesen

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Slothrust – Parallel Timeline

Eigentlich entstehen Regenbögen ja da, wo Sonne und Regen aufeinandertreffen. In der Popkultur hat sich das Naturphänomen derweil längst als Symbol für die LGBTQ*-Community etabliert. Wenn Slothrust nun für ihr fünftes (!) Studioalbum eine quietschend grelle Welt inklusive dem gestreifen Luftspektakel und Luftblasen erschaffen, wirkt das wie ein deutliches Statement. Aber auch wie eins, das doch einige Fragezeichen hinterlässt – bunte, grelle Farben für die Band, die auf „The Pact“ zuletzt mit ziemlich abgeklärter Pose gen Empowerment gestiefelt … Weiterlesen

Amyl and the Sniffers

Amyl and the Sniffers – Comfort to Me

Auch Straßenköter haben Gefühle! Genau davon scheinen Amy Taylor und ihre Kumpanen die wachsende Fanbase auf dem Zweitwerk „Comfort To Me“ überzeugen zu wollen. All jene, die den rauen Sound des Debütalbums „Amyl and the Sniffers“ zu schätzen gelernt hatten, brauchen jetzt aber nicht vor der Schoßhundisierung des Straßenlandes Angst zu haben. Amyl and the Sniffers sind immer noch laut, scheppernd und unangepasst. Nur eben in Punkto Songwriting einen ordentlichen Satz weiter nach vorne gekommen.

Das Herz der

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