Musikalischer Jahresrückblick 2025: Christopher Filipecki

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Eine Geduldsprobe. Das ist mein Fazit zu 2025. Für mich ein wahnsinnig schwieriges Jahr, in dem ich mich sehr oft zusammenreißen und immer wieder differenzieren musste, was ich verändern kann, was nicht, was mit mir persönlich zu tun hat, was nicht, was bleibt und was eine Momentaufnahme ist. Ich weiß, dass es aber auch vielen anderen in den letzten zwölf Monaten nicht so gut ging. Klopft euch bitte jetzt alle mal auf die Schulter und seid stolz, durchzuhalten! Das. Ist. Nicht. Selbstverständlich.

Anyway: Weiterhin nur Liebe für minutenmusik und die Menschen dahinter. Menschen, die mittlerweile fast alle feste Jobs und kaum freie Kapazitäten haben, aber trotzdem fortlaufend ehrenamtlich hier die Stange hochhalten. Auch wir klopfen uns jetzt auf die Schulter! Hugs für jede*n von euch!

Dies ist Artikel Nr. 54. Genauso wenig wie 2021. Aber hey, geht dennoch alles irgendwie weiter. Dass viele Menschen mir immer wieder erzählen, wie gerne sie meine Artikel lesen – ganz egal, ob sie der Inhalt so sehr interessiert oder auch nicht – bedeutet mir sehr, sehr viel. Dafür bin ich euch wirklich dankbar. Das ist ein großes Kompliment, weil ihr natürlich auch was anderes in der Zeit tun könntet. Dafür lasse ich euch hiermit ein Herz da. Und für alle Momente, die ich virtuell oder auch Face2Face mit euch geteilt habe. Hier ist mein Recap 2025:

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Kategorie 1 – Lieblingssongs:

Gefühlt wird der Radius an Songs, die ich entdecke, einfach immer kleiner. Woran liegt das? Sollte ich anfangen bestimmte Playlists zu hören? Sollte ich mir angucken, was andere auf ihren Streamingportalen so hören? Was sind Erfolgsgaranten für neue, empfehlenswerte Musik? Gebt mir gern Tipps. Die Top 10 habe ich zwar noch gut gefüllt gekriegt, maximal hätte ich aber 20 Plätze gefunden. Mehr Songs sind mir gar nicht wirklich positiv aufgefallen. Vielleicht liegt es aber wirklich an meinem Alter. Will ich aber nicht wahrhaben. Dafür nörgele ich selbstverständlich weiter unten bei meiner Flop 5 mit der vollen Breitseite, so wie das Over-30s eben tun:

10) Männer lol // Yaenniver:

Yaenniver aka Jennifer Weist hat sich auf ihrem Album „Angry Woman“ größtenteils mit der aggressiven Reaktion der Frauen auf das Patriachart beschäftigt. Das hat in manchen Songs besser, in anderen schlechter funktioniert. Aber ganz besonders dieser Track, der als letztes kommt, macht mit seinem ballernden Beat, seinen gehauchten Strophen, dem ironischen Gelächter und dem ekstatischen Finale ordentlich Zunder. Das hat mich auch live sehr überzeugt. Edgy und aussagekräftig.

09) Bara Bada Bastu // KAJ:

War beim diesjährigen Eurovision Song Contest zwar nicht mein Top-Favorit, aber eben ein Song, der wahnsinnig Spaß machte. Ohrwurm, Humor, passende Inszenierung und endlich kein Schweden-0815-Pop. Genau so mag man das doch. Jedes Mal, wenn’s lief, hab ich’s gefeiert. Dass man’s nicht versteht? Völlig egal. Sauna!

08) Jungle // Sugababes:

Komisch, dass das wirkliche Comeback-Album der originalen Sugababes-Besetzung immer noch nicht da ist – dafür gab es mit „Jungle“ aber so einen fetten Song nach alter Formel: Zieht nicht sofort, ist eindeutig ein Grower. Und irgendwann verlässt er nicht mehr den Gehörgang. Sie können es noch. Wir brauchen bitte noch viel mehr davon!

07) Espresso Macchiato // Tommy Cash:

Selbes Prinzip wie bei KAJ: War nicht mein EurovisionSongContest-Favorit, aber hat sich vor allen Dingen nach dem Wettbewerb zum Kulthit weit über die ESC-Bubble hinweg entwickelt. Völlig zurecht. Das sind doch Gründe, warum es sich auch für die Nicht-Fans jedes Jahr lohnt, einzuschalten. Eine Ansammlung von kultigen Zeilen, kultigen Dance-Moves und einem kultigen Typen in einem einzigen Song.

06) Diet Pepsi // Addison Rae:

Mein persönlicher Sommerhit 2025. Smooth, hookig, anschmiegsam, anders. Irgendwo zwischen Lana del Rey, Birdy und Sabrina Carpenter macht Addison Rae mit „Diet Pepsi“ eine mehr als nur gute Figur. Das löst zweifellos Suchtpotenzial aus. Leider hat mich das restliche Album nicht so gekriegt.

05) Europa // Miss Allie:

Keine Frage: Es braucht mehr politische Hymnen. Gerade jetzt. Gerne auch auf Deutsch. Miss Allie hat eigentlich auf jedem ihrer LPs eine dieser sehr bittersüßen Nummern, die beim Hören eine Gänsehaut machen und gleichzeitig wie ein Schlag ins Gesicht wirken. „Europa“ ist aber das Beste, was sie bisher mit dieser Message geschrieben hat. Müssen bitte sehr viel mehr Menschen hören. Laut.

04) Vatertag // Balbina:

Wenn Balbina einen Song über ihren verstorbenen Vater schreibt, weiß man schon vor dem Hören, dass das nur schwer ausgehalten werden kann. Doch das Ergebnis in „Vatertag“ ist eine so stimmige Symbiose aus eingängiger Melodie, poetischem Text, schwer verdaulicher Message und atmosphärischer Produktion. Wie schade, dass das dieses Mal auf Albumlänge nicht so gut geklappt hat. Aber nur der hier reicht schon.

03) Vierzehn // Tristan Brusch:

Hach, Tristan. Ich kann mir mittlerweile gar nicht mehr vorstellen, wie Musikhören war, als ich dich noch nicht kannte. Als ich das erste Mal „Vierzehn“ gehört habe, fühlte ich mich so, wie der Song es beschreibt. Eine total definierende, gleichzeitig schwere Zeit, in der man glaubt, in der Welt irgendwann etwas bewirken zu können. Dorthin zurück möchte ich trotzdem nicht. Aber es vier Minuten zelebrieren. Ganz, ganz fantastisch!

02) Baller // Abor & Tynna:

An jedem Tag, an dem es „geballert“ hat, ging es mir so richtig gut. In Basel, wenn ich es bei der Karaoke gesungen habe. Auf diversen ESC-Veranstaltungen. Auf meiner eigenen Party. Auf dem Konzert der Beiden. Dass mich das letzte Mal der deutsche Beitrag so abgeholt hat, war 2011. Ja, das ist lange her. Aber es geht noch. Da ist noch Potenzial. Und 2026 gelingt das hoffentlich wieder!

01) Abracadabra // Lady Gaga:

Dieser Platz war gesetzt, als ich den Song das erste Mal hörte. Lady Gaga ist endlich wieder Lady Gaga. So retro, so damals und doch so fresh. „Abracadabra“ hat alles, was für mich ein perfekter Pop-Song braucht. Das ist an Eingängigkeit kaum zu überbieten, das bringt dich zum Beben. Du gehst damit schlafen, du stehst damit auf. Wenn dann auch noch die Vocals auf dem Niveau brettern, ist das volle Punktzahl. Ganz nebenbei habe ich bestimmt 20 Jahre lang kein Musikvideo so oft geguckt wie dieses. Sensationell. Ein Happy Place.

Nicht-So-Lieblingssongs:

05) Ficka // Sarah Connor:

Ähm, was? „Ficka“? Ist das ihr ernst? Selten hat mich ein SarahConnor-Songtitel so irritiert, noch nie war ich nach dem Hören eines ihrer Songs so peinlich berührt. Natürlich mag die Message im Kern – es gibt immer Menschen, denen es nicht gefällt, also mach so, wie es sich für dich gut anfühlt – zu 100 Prozent stimmen. Aber das dann auf Kinderniveau mit herausgestreckter Zunge zu präsentieren? Na, ob das so eine gute Idee war… I doubt it!

04) Anxiety // Doechii:

Ich liebe „Somebody That I Used To Know“. Sowieso liebe ich das komplette Gotye-Album, das extrem underrated ist. Die Idee, ein Instrumental 1:1 zu kopieren und dazu einen neuen Song zu machen, finde ich erstmal irgendwie witzig. Aber „Anxiety“ nervt mich kaputt. Finde das einfach total blöd, gar nicht mitreißend und am Ende ärgert es mich, weil es eben „Somebody That I Used To Know“ kopiert, ums Dreifache.

03) Geboren um zu leben // Kontra K feat. Ness:

Als wäre Kontra K allein und „Geboren um zu leben“ allein nicht schon schlimm genug, nein – lasst es uns bitte unbedingt miteinander verbinden. Herausgekommen ist genau der Song aus der Hölle, wie man es sich vorstellt. Horror. Möchte ich nie wieder hören und hoffentlich so in einem Jahr vergessen haben.

02) Bella Napoli // Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys:

Eigentlich waren mir Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys vom bloßen Auftreten sehr sympathisch. Eigentlich sind sie es mir immer noch. Aber ich kann diesem unglaublich ätzenden „Bella Napoli“ wirklich gar nichts abgewinnen. Macht mich kirre. Hat mir zu viel Saufi-Saufi-Hoch-die-Hände-Wochenende-Vibes. Irgendwie wirkt das auf mich sehr stupide und dümmlich. Sorry.

01) Wackelkontakt // Oimara:

Die erfolgreichste Single des Jahres. Why? Why? Just why? Findet das wirklich eine Person ernsthaft gut? Macht das jemand absichtlich an? Tanzt man dann dazu? Hüpft in der Bude herum? Schüttelt rhythmisch den Kopf? Keine Ahnung, aber mich macht „Wackelkontakt“ sehr, sehr, sehr aggressiv, nicht zuletzt wegen des bayrischen Dialekts. Alles hieran ist einfach nur schrecklich. Ich drücke alle Daumen der Welt, dass der Typ nun genug Asche hat und jetzt dorthin zurückkehrt, wo er 2024 noch war.

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Kategorie 2 – Lieblingsalben:

Ich habe extra in den letzten Wochen nochmal 20 Alben gehört, die in diversen Jahreslisten vorkamen, um bloß das Gefühl zu bekommen, alles mitgekriegt zu haben – denn das kann doch nicht das gesamte Musikjahr 2025 gewesen sein!? Wie unwichtig sind Alben mittlerweile? Wie wenig Mühe kann man sich geben? Wirklich überragend fand ich nämlich gar nichts. Einfach gar nichts. Dabei habe ich mindestens 50 Alben aus 2025 gehört. Mehr sind mir rückblickend nicht eingefallen. Zumindest zehn bekommen die Schulnote gut bis gut plus. Reicht ja manchmal auch. Ich hoffe dennoch, dass der Trend weitergeht, mehr Fokus in Konzepte und runde LP-Erlebnisse zu legen. Let’s go:

10) I’m Only F**king Myself // Lola Young:

Besonders als Person finde ich Lola Young super sympathisch, interessant und anders. Ihr neuer Longplayer „I’m Only F**king Myself“ hat mich vor allen Dingen durch seine doch sehr gemischten Stile überrascht, die die ambivalenten Stimmungen der Künstlerin authentisch transportieren. Lässt sich gut durchhören und sorgt auch nach mehrmaligem Wiederholen immer noch für Momente mit Aha-Erlebnis.

09) The Painful Truth // Skunk Anansie:

Für ein SkunkAnansie-Album ist „The Painful Truth“ gar nicht so überragend gut, aber es ist wesentlich besser als die zwei super durchwachsenen Vorgänger. Womit man jedoch nicht rechnen durfte: mit so vielen Genres neben dem klassischen Alternative Rock. Ja, Skin und ihre Jungs probieren sich aus, brechen mit typischen Songstrukturen und zeigen, dass sie mit weit über 50 Jahren immer noch voll im Hier und Jetzt sind. Wer bis zum Ende hört, wird mit dem herausragenden „Meltdown“ belohnt.

08) Paradiesvogel // Miss Allie:

Über drei Jahre mussten Fans der „kleinen Singer/Songwriterin mit Herz“ warten, bis die neue LP fertig war. „Paradiesvogel“ besitzt neben einer schönen Reminiszenz an die wunderbare Band Silly wieder viele persönliche Geschichten zwischen absurdem Alltag, politischen Beobachtungen und herzzerreißenden Ereignissen. Das ist immer wieder aufs Neue hübsch. Neben „Europa“ mag ich „Die Hälfte“ und „Paris“ besonders gern.

07) Schatten & Licht // LaFee:

Ja, kommt – es gibt immer diese eine „WTF“-Platzierung in meinem Ranking. 2025 ist das wohl eindeutig diese hier. Eigentlich war ich für LaFee immer etwas zu alt und fand vieles eher unangenehm als gut, aber so mancher Song hat sich eben über die Zeit zum 2000er-Kult entwickelt. Auf ihrer Comeback-Platte wählt LaFee als eine der wenigen genau die richtige Mitte zwischen Altbekanntem und gereiften Lyrics. Das funktioniert selten, hier aber kurioserweise echt gut.

06) Bittersüß // Abor & Tynna:

Mehr als nur ein One Trick Pony: Abor & Tynna zeigen auf „Bittersüß“, das übrigens schon vor dem deutschen Vorentscheid zum ESC herauskam, dass sie ein gutes Gefühl für moderne Beats und ebenso moderne Texte über Zwischenmenschliches besitzen. Ein Album, das ein paar sehr starke Deutsch-Pop-Perlen (z.B. „Parallele Linien“, „Coco Taxi“) beinhaltet, die viele Weggefährt*innen der Szene im Regen stehen lassen.

05) Don’t Tease Me With A Good Time // Jessie J:

Jessie J hat Hard Times durch. Ihre Auszeit hielt äußerst lang an. Irgendwie war sie eigentlich schon weg. Nachdem ihre letzten Outputs nur mäßig ankamen, scheint sie sich nun komplett auf das fokussiert zu haben, was ihr wichtig ist: Vocals und Storytelling. Und das passiert mit „Don’t Tease Me With A Good Time“ in einem unerwartet intimen, ruhigen Rahmen, der an Alben von Mariah Carey aus den frühen 90s erinnert. „The Award Goes To“ ist einfach wow. Retro und persönlich. Hierfür sollte man sich Zeit nehmen.

04) Mut zur Liebe // AnNa R.:

Die Sängerin meiner einstigen Lieblingsband ist 2025 gegangen. Das hat mich für einige Tage enorm aus der Bahn geworfen und mich nochmal viele Gefühle durchleben lassen. Posthume Alben finde ich generell sehr schwierig. Selten erreichen sie die Qualität, die die Vorgänger hatten, weil immer irgendwas unfertig klingt. Bei „Mut zur Liebe“ von AnNa R. steckt glücklicherweise genug AnNa drin. Das ist zwar nicht durchgängig gut, aber an manchen Stellen so hervorragend, dass schon diese drei, vier Songs – allen voran „Ich seh dich ohne Blick“ – für mich sehr viel bedeuten und ich mir immer wieder vorstelle, wie sie sie wohl live gesungen hätte… Danke für deine Stimme in so vielen Titeln, die ich auf ewig lieben werde!

03) Große Kunst // Betterov:

Mein „Late to the Party“ 2025, aber jetzt bin ich wenigstens into: Betterov und seine „Große Kunst“ haben mich direkt beim ersten Hören eingenommen. Ich liebe diesen darken Sound, die melancholische Atmo, die manchmal kruden Gedanken, die Dramatik. Sollte man in einem Rutsch hören, aber unbedingt konzentriert. Hat man die Zeit nicht, löst „Alles nur ein Film“ auch schon einiges aus.

02) Am Anfang // Tristan Brusch:

Naja, und wenn Tristan mit neuem Material um die Ecke kommt, ist eigentlich eh schon alles gesagt. Nach einem sehr guten „Am Rest“, einem für mich fulminanten „Am Wahn“, gibt es nun ein wunderschönes „Am Anfang“. Schlecht kann der ja eh nicht. Hat mich in euphorischen und traurigen Momenten begleitet. Bis im März zur Tour! Das wird gut, denn die lange Nacht hat erst angefangen.

01) Mayhem // Lady Gaga:

Ganz ehrlich: Eigentlich war ich erst gar nicht so der „Mayhem“-Fan. Besonders nach dem Über-Übersong „Abracadabra“ und dem auch schon geilen „Disease“ hatte ich doch mehr Dark-Pop erwartet. „Mayhem“ war stattdessen irritierend hell und gutgelaunt. Doch über die Monate hinweg wurden Stück für Stück in meinem Kopf sämtliche Level freigespielt, sodass ich nun gen Ende des Jahres nahezu jeden Song echt mega finde. Eine Platte voller Grower, und das ist ja bekanntlich auf Dauer besser als umgekehrt. Gaga macht endlich wieder alles richtig.

Nicht-So-Lieblingsalben:

05) Freigeistin // Sarah Connor:

Mit „Muttersprache“ gab es im vergangenen Jahrzehnt das größte Comeback deutscher Künstler*innen, mit „Herz Kraft Werke“ und insbesondere „Vincent“ weitere Megahits. Das scheint Sarah Connor offensichtlich zu reichen, denn von Hits kann man auf „Freigeistin“ leider so gar nicht sprechen. Stattdessen gibt es eine große Aneinanderreihung langweiliger Titel, die weder kompositorisch noch in der Produktion überzeugen. Lahm, langweilig, beliebig. Super schade.

04) Is This What You’ve Been Waiting For? // Amy Macdonald:

No, I haven’t been waiting for that, Amy. Sorry. Gefühlt höre ich von Amy Macdonald zum drölften Mal dieselbe Musik. Weiterentwicklung? Nope. Aufregung? Nope. Und damit bin ich mit meinem Kommentar auch schon durch. Mehr kommt nicht. Ich strecke hier gerade nur etwas, damit ich die Zeilen vollbekomme, weil man mehr zu diesem Longplayer wirklich nicht sagen kann. Ok, ich höre auf.

03) Funny Little Fears // Damiano David:

Vom Rockstar zum Flopstar. Nein, ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Aber niemand hat wohl damit gerechnet, dass gerade der Inbegriff von jüngstem Rock’n’Roll-Sexsymbol Damiano David eine so uninspirierte Soloplatte macht, oder? Da bleibt ja wirklich so gar nichts haften. Das ist selbst zum Nebenbei-Hören zu dröge.

02) It’s Christmas // No Angels:

War das Comeback-Album der No Angels für mich 2021 schon der größte Murks, so gehen die Negative-Vibes 2025 mit dem Weihnachtsalbum konsequent weiter. Gab noch nie jemanden auf dieser Welt, der Weihnachtsklassiker gecovert hat. Die No Angels sind die allerersten. Die Produktion ist auch wieder so old-fashioned, dass man hier nicht von Nostalgie sprechen kann, sondern von „Niemals in der Gegenwart angekommen“. Kann nicht mehr, will nicht mehr. Tüss.

01) Schlau aber blond // Shirin David:

Wie sehr habe ich Shirin doch für ihr Vorgängeralbum gelobt! Wie gerne habe ich doch zu „Bauch Beine Po“ geschwoft! Und wie strunzdämlich und ätzend kann man auf Albumlänge abliefern! „Schlau aber blond“ wirkt wie hingerotzte Geldmacherei und klingt nach Mühe, die man sich maximal fünf Minuten gegeben hat. Das ist frech, grotesk, unterirdisch und beleidigend für die Zuhörer*innen. Hat eine Wertigkeit gen Null.

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Kategorie 3 – Konzerte:

Kommen wir jetzt endlich mal zu dem, was wirklich geil war: Konzerte. Im Vergleich zu 2024, als ich auf 52 war, sind 29 natürlich sehr viel weniger – dafür war aber die Qualität sauhoch. Ich hätte easy die Plätze 10 bis 15 beliebig tauschen können und alle hätten es verdient gehabt, erwähnt zu werden. Außerdem habe ich mehrere Acts gesehen, die ewig auf der To Do standen, was mich richtig gefreut hat. Möge das 2026 wieder so werden! Live ist einfach immer noch das Allerschönste, das in zwei Stunden eine miese vorangegangene Woche wie weggeblasen wirken lässt.

10) Lorde, Köln:

Eigentlich hat mich Lorde schon beim vorletzten Album etwas verloren und dieses Jahr bei „Virgin“ auch nicht wirklich zurückbekommen – doch das Konzert in Köln war wirklich sehr stark. Womöglich die fetteste Bühnenshow, die das Palladium je sah. Geile Ideen, überragende Lightshow, stimmige Setlist. Lorde hat echt abgerissen.

09) London Grammar, Bonn:

Der Kunst!Rasen ist strenggenommen für ein LondonGrammar-Konzert eine verdammt schlechte Location. Es ist hell, es ist heiß, der Sound ist in Ordnung, aber nicht hervorragend. Dennoch haben Hannah und ihre Männer gezeigt, dass der ganz große Hype um sie zwar nicht mehr da ist, musikalisch aber auch nach über einer Dekade immer noch alles seine ganz eigene Mystik besitzt.

08) Miss Allie, Münster:

Miss Allie, die Dritte heute. Aber auch verdient. Gerade live ist das einfach immer nochmal besser, wenn die besondere Künstlerin individuell auf ihr Publikum eingeht, den Songs den passenden Rahmen gibt und gesanglich sogar im Vergleich zu vorigen Tourneen nochmal eine ordentliche Schüppe drauflegt. Zwei Stunden Seelenbalsam.

07) Maria Mena, Köln:

Letztes Jahr auf der 1, dieses Jahr ein sehr guter Platz 7: Maria Mena besitzt mit ihrer Präsenz sowie ihrer Fragilität eine ganz besondere Art, Konzerte zu spielen. Das ist schwer zu beschreiben, aber wie viele der Songs man vorher kennt, ist völlig irrelevant. Stattdessen nimmt die Norwegerin einen mit und schenkt allen aufmerksamen Menschen einen Blick in ihr Tagebuch.

06) Mine, Köln:

Mine mit Orchester, das hätte Potenzial für den ersten Platz gehabt. Leider habe ich vielleicht etwas zu viel erwartet. Besonders das Palladium hat dem Konzept nicht gutgetan, das hätte ich viel lieber in der Kölner Philharmonie oder in der Düsseldorfer Tonhalle erlebt. Dennoch bleiben am Ende krasse Akrobatik, sowieso immer außergewöhnlich tolle Songs, ein uniquer ffortissibros-Chor und das Herbeisehnen des neuen Werks „Killer“, das zum Glück für 2026 schon angekündigt wurde.

05) Kylie Minogue, Düsseldorf:

Stand ewig auf der To Do, 2025 war es dann aber endlich so weit: Kylie Minogue ist immer die Sängerin, die es nie in die erste Liga schaffte, aber in der zweiten Liga wohl die Spitzenreiterin ist. Mit sehr viel Publikumsinteraktion, einer ganzen Batterie an Hits und einer richtig wohligen Stimmung im PSD Bank Dome gehört das klar zu den Highlights des Jahres.

04) Sugababes, Köln:

Ich sage es doch immer wieder: Wen jucken die Spice Girls? Die Sugababes sind die beste Girlband, die es je gab. Ja, ich meine das komplett ernst. Wer im April in Köln mit dabei war, wird genau das bestätigen können. Auch wenn der Auftritt mit 80 Minuten nicht sonderlich lang ging, so war jede einzelne Minute gesanglich on point und jeder Song ein Pop-Classic. Das hat so unglaublich viel Spaß gemacht.

03) Balbina, Berlin:

Wie lange möchte ich schon Balbina sehen? Ewig spielte sie nicht mehr in NRW, so musste ich also nach Berlin. Wenn dann auch noch das Babelsberger Filmorchester am Start ist, gibt es quasi kein Halten mehr. Sie stellte ihr neues Album exklusiv als Prelistening vor, dazu gab es Lieblinge aus den vorangegangenen Werken. Ist Balbina schon auf Platte intensiv, so wird das Ganze mit ihrer beeindruckenden Mimik, ihren wunderschönen Kleidern und den Live-Vocals noch krasser. Es war genau das, was ich erwartet habe und brauchte.

02) Max Raabe & Palast Orchester, Düsseldorf:

Ich erinnere mich gut daran, dass ich Max Raabe eigentlich immer total schräg fand und mit der Musik so richtig gar nichts anfangen konnte. Doch zum Glück ändern sich Geschmäcker im Laufe der Zeit. Mit viel Neugier, aber keiner so großen Erwartung bin ich in die schönste Location des Bundeslandes und habe ein musikalisch wirklich perfektes Konzert gesehen. Das ist stilistisch einfach unvergleichlich, das macht niemand sonst so. Ganz, ganz toll.

01) Lady Gaga, Amsterdam (NL):

Es ist das Gaga-Jahr, was soll ich sagen? Noch nie gab es für denselben Act in drei Kategorien die 1. Aber ich kann einfach nicht anders, ich muss. Alles andere wäre nicht fair. Das Konzert in Amsterdam war eindeutig das aufwändigste, was ich je im Konzertbereich gesehen habe. Als ob man den ESC guckt, nur von einer Person. Jeder einzelne Song sticht mit einer so überragend aufwändigen Inszenierung hervor, bei der jeder beteiligte Mensch zu jeder einzelnen Sekunde genau weiß, was wann zu tun ist. Als ob man eine Konzert-Blu-ray guckt, nur eben live. Highlights? Nicht aufzählbar. Alles. Period.

Nicht-So-Lieblingskonzerte:

05) Norah Jones, Düsseldorf:

Sehr lange habe ich darauf gewartet, endlich Norah Jones live sehen zu dürfen – und dann wäre ich während des Konzertes fast eingeschlafen. Krass. Das war wirklich mal langweilig. Musikalisch natürlich souverän, aber sooooo soooooo langweilig. Wenn das Liveerlebnis ausschließlich durch Musik und sonst keinerlei zusätzlichem Input besteht, ist das zu wenig. Da reicht es, auch einfach Liveversionen zu streamen.

04) Disney in Concert: Follow Your Dreams, Oberhausen:

Irgendwie ist „Disney in Concert“ nicht mein Format. Ich habe es nun dreimal versucht und dreimal war es underwhelming. Ich mag es nicht, wenn Konzepte nicht richtig durchgezogen werden und man ständig mit den eigenen Regeln bricht. Dann ist mal was auf Englisch, dann auf Deutsch, von dem einen Film gibt’s ganz viel, von anderen wichtigen gar nichts – und dazu ist der Sound auch noch schlecht und einige der Darsteller*innen nicht richtig bei der Sache. Nee, ist echt nicht meins.

03) Shirin David, Dortmund:

Wenn man zu wenige gute Songs auf der Setlist hat, dann kann man auch noch so eine große Bühne haben – das nützt nichts. Wenn man die Bühne dann auch nicht hinreichend genug füllt, ist das nochmal enttäuschender. Wenn aber auch die Fans nicht richtig mitgehen, weil alles lieblos und hingeklatscht wirkt, ist das schon nah an Totalausfall. Eine große Produktion, die die Energie eines Café-Konzertes hatte.

02) Snow Patrol, Düsseldorf:

Ich war nie großer SnowPatrol-Stan, habe aber immer gehört, dass die Shows gut sind. Ähm ok… wo jetzt genau? Ähnlich wie bei Norah Jones gibt es quasi anderthalb Stunden dahinplätschernden Radio-Rock-Pop ohne jeglichen Thrill. Drei, vier gute Songs haben es noch geeeeeeerade so gerettet, aber echt nur, wenn man einen Minimal-Anspruch an Konzerte hat. Ansonsten war das einfach nüscht.

01) Tommy Cash, Köln:

„Espresso Macchiato“ brought me here. Und ich hatte Bock. Ich dachte, das wäre richtig witzig, catchy und entertaining. Am Ende war es nichts davon. Musikalisch eine 1 von 10, weil fast nur Playback. Kein ernstzunehmender Gesang, kaum Rap. Der Comedy-Anteil funktioniert nicht, weil es keine Leinwand mit Videos gibt und auch ansonsten Requisiten fast komplett auf sich warten lassen. Außerdem macht Tommy Cash neben „Espresso Macchiato“ offenbar Hardstyle, was ich vorher nicht wusste. Eigentlich hat mich an diesem Konzert wirklich komplett alles aufgeregt. Zum Glück war es nach 80 Minuten schon vorbei. Wirklich eines der zehn schlechtesten Konzerte, auf denen ich je war. Und ich war auf über 350. Ist ’ne Ansage, oder?

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Kategorie 4 – Musicals & Shows:

Erstmalig habe ich mehr Musicals und Shows als Konzerte gesehen. 38 waren es insgesamt, das ist neuer Rekord. Darunter einige Rewatches, Neuinszenierungen und viele Sachen, die ich noch gar nicht kannte. Auch mehrere tolle Produktionen von Laien. 2026 scheint wieder ein enorm aufregendes Musical-Jahr zu werden, es wurden wirklich schon sehr viele sehenswerte angekündigt. Um bei den doch sehr teuren Preisen und der sehr großen Auswahl ein wenig aussieben zu können, gebe ich euch hier Tipps, was mich besonders weggehauen und was leider gefailed hat:

10) Moulin Rouge, Köln:

Rewatch Nr. 1 in meiner Top 10! Auch beim zweiten Mal hat mich „Moulin Rouge“ sehr begeistert, wenn auch nicht ganz so sehr wie beim ersten Mal. 2022 stand es nämlich am Ende auf der Pole meines Rankings. So oder so aber immer noch ein fulminantes Bühnenbild, ein wahrer Eskapismus, allein schon beim Betreten des Saals. Das ist wirklich mitreißend. Mitte 2026 wird es Köln verlassen und laut aktuellen Gerüchten nach Hamburg ziehen. Mögen also noch sehr viel mehr Menschen in den Genuss kommen.

09) Patrick Salmen, Dortmund:

Patrick Salmen und seine Abschiedstour. Ich habe Patrick irgendwann mal auf einer WG-Party kennengelernt, das war eine ganze Zeit, bevor er mit seinem umfangreichen Schreibtalent durch die Decke ging. Seitdem nehme ich seine Texte natürlich nochmal ganz anders war. Ich mag sein Springen zwischen wirklich tollen Wortspielen und schwermütigem Alltagstrott. Cooler Mensch, cooler Poet. Wird fehlen, aber sicher nie ganz von der Bildschirmfläche verschwinden.

08) Holiday On Ice, Dortmund:

Wenn ich dreimal in Folge von einer Show begeistert bin, weil sie jedes Jahr aufs Neue weiß, was sie übernehmen und was sie anpassen muss – dann ist das eine echt gute Show. Und somit ist „Holiday On Ice“ auch beim dritten Besuch wieder vorne mit dabei. In wenigen Wochen bin ich das vierte Mal vor Ort – wäre also nicht verwunderlich, wenn ich in zwölf Monaten wieder sehr ähnliche Worte schreibe.

07) Carrie, Dortmund:

Ich liebe es, wenn das Theater Dortmund überrascht. Noch mehr liebe ich es, wenn junge Nachwuchstalente, die noch vor ihrer professionellen Musicalausbildung stehen, zeigen, wie sehr sie ihr Hobby lieben und dann auch auf so einem Niveau abliefern. In genau der richtigen Location – nämlich unter dem regulären Zuschauerraum der Oper Dortmund, also im Keller – entwickelte „Carrie“ genau den richtigen Sog, um mit Bravour zu überzeugen. Im Juni startet „Alle reden nur noch von Jamie“, und auch das wird geil. I feel it.

06) Ku’damm 59 – Das Musical, Berlin:

Strenggenommen auch ein Rewatch, aber beim ersten Besuch habe ich von der Bühne nichts gesehen, weil mein Platz so schlecht war. Somit zähle ich es eher als neu dazu. „Ku’damm 59 – Das Musical“ erreicht nicht ganz das Niveau des Vorgängers, kommt aber fast heran. Wieder einige Ohrwürmer, eine ganz tolle Weiterentwicklung der Charaktere – die Annette Hess auch wirklich sensationell herausgearbeitet hat – und eine starke Cast. Material, das auf die Bühne gehört.

05) Die Amme – Das Musical, Berlin:

Steffi Irmen zählt seit einigen Jahren zu den stärksten Charakterdarstellerinnen im Musical-Bereich. Dass sie eine fast zweistündige Show allein trägt, verdient verdammt viel Respekt. Wie gut die bereits ewig bekannten Songs in die Story passen! Das ist toll. Auch wenn das Bühnenbild quasi nicht vorhanden ist, unterhält „Die Amme“ mit genau den richtigen Messages, viel Humor und Gesangsskills.

04) Cats, Köln:

Warum viele „Cats“ nicht mögen, mag einfach nicht in meinen Kopf gehen. Das erste Mal habe ich das Stück 2012 gesehen und war fasziniert – und 2025 hat es wieder funktioniert. Ich war sowohl in Düsseldorf als auch in Köln und fand es in Köln wegen der wunderhübschen Philharmonie noch um einige Levels besser, einfach weil man das Getummel besser beobachten kann. Die Songs sind fast ausnahmslos bombastische Kompositionen, die West-End-Cast hat wenig überraschend abgeliefert sondergleichen. Sowieso immer noch das beste Stück, wenn man auf Tanz steht.

03) Sweeney Todd, Dortmund:

Rewatch Nr. 2! Vom ersten Platz im Vorjahr auf einen wirklich enorm guten Platz 3 beim zweiten Anschauen. Ich bin sehr kritisch, wenn es um „Sweeney Todd“ geht, aber das Theater Dortmund hat die bisher beste Inszenierung geliefert, die ich live gesehen habe. Wenn man etwas so Düsteres zeigt, dann bitte genau so. Ganz viele Szenen sind mir in Erinnerung geblieben und machen mir beim bloßen Gedanken Shivers.

02) Mrs. Doubtfire, Düsseldorf:

I say it like I mean it: Thomas Hohler ist seit meinem Besuch bei „Mrs. Doutbfire“ einer meiner allerliebsten Musicaldarsteller geworden. Die Performance? Komplett outstanding. Selbst wenn es nichts anderes gegeben hätte als ihn, wäre das schon meisterhaft gewesen. Wenn dann aber noch so eine rührende Geschichte – ich liebe den Film schon immer – dazukommt, auch die restliche Cast mit größter Spiellaune performt, das Bühnenbild beeindruckt und man mehr lacht, als in sehr vielen Comedy-Shows, ist das eine 10 von 10. Hätte in jedem normalen Jahr den ersten Platz belegt.

01) Elisabeth de Musical, Venlo (NL):

…aber 2025 war eben kein normales Jahr, sondern hatte so viele krasse Showmomente. Für mich hatte es sogar DEN Showmoment. Ich war in sehr, sehr vielen Musicalproduktionen. Auch am West End, auch am Broadway. Nichts davon hatte die Qualität, die ich in Venlo bei „Elisabeth de Musical“ gesehen habe. Das hat wirklich komplett alles geschlagen. Wenn man „Elisabeth“ endlich so inszeniert, wie die Geschichte es eigentlich verlangt, wenn die Cast ohne jegliche Ausnahme Weltniveau zeigt, wenn die Emotion so gestochen scharf auf dem Silbertablett serviert wird, dass ich die Hälfte der Spieldauer weine – dann ist das die Nr. 1 of all time. Ich verneige mich hiermit und bin für diese Erfahrung unendlich dankbar.

Sonderplatz 01) Eurovision Song Contest, 1. Semifinale, Basel (CH):

Weil ich ewig überlegt habe, ob der Eurovision Song Contest nun als Konzert oder als Show zählt und weil ich weder Lady Gaga noch „Elisabeth de Musical“ die ersten Plätze verwehren wollte, habe ich mich dazu entscheiden, einen Sonderplatz zu vergeben. Seit über zehn Jahren möchte ich endlich einmal zum ESC, diesen Mai in Basel hat es geklappt. Und es war genauso toll, intensiv, mitreißend und schön, wie ich es mir gewünscht habe. Wie anders vieles einfach im TV aussieht! Wie sweet diese Community ist! Auch wenn es nur das 1. Semi war, so fühlte es sich für mich ganz vorne an der Bühne an wie das Finale. Das mache ich bald wieder. Wahrscheinlich nicht 2026, aber vielleicht ja 27…

Nicht-So-Lieblingsmusicals & -shows:

05) Priscilla – Königin der Wüste, Tecklenburg:

2009 habe ich bereits „Priscilla“ in London gesehen und fand es da schon nicht so gut. 2025 in Tecklenburg war es leider nicht besser. Ich finde das Stück wenig zeitgemäß und auch wenig lustig. Zwar sind ein paar Songs auf jeden Fall mitreißend, die Cast war auch solide und das Bühnenbild schön – aber inhaltlich ist das einfach schwach. Gibt zu viel ähnliches, was einfach besser ist.

04) Pretty Woman – Das Musical, Oberhausen:

„Pretty Woman“ als Film lebt von der Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren. Wenn die im Musical nicht funktioniert, ist eigentlich das gesamte Ding schon gelaufen. So war es leider, leider in Oberhausen. Inhaltlich zu leer, Bühnenbild zu wenig, Hauptdarsteller*innen zwar talentiert, aber mit zu wenig glaubhafter Interaktion. Hat mich gelangweilt und kaltgelassen. Nicht so eine gute Kombi.

03) Blues Brothers, Hamm:

Ja, das ist eine Laiengruppe. Nein, das kann man nicht mit regulären Musicalproduktionen vergleichen. Allerdings war ich 2024 auf der Waldbühne Heessen bei „Das Wunder von Bern“ davon überrascht, wie toll eine so große Gruppe ohne viel Bühnenerfahrung überzeugt – das war aber auch ein Stück, bei dem man weder groß singen noch tanzen können musste. „Blues Brothers“ braucht mindestens zwei sehr talentierte männliche Hauptdarsteller. Haben die aber schon Probleme mit dem Taktgefühl, zeigt das am Ende nur, was die Laiengruppe nicht kann, statt das positiv herauszuarbeiten, worin sie gut ist. Falsche Stückwahl.

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02) Amélie – Das Musical, Recklinghausen:

Habe ich nicht verstanden. Weder inhaltlich noch akustisch. Ein Musicalbesuch, der leider arg enttäuscht hat. Kevin Köhler als Regie klang ja erstmal vielversprechend – doch ein guter Darsteller zu sein, heißt eben nicht automatisch auch ein guter Regisseur zu sein. Schade, aber das Stück hat für mich exakt nichts getan. In keiner Hinsicht.

01) Frühlings Erwachen, Würselen:

„Frühlings Erwachen“ hat im Vergleich zu „Amélie“ Gefühle ausgelöst, allerdings nur negative. Wie kann so ein Schund so viele Preise gewonnen haben? War die Konkurrenz damals so schlecht? Gab es einfach keine? „Frühlings Erwachen“ ist inhaltlich eine Farce. Selten habe ich etwas gesehen, was so gekünstelt dramatisch, so übertrieben, so cringe war. Die Cast hat sich angestrengt und ähnlich wie bei „Der kleine Horrorladen“ im Vorjahr wirklich gut geliefert, es liegt ausschließlich an dem Libretto, bei dem doch jede*r sagen würde: „Ey, die Hälfte an Themen und ein Drittel an Katastrophe reicht doch!“. Aber nein. Das gesamte Bullshit-Bingo muss ausgefüllt werden. Gucke ich nie wieder.

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Kategorie 5 – Lieblingsfilme:

Für alle Cineast*innen meine kleine Bonuskategorie. Auch hier mein persönlicher Rekord: 69 Filme aus 2025 habe ich gesehen. Leider waren zwei Drittel Mittelmaß, sehr wenige richtig mies und sehr wenige richtig gut. Eine 10 von 10 gab es für mich kein einziges Mal, aber dennoch einiges sehr gutes. Auffällig: Horror ist mittlerweile das Genre, das sich am meisten traut. Sowohl Grenzen zu sprengen, als auch Genres zu kombinieren und in der Story Haken zu schlagen. Das darf man sich ruhig auch mal von anderen Sparten wünschen. Gos und No-Gos auf einem Blick:

10) Oslo-Stories: Liebe:

„Oslo-Stories“ ist eine queere Trilogie. Die Geschichten haben eigentlich nichts miteinander gemein, außer dass sie in Oslo spielen und alle queere Themen behandeln. „Liebe“ ist für mich der zweitbeste und lebt durch die parallel laufenden Handlungen, die alle für sich eine besondere Faszination auslösen. Besonders die Dialoge auf der Fähre bleiben im Kopf. Generell ist „Oslo-Stories“ für Fans von unkonventionellen, skandinavischen, queeren, zwischenmenschlichen Filmen eine glasklare Empfehlung.

09) Better Man:

Eine Bio über Robbie Williams, in der Robbie Williams als Affe dargestellt wird. Was klingt wie eine ultrapeinliche Parodie, funktioniert richtig gut. Mit mitreißend inszenierten Choreos, einer turbulenten Geschichte, authentischen Wendungen und der richtigen Portion britischem Humor gehört „Better Man“ zu den bisher besten Künstler-Biopics und wurde zu unrecht zum Megaflop.

08) 28 Years Later:

Keine leichte Aufgabe nach so einem langen Abstand eine Fortsetzung zu drehen, die dann auch noch 28 Jahre nach der ursprünglichen Handlung spielt. Doch Danny Boyle ist einfach ein begnadeter Regisseur, der nahezu nie enttäuscht. „28 Years Later“ ist sogar der bisher beste Teil der Reihe, ist der Auftakt zu einer neuen Trilogie und zeigt, dass man mit einem guten Händchen für Mut und einem starken Drehbuch Horror, Road-Movie und Drama sehr wohl miteinander kombinieren kann.

07) The Ugly Stepsister:

„Cinderella“ als Horroraufguss, das klingt erstmal gar nicht allzu außergewöhnlich. Doch „The Ugly Stepsister“ wird eben nicht aus der Sicht von Aschenputtel erzählt, sondern aus der Sicht der hässlichen Stiefschwester, die Aschenputtel weder optisch noch auf intellektuellem Niveau das Wasser reichen kann. Aber sie will. Unbedingt. Und dafür nimmt sie jede noch so große Demütigung in Kauf. Body Horror auf skandinavische Art – stylisch, kompromisslos, artsy und super entertaining.

06) Wicked: Teil 2:

Von dem ersten „Wicked“ war ich wirklich extrem begeistert. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Denen kann Teil 2 auf gar keinen Fall standhalten – ein guter Film ist er aber trotzdem. Weiterhin gibt es schillernde Welten, toll aufgelegte Darsteller*innen sowie eine tiefberührende „For Good“-Szene. Der Akt an sich ist eben klar schlechter als der erste, aber immer noch stark. Man hätte nur aus 60 Minuten Musicalhandlung keine 140 Minuten Film machen müssen, hier wäre weniger wieder einmal mehr gewesen. Ich gucke ihn trotzdem gern noch ein zweites Mal.

05) Oslo-Stories: Sehnsucht:

„Oslo-Stories: Sehnsucht“ ist für mich der beste Teil der Reihe und hat sich sogar eine Top-5-Platzierung erkämpft. Ich liebe es einfach, wenn die Handlung sofort losgeht und man schon nach wenigen Minuten gepackt ist. Von den Charakteren, von den Dialogen, von der noch nicht eindeutigen, aber doch schon packenden Story. Ein Dialog über Queerness zwischen zwei Männern, die in ihren Jobs eindeutig heteronormativ fungieren. Jeder erlebt für sich etwas Neues. Das ist so erfrischend reell und aufgeregt, wie queeres Kino selten ist. Applaus!

04) Bring Her Back:

Wie sehr mich der hochangepriesene „Talk To Me“ 2022 enttäuschte – und wie sehr mich „Bring Her Back“ 2025 begeisterte. Ein bitterböser, emotionaler, schwer auszuhaltender Familienhorror, bei dem man am liebsten in die Leinwand springen möchte, um irgendwie intervenieren zu können. Das hat genügend Wendungen, das hat genügend Raffinesse und Kreativität – und fesselt bis zur letzten Sekunde. Brett.

03) Die Saat des heiligen Feigenbaums:

Hatte ich eigentlich gar nicht so Lust drauf, weil „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ auf den ersten Blick wie ein Film aussah, der eher nicht so mein Geschmack ist. Doch allein schon die Hintergrundstory – der Regisseur hat im Iran Filme gedreht, die die schrecklichen politischen Umstände zeigen, wird seitdem gesucht und ist in Deutschland untergetaucht – klingt so absurd wie leider wahr. Dass all diese Szenen im Geheimen gedreht wurden und gleich mehrere authentische Augenblicke der Proteste zeigen, ist unglaublich und macht fassungslos. Aber auch ohne all das ist „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ spannend, sehr stark gespielt und ein Must Seen.

02) Memoiren einer Schnecke:

Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, das ich hatte, als ich damals „Mary & Max“ im Kino sah und zwischen Tränen der Rührung und einem Lächeln der Begeisterung hin- und hergerissen war. Ähnlich starke Gefühle löst „Memoiren einer Schnecke“ aus. Eine vielschichtige Geschichte, die hilflos und optimistisch zugleich macht. Eine Geschichte, die daran erinnert, niemals aufzugeben, man selbst zu sein und für sich einzustehen. Etwas, was wir 2025 wahrscheinlich alle brauchen.

01) Der wilde Roboter:

Zwei Animationsfilme an der Spitzenposition. Auch das gab es noch nie. Aber sowohl „Memoiren einer Schnecke“ und noch einen Ticken mehr „Der wilde Roboter“ haben einfach so viel in mir bewegt, dass ich völlig gebannt alles um mich herum vergessen habe. Ja, strenggenommen ist „Der wilde Roboter“ eigentlich aus 2024, kam aber erst Anfang 25 fürs Heimkino raus und war Teil der diesjährigen Oscar-Verleihung – und außerdem wäre es eine absolute Schandtat, wenn ich ihn nicht in einem Ranking erwähnen würde. Ein starkes Zeichen für Klimaschutz, ein starkes Zeichen für Empathie und einfach ganz, ganz, ganz großes Kino für alle, die nicht aufgehört haben, andere so zu lieben wie sich selbst. Auch wenn’s manchmal verdammt schwer fällt.

Nicht-So-Lieblingsfilme:

05) The Monkey:

Ich weiß nichts mehr von diesem Film. Außer, dass ich ihn richtig schlecht fand. Weil er nicht gruselig, nicht unterhaltsam und generell einfach nichts war. Mehr weiß ich nicht. Und das ist verdammt schlecht und spricht nicht für den Film.

04) Nickel Boys:

Die Idee, einen Film größtenteils aus der Ich-Perspektive zu drehen, ist ja erstmal ganz cool. Habe ich zwar schon mal gesehen, aber gibt es wirklich selten. Wenn das dann aber mit Wackelkamera passiert, man die Handlung nicht checkt, der Spaß über zwei Stunden geht und einfach alles wirkt, als ob niemand nochmal drübergeguckt hätte, ist das nicht cool und noch weniger Oscar-würdig. Nominierung für Bester Film? Kann nicht mehr.

03) Das Kanu des Manitu:

Sind wir doch alle mal ehrlich: Dass „Der Schuh des Manitu“ keine Fortsetzung brauchte – erst recht nicht 2025 – war uns allen klar. Dass der Humor entweder nicht mehr dem Humor von heute entspricht oder nicht zum Originalfilm passt, machte das Ganze nicht besser. Herausgekommen ist ein unendlich langweiliger, wirklich gar nicht lustiger Film, der sehr viel versprochen hat und fast nichts hielt. Winnetouch und Santa Maria als Nebenfiguren mit Mini-Auftritt sind falsche Entscheidungen. Inhaltlich gibt es nahezu nichts. Richtiger Käse. Dass er wieder der erfolgreichste Film des Jahres war, kotzt mich an.

02) In die Sonne schauen:

„Das ist einer der außergewöhnlichsten deutschen Filme ever“, haben sie gesagt. „Der wird Oscar-Gewinner 2026 als internationaler Film“, haben sie gesagt. Ja, außergewöhnlich war „In die Sonne schauen“ wirklich. Außergewöhnlich beschissen. Ganz im Ernst: Was soll das? Ja, gut geschauspielert. Okay. Aber ansonsten ist der gesamte Streifen ein einziger Aufreger. Langatmig, unabsichtlich lustig, befremdlich sexuell, völlig hanebüchen, schwer verständlich, anstrengend. Eigentlich wollte ich nach fünf Minuten gehen. Ich hätte es tun sollen.

01) Screamboat:

Natürlich ist mir klar, dass „Screamboat“ ein Trashfilm ist. Natürlich ist mir klar, dass ich da keine großen Sachen erwarten darf. Aber ich darf dennoch erwarten, dass es mich unterhält, spannend oder/und witzig ist und die Effekte ganz cool aussehen. Doch weit gefehlt. „Screamboat“ ist so dumm, so albern. Da fühlt man sich schon ziemlich verarscht, wenn der Film damit lockt, dass die Mickey Mouse von David Howard Thornton (Dem Darsteller von Art the Clown aus „Terrifier“) gespielt wird, aber das leider exakt gar nix bringt. „Winnie the Pooh: Blood and Honey 2“ war besser. Ernsthaft.

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