Musikalischer Jahresrückblick 2022: Christopher

collage mit unterschiedlichen albumcovern aus dem jahr 2022

„Und schon wieder geht ein Jahr – ich vergesse viele Namen und noch such‘ ich das Gefühl…“
(„Alles wird besser“, Rosenstolz).
Dass alles wirklich besser wird, ist zwar hin und wieder schwer zu glauben, aber ihr wisst ja:
„Ich seh‘ die Zukunft pink“ und so!
Hallo und herzlich willkommen zu meinem Jahresrückblick 2022, ihr liebsten Menschen.
Dies ist mein 83. Artikel in diesem Jahr.
Damit habe ich knapp 30 mehr geschafft als im Vorjahr – woran das liegt?
Die Kulturbranche durfte sich ab Mitte März wieder in vollster Blüte zeigen.
Das habe ich ausgenutzt und unglaublich intensiv genossen.
Alles, was mir auf dem Weg begegnete, erfahrt ihr jetzt in insgesamt 75 Kommentaren.

Bevor es losgeht, geht wie immer ein großes Dankeschön an das sich immer wieder aufrappelnde Team von minutenmusik raus.
Schön, dass wir uns alle lieb genug haben, um jede Hürde nehmen zu wollen.
Und du, liebe*r Leser*in, bist hier das Wichtigste überhaupt.
Wärst du nicht da, wäre es diese Seite hier auch nicht. So einfach ist das.
Du bist toll, danke! Und jetzt. Geht’s. Los:

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Kategorie 1 – Lieblingssongs:

Ihr wisst, ich nörgele normalerweise jedes Jahr an dieser Stelle herum, wie wenig mir doch aktuelle Hits zusagen. Keine Ahnung, was 2022 los war, aber so viele Songs mochte ich wirklich ewig nicht mehr. Voll das gute Jahr. Unglaublich gute Hooks, treibende Beats, spannende Entwicklungen in den unterschiedlichsten Genres. Hat mir echt super gut gefallen. Ich hätte locker genug Material, um eine Top 30 zu erstellen. Somit sind aber die zehn Auserwählten quasi die Crème de la Crème. Fünf, die mich leider negativ gekriegt haben, möchte ich euch trotzdem nicht vorenthalten:

10) Wildberry Lillet // Nina Chuba:

Woran du erkennst, dass du alt bist? Die neuen Hype-Stars spielten in Kinderserien mit, als du gerade Abitur machtest. Nina Chuba zum Beispiel. Aber who fuckin‘ cares about „Pfefferkörner“, mit „Wildberry Lillet“ stand im Sommer einer der groovigsten Pop-Rap-Tracks des Jahres im Raum und catchte uns einfach alle. Nicht immer unbedingt positiv, aber ich fand’s nach drei Durchläufen einfach super nice. Und das Getränk mochte ich eh schon vorher. In diesem Sinne: Cheers und gib mir mehr davon! Ich will haben, haben, haben!

09) Do You Remember // Darren Hayes:

Mein Lieblingssänger unter den Lebenden macht neue Musik. Und das nach zehn Jahren Abstinenz. Da setzt kurz mein Herz aus. Auch wenn das Gesamtergebnis nicht ganz so fantastisch war, wie ich es mir erhofft hatte, macht Darren Hayes auf den zwei ersten Singles alles richtig. „Do You Remember“ hat ohne Diskussion die gemeinste Synthie-Line des Kalenderjahres gedroppt und der Sänger mit einer Hommage an seine alten Clubzeiten richtig laszives Nostalgiefeeling ausgelöst. Die Vorabsingle „Let’s Try Being In Love“ gefiel mir übrigens genauso stark.

08) Green Green Grass // George Ezra:

Eigentlich war George Ezra für mich längst abgeschrieben. „Budapest“ damals mochte ich echt gern, das Album war irgendwie so „ach joa“. Mit „Shotgun“ gab es nochmal eine Single zwischendrin, die ganz gut ging – aber „Green Green Grass“ ist für mich einfach mal der beste Feel-Good-Song 2022. Durch Zufall in irgendeiner Trash-Sendung bei RTL+ entdeckt – nein, das ist mir nicht peinlich – und sofort addicted gewesen. Kann mich dem Good-Vibes-Sog wirklich nur schwer entziehen.

07) Seule // SOA:

Eurovision-Fans werden es kennen: Du wartest wochenlang auf diesen einen Song, der für dich den gesamten Wettbewerb ausmacht. Doch dann kommt dieser blöde nationale Vorentscheid und er schafft es nicht. So erging es mir mit „Seule“ von SOA, die für Frankreich antreten wollten. Ich liebe einfach Nummern, die solche unglaublich intensiven Uplifting-Refrains besitzen. Leider war die Livequalität nicht ganz so stark – die Studioversion gehört aber sowas von in die Top 10 meiner Songs des Jahres. Macht mich irgendwie nachdenklich, aber auch leicht zugleich.

06) Va Bene // Wanda:

Auch wenn Wanda immer wieder ganz gute Singles hatten, kam für mich nie irgendwas an das unnormal gute „Bologna“ heran. Aber sag niemals nie: 2022 sind Wanda trotz äußerst schlimmer Umstände zurück im musikalischen Kosmos der Oberliga und ballern mit „Va bene“ einfach ganz locker den immerhin zweitbesten Track ihrer Karriere raus. Was ein Konglomerat aus Schwere, Sehnsucht, Trauer, Verzweiflung und Optimismus. Wahnsinnig gut produziert.

05) The Loneliest // Måneskin:

Måneskin sind einfach viel zu krass, oder? Wie krass ist diese Band? Eine gute Freundin von mir sagte vor Kurzem, dass sie seit Ende der 90er keine so gute Rockballade mehr gehört hätte. Und irgendwo ist das wahr. Mir fallen ganz wenige Songs ein, bei denen Stimme, Komposition und vor allen Dingen Image so gut einhergehen. Und, ich muss es an dieser Stelle sagen: Fuck you, deutsches Radio! Wie kann es sein, dass ihr „I Wanna Be Your Slave“ totdudelt, aber das hier am Ende gerade einmal eine Woche auf Platz 82 in den Top 100 schafft? Hasse es. Måneskin, cya im März in Köln.

04) As It Was // Harry Styles:

Einfach der Star der Stunde. War „Sign Of The Times“ schon ein Achtungserfolg, „Adore You“ und noch mehr „Watermelon Sugar“ große Hits, sind spätestens nun mit „As It Was“ alle Dämme gebrochen. Ich kenne niemanden, der diesen wunderbar leichten Song nicht abfeiert. Die Hook ist schlichtweg so gut komponiert, dass man sie auch eigentlich nicht nicht mögen kann. Als ob das Eis, das man dazu schleckte, gleich noch durch den Gehörgang flutscht. Schade, dass exakt kein einziger weiterer Song auf dem Album dieses Niveau hielt.

03) Fulenn // Alvan & Ahez:

Wir spulen ein paar Sekunden zurück: Ich jammerte so über das Ausscheiden von SOA beim französischen ESC-Vorentscheid. Doch gleichzeitig fand ich den Mut, einen bretonischen Techno-Folk-Song zu schicken, sehr bemerkenswert. Einige Tage später war ich obsessed und bin es immer noch. Bei Spotify übrigens mein meistgehörter Track in diesem Jahr. Der erste Beatdrop kommt so unerwartet mit voller Breitseite, das muss man erstmal nachmachen. Natürlich hat Europa es nicht verstanden und eiskalt auf den vorletzten Platz gewählt. Ohne Worte.

02) Ohne Benzin // Domiziana:

Erst wollte ich schreiben „Guilty Pleasure of the Year“, aber hell, no – es ist kein Guilty Pleasure. Es ist einfach der heftigste Ohrwurm 2022. Domiziana kam aus dem Nirgendwo, dorthin wird sie auch wieder verschwinden, aber mit „Ohne Benzin“ hat sie einen so unverschämt derben Mix aus Hip-Hop, Rap, 90s-House und Trap serviert, dass ich gar nicht anders kann, außer es immer und immer wieder zu pumpen. Ich höre es mir auch nicht leid und liebe ihre Attitüde. „Ich mach auf Replay, okay?“. Jaaaaa, sofort!

01) The Motto // Tiësto & Ava Max:

Kurios: Ich finde Ava Max gar nicht so geil, sondern eigentlich nur ganz in Ordnung. Trotzdem steht sie nun bereits zum zweiten Mal an der Spitze meiner Lieblingssongs. Und wenn ich ehrlich bin, finde ich es sogar noch einen Ticken besser als „Kings & Queens“ aus 2020. „The Motto“ holt mich in wenigen Sekunden zurück in die 2000er. Ich möchte sofort in einem Club sein, einen Wodka-E in der Hand haben, tanzen und dass die Bassbox mir die Beine weich macht. Meine ich absolut ernst, aber das hier ist für mich ein perfekter (!) EDM-Song. Chapeau an den über 50-jährigen Tiësto. Ende.

Nicht-So-Lieblingssongs:

05) Beautiful Girl // Luciano:

Ich fand das Original von Sean Kingston damals schon super, super nervig und kacke. Wird das in meinen Augen sowieso schon unangenehme Lied dann noch mit prolligen, chauvinistischen Deutsch-Rap-Lyrics gepimpt, ist einfach Hopfen und Malz verloren. Ist das nicht der am häufigsten gestreamte Song Deutschlands in diesem Jahr? Damit ist dann auch schon wieder alles gesagt.

04) Hinterm Mond // AnNa R.:

Eine Platzierung, bei der mir mein Herz blutet. Aber ich muss ja auch zu mir selbst ehrlich sein. AnNa R. war für mich sehr lange eine wirklich große Künstlerin. Immerhin steht eingangs ein Rosenstolz-Zitat, also Worte, die sie selbst mal sang. Doch seit der Trennung der Band bringt die mittlerweile auch nicht mehr gute Sängerin nur noch generischen 0815-Deutsch-Pop zustande. Zwar löste sich nun auch ihre Nachfolgeband Gleis 8 glücklicherweise auf, aber wenn dann die Solomusik quasi dasselbe nur unter einem anderen Namen ist, bringt das auch nix. Ein Lied ohne jegliche Ambitionen.

03) abcdefu // Gayle:

Großer Hit bedeutet viel Airplay, bedeutet hohe Wahrscheinlichkeit, irgendwann zu nerven. Bei „abcdefu“ dauerte es bei mir genau einen Durchlauf. Ein Lied, dem ich nichts abgewinnen kann, außer einer gewissen feministischen Haltung. Besonders der Refrain geht mir mit seiner leierhaften Vortragsart so heftig auf den Keks, dass ich es wirklich immer wegdrücken möchte. Ging leider nicht in jeder Situation, in der ich es hören musste.

02) Layla // DJ Robin & Schürze:

Nein, ich gehöre selbstverständlich nicht zu den Leuten, die das Lied verbieten wollten, weil es zu sexistisch sei. Ich bin tendenziell für Kunstfreiheit und auch für mehr Diversität in den Charts. Auch gegen Schlager habe ich erstmal nichts einzuwenden. Ich finde das Lied nur einfach unglaublich schlecht. Bei solch einem Ballermann-Asi-Gegröle bin ich einfach raus. War ich immer, werde ich immer sein. Ob Layla eine Puffmama oder Thermomix-Vertreterin ist, ist mir egal.

01) Blau // Luna:

Wahrscheinlich ist es von mir nicht ganz fair, auf gerade einmal 20 Jahre jung gewordene deutsche Künstlerinnen zu schimpfen, die eigentlich keiner Fliege was zuleide tun und stattdessen sogar für die Regenbogenfahne stehen. Aber ich kann nicht anders: Mich macht „Blau“ so dermaßen aggressiv. Ein wirklich ganz, ganz schreckliches Lied, das strenggenommen bereits 2021 herauskam, mich aber erst 2022 mehrfach unfreiwillig erreichte und mich jedes Mal vor Weinerlichkeit, „Ich bin so anders“-Understatement und Opferigkeit in der Vortragsart richtig böse gemacht hat. Hasssong des Jahres, kann ich nicht anders sagen.

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Kategorie 2 – Lieblingsalben:

Haben die Songs in diesem Jahr so richtig geknallt, knallte bei den Alben so gut wie gar nix. Ich bin auf jeden Fall eher ein Albumhörer und deswegen echt enttäuscht, dass es so wenige LPs für mich über ein „ist ok“ hinausgeschafft haben. Man merkt, dass der Streamingmarkt nach Singles ruft und Longplayer besonders für junge Zuhörer*innen nahezu keine Rolle spielen. Schade. Hier also meine „Das ist noch das Beste, was ich hören durfte“-Liste plus fünf große Knallerbsen unter den Silvesterfeuerwerken:

10) Homosexual // Darren Hayes:

Weiter oben erwähnte ich es schon: Darren Hayes, mein noch lebender Lieblingssänger, hat nach zehn Jahren ein neues Album veröffentlicht. Ich sprang im Dreieck und setzte mich schließlich doch ein wenig trotzig mit Kopf auf den Händen abgestützt auf den Boden. Der ehemalige SavageGarden-Frontmann verarbeitet in über 80 Minuten Stationen seines öffentlichen Outings und seines Mobbings durch Plattenfirmen. Das halte ich für wichtig. Musikalisch ist aber die „All About Me“-Nummer nur solide. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen aber auch utopisch hoch. Drei bis vier Songs sind dennoch gut.

09) Autofiction // Suede:

Die in Deutschland relativ unbekannten Suede haben zweifellos mit „Autofiction“ ein klassisches und damit auch ganz gutes Brit-Rock-Album geliefert, das sich angenehm durchhören lässt. Besonders der Vorbote „She Still Leads Me On“ trifft für mich total ins Schwarze. Nicht super modern, dafür aber wunderbar retro und aufs Zielpublikum zugeschnitten. Nur Live wollte das so gar nicht funktionieren, aber dazu kommen wir etwas später.

08) Tekkno // Electric Callboy:

Bis zu diesem Jahr habe ich Electric Callboy immer gemieden, weil ich mir sicher war, dass sie mir nicht gefallen werden. Doch ihr äußerst heiß diskutierter Versuch, beim deutschen Eurovision-Vorentscheid teilzunehmen, ließ mich aufhorchen. Und Leute, ganz im Ernst: Wie geil wäre es gewesen, wenn die Jungs „Pump it“ für uns gesungen hätten? Neben dem treibenden und saumäßig gut ballernden Hit bietet das aktuelle Album noch viele weitere Bretter, die mich direkt beim ersten Hören angesteckt haben. Ich find’s geil.

07) Zeit // Rammstein:

Auch bei Rammstein gilt: Die Erwartungen sind hoch. Zwar haben die Berliner in meinen Augen ewig nicht mehr die Qualität geliefert, die sie Anfang der 2000er noch hatten, aber mit „Zeit“ ist man wieder in der richtigen Spur angekommen. Besonders der Einstieg gelingt fantastisch. Mit dem Titelsong gibt es sogar den stärksten Track der Band seit Ewigkeiten. Rammstein sind und bleiben aber eben Rammstein, da braucht man eigentlich nicht mehr groß zu diskutieren. What you see, is what you get.

06) Never Let Me Go // Placebo:

Auch bei Placebo hat man stets eine recht klare Vorstellung von dem, was am Ende rauskommt. Erstmalig mussten Fans knapp achteinhalb Jahre auf neues Futter warten, doch das Warten hat sich gelohnt. Die künstlerische Pause war nötig, „Never Let Me Go“ hat zwar nicht ganz so viele klassische Gassenhauer im „Every You Every Me“-Gewand, dafür aber einen sehr runden Sound, der gut tut. Brian Molkos Stimme wird nie alt, das Gefühl niemals genug. Rührend.

05) Love Sux // Avril Lavigne:

Wenn man mich jetzt fragt, ob ich wirklich denke, dass das neuste AvrilLavigne-Werk musikalisch mehr kann als die Sachen von Rammstein oder Placebo, muss ich verneinen. Dennoch freue ich mich über „Love Sux“ sehr, weil es nach drei schwachen LPs das Beste darstellt, was die Kanadierin in den letzten 15 Jahren gezaubert hat. Eine gute halbe Stunde, die einfach Spaß macht, durchzieht, rotzig-punkig daherkommt und klingt, als ob wieder die 2000er wären. Und wenn im kommenden Mai nun wieder die Tour nicht stattfindet, die eigentlich für März 2020 angesetzt war, weine ich. Sehr.

04) WANDA // Wanda:

Ich erwähnte es bereits bei meinen Lieblingssongs: Wanda sind für mich sowas von zurück. Tatsächlich sehe ich im Vergleich zu den zwei eher mauen Vorgängeralben eine klare Entwicklung. Die Österreicher haben sich ein wenig neu erfunden, sind einerseits düsterer geworden, gleichzeitig erwachsener, reflektierter. Wie tragisch es doch ist, dass in der VÖ-Woche ein Mitglied verstarb. Mittlerweile treten die Jungs aber schon wieder auf und ich hoffe, dass sie den Geist, den sie zuletzt gemeinsam spürten, weiter in sich tragen. Viele tolle Songs, bei denen es sich lohnt, zwei oder drei Durchgänge zuzulassen.

03) The Lost Tapes // Sugababes:

Am 24.12. gibt es Geschenke – und die kommen manchmal sogar von Leuten, die man gar nicht kennt, und die auch nicht wissen, wen sie alles damit wie beschenken. Ich halte die Sugababes für die beste Girlband überhaupt. Ja, ich finde sie auch besser als die Spice Girls. Keine Gruppe hat so viele so unglaublich gute und gleichzeitig so abwechslungsreiche Pop-Titel geliefert und ist dennoch so underrated. Nachdem die allererste Besetzung bereits vor zehn Jahren wieder zusammenfand, aber aus rechtlichen Gründen zunächst nicht „Sugababes“ heißen durfte, sind sie endlich wieder das, was sie verdienen zu sein. „The Lost Tapes“ ist ein Album, das bereits seit 2014 fertig ist, jetzt aber erst veröffentlicht wurde. Gott sei Dank. Kein schlechter Song und locker die Hälfte hat Hitpotenzial. Mega.

02) A Tribute To Led Zeppelin // Beth Hart:

Ich bin BethHart-Fan, gar keine Frage – allerdings kein LedZeppelin-Anhänger. Doch wenn eine der talentiertesten Sängerinnen dieser Welt eine dermaßen eigenwillige Rockband covert, muss da doch was Ordentliches bei rauskommen. Und fuck, yeah! „A Tribute To Led Zeppelin“ ist besonders im Sound ein absolutes Meisterwerk, das laut gehört werden will. Hier treffen ausschließlich Profis aufeinander. Ein elektrisierender Moment nach dem nächsten. Da kommt man aus dem Staunen nur schwer wieder heraus. Wieder der Beweis dafür, dass ich zunächst nicht unbedingt Fan von Songs sein muss, um sie dann aber in perfekten Arrangements richtig geil zu finden.

01) Renaissance // Beyoncé:

Als ich meine Review zum neuen Beyoncé-Album schrieb, war ich mir noch nicht sicher, wo mich die Platte hinführen wird. Das Einzige, was ich sicher wusste: Sie führt mich irgendwohin. Sie macht etwas mit mir. Sie fordert mich heraus. Und zwar so, dass ich sie in den nächsten Wochen nahezu pausenlos im Auto hörte. „Renaissance“ ist in der Produktion State of the Art. Ich kenne nichts vergleichbares. Es ist einfach so irrational gut gemacht, dass es gar nicht um die einzelnen Tracks geht, sondern um das große Ganze. Und das klingt zwar nicht ganz so perfekt wie das Konzeptalbum „Lemonade“, aber auch nicht viel schlechter. Beyoncé versteht, worum es geht, nämlich um Kunst. Wahnsinn.

Nicht-So-Lieblingsalben:

05) There’s Nothing But Space, Man! // Sam Ryder:

Das Album, das mich 2022 am wütendsten gemacht hat. Wie kann man mit so einer technisch hochwertigen Stimme so einen Mist produzieren? Verstehe ich wirklich überhaupt nicht. Eine ganze LP voller uninspirierter Titel, wovon einer glatter klingt als der nächste. Wäre die Stimme nicht, könnte jeder Radio-Act übernehmen, einfach weil es so beliebig ist. Sam Ryder hat zwar den Eurovision für UK gerettet, aber ansonsten zur Musikwelt in diesem Jahr wirklich nichts Bereicherndes beigetragen.

04) Unity // Nina Hagen:

Ein Album, von dem ich wiederum im Vergleich zu Sam Ryder gar nix erwartet habe – und auch nicht positiv überrascht werden sollte. Dass Nina Hagen nicht plötzlich chartfähigen Pop liefert, ist logisch. Aber diese Dreiviertelstunde ist wirklich schwer auszuhalten. Zwar irgendwie funkig, ein wenig rockig und manchmal jazzig, aber in der „Gesangsperformance“ – ein Wort, das man eigentlich gar nicht wirklich für diese Leistung benutzen kann – ist so absurd, gruselig und unangenehm im Ohr, dass man echt alle Energie des Tages beisammen nehmen muss, um einen gesamten Durchlauf zu schaffen. Ich weiß, wovon ich rede.

03) Fossora // Björk:

Björk landete vor einigen Jahren bereits mit ihrem Vorgängeralbum auf Platz 1 meiner Flop-Charts. Dennoch steht die Isländerin weiterhin ganz oben auf meiner „Möchte ich unbedingt mal Live sehen“-To-Do. Ich möchte einfach den allerletzten Funken Hoffnung nicht aufgeben. Viel zu sehr habe ich ihre Werke bis Mitte der 2000er geliebt und halte sie alle für den perfekten Mittelweg aus Kunst und Pop. Mit „Fossora“ hat mich die Gute aber erneut verloren. Es verärgert mich, dass sie sich mittlerweile um sich selbst dreht und so auf die Erwartungen von den Menschen scheißt, die sie überhaupt auf ihren Thron gehievt haben.

02) Pussy Power // Katja Krasavice:

Zum dritten Mal in Folge landet Katja Krasavice in meinen Flop-Alben. Dabei hat sie sich nun sogar selbst geschlagen und schafft es erstmalig auf Rang 2. Drei Alben in drei Jahren sind zu viel um gutes Zeug zu liefern? Das ist ja crazy. Das Phänomen Krasavice hat sich nahezu komplett aufgebraucht. Irgendwann ist eben auch mal gut. Gab es auf den beiden ersten LPs noch Songs, die ich als Trash-Liebhaber ein Stück weit genießen konnte, nervt mich das „Haha, ich hab’s euch jetzt allen gezeigt, ich bin nun reich, aber gleichzeitig voll das emotionale Wrack“-Gelaber nur noch ab. Wir haben es doch wirklich alle verstanden, Katja. Gut jetzt.

01) Musik für fahrende Autos // Das Original Haseland Orchester:

Bei dem bloßen Namen des Künstlers könnte man schon denken: OK!? Deswegen kurzer Disclaimer: Das Original Haseland Orchester besteht aus exakt einem Menschen, nämlich Martin Schmeing. Der tritt seit Ewigkeiten als Instrumentalist mit Christian Steiffen auf, den ich für ziemlich großartig halte. Somit dachte ich: Der kluge Kopf dahinter, der muss doch solo voll was abliefern. Nun ja. Das 43-minütige, fast vollständig instrumentale Kleinod gleicht einer Odyssee. Ich habe wirklich noch nie Musik gehört, die dermaßen nach Fahrstuhl oder Telefonwarteschleife klang. Vielleicht verstehe ich es auch einfach nicht. Bis dahin schaue ich aber nur voller Fragezeichen komisch drein und schüttele beschämt den Kopf.

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Kategorie 3 – Konzerte:

Wenn Konzerte wieder so stattfinden, wie wir sie alle kennen und lieben, geht mein Kulturherz ganz von allein auf. Habe ich dann auch direkt ausgenutzt: 39 Konzerte in einem Jahr ist das zweitmeiste, was ich bisher geschafft habe. Nur 2019 waren es noch mehr, aber man konnte auch erst Mitte März loslegen. Es war so schön, in diese strahlenden, fühlenden Gesichter sehen zu können und Teil davon zu sein. Deswegen: Eine Top 10 aus tiefster Inbrunst und fünf Sachen, die den Gesamteindruck nicht schmälern konnten, aber es ein Abend auf der Couch auch getan hätte.

10) Bryan Adams, Köln:

Mein Papa hat von meiner Mama zum Geburtstag Tickets für Bryan Adams bekommen. Leider war meine Mama – so wie quasi jede*r – Anfang Dezember völlig ausgeknockt, sodass ich spontan beim Konzert eingesprungen bin. Da ich bereits 2019 über ihn berichten durfte, wusste ich, was mich erwartet. Ich wurde keine Sekunde enttäuscht. Das Beeindruckendste an Bryan Adams ist eindeutig, dass er mit Anfang 60 immer noch dermaßen gut singen kann. Zusätzlich ist es einfach schön, wie viele Menschen mit der Musik emotional etwas verbinden und seit Jahrzehnten lauthals mitsingen.

09) No Angels, Köln:

Anfang der 2000er war ich für viele Konzerte noch etwas klein. Außerdem war ich nie der allergrößte Fan der No Angels, mochte aber einfach fast jeden Song. Nun sollte also der Moment kommen, in denen ich meine Teenie-Zeit reanimieren durfte – und es war super geil. Tatsächlich habe ich die 4 bereits einige Monate zuvor beim DCKS-Festival erlebt und war äußerst überrascht, wie laut ein Publikum schreien kann. Das habe ich schon sehr, sehr lange nicht mehr gehört. Der Tourabschluss in Köln war voller Energie, einer super aufgelegten Girlgroup und bis obenhin zu mit kultigen Songs. Hat einfach ultra Bock gemacht.

08) Sarah Connor, Oberhausen:

Das erste große Konzert seit März 2020. Das war schon ein besonderer Moment, als ich Ende März 2022 in die volle Arena in Oberhausen kam und dachte: „Stimmt. So sieht das ja normalerweise aus“. Allein das war Gänsehaut. Und weil wir es bestimmt schon wieder alle vergessen haben: Da herrschte noch Maskenpflicht beim Konzert. Mal davon ab war aber Sarah Connor, die ich schon mal vor einigen Jahren gesehen habe, live wieder absolut großartig. Hervorragende Gesangsleistung, viel Freude, gute Interaktion. „Augen auf“ war rund einem Monat nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine einer der intensivsten Livemomente in diesem Jahr.

07) Jason Bartsch, Dortmund:

Das erste Konzert überhaupt in 2022. Jason Bartsch war einer der letzten Acts, die ich vor der Pandemie gesehen habe und nun der erste, als langsam die finale Phase eingeleitet wurde. Jason ist einfach so unglaublich talentiert. Die Kombination aus greifbarer Emotion, sehr klugen Texten, Komik und Tragik, authentischen Moderationen und einem irgendwie besonderen Typen kriegt mich jedes Mal. Habt ihr ihn immer noch nicht auf dem Schirm, müsst ihr das nun bitte wirklich ändern. 2023 soll das neue Album kommen. Can’t wait.

06) Billie Eilish, Köln:

Eigentlich hätte ich diese sagenumwobene Billie Eilish, von der alle immer sprechen, schon 2020 sehen sollen. Dann wurde die Tour verschoben, schließlich komplett abgesagt, dann aber doch mit neuer Setlist und neuem Konzept veranstaltet. Das Warten hat sich geholt. Ich gebe zu, dass der Hype um die Frau, die ASMR im Gesang perfektioniert hat, bei mir mittlerweile eindeutig abgeflacht ist. Trotzdem war das Konzert in Köln durch eine außergewöhnliche Bühnentechnik sehr elektrisierend, bot heftige Lichteffekte und eine super coole Akteurin. Billie trägt die Show ohne große Probleme nahezu allein und setzt ganz andere Akzente als die meisten. Sollte man als Konzertgänger*in mal mitnehmen.

05) Annett Louisan, Düsseldorf:

Die Tonhalle Düsseldorf ist einfach meine Lieblingslocation. Da kann ein Konzert eigentlich schon gar nicht wirklich scheiße sein. Tritt dann aber Annett Louisan mit ihren wirklich exzellenten Musiker*innen auf, ist das für mich ein Jackpot. Ich halte Annett Louisan auch beim zweiten Konzertbesuch für eine absolute Ausnahmeerscheinung in der deutschen Musiklandschaft und deswegen für enorm wichtig. Kaum ein Act transportiert mit so viel Leichtigkeit und dennoch Treffsicherheit wie sie. Im Februar kommt das neue Album, kommenden November die Tour. Bin ich dabei, würde ich sagen.

04) Ed Sheeran, Gelsenkirchen:

Nachdem mich Ed Sheeran 2017 in der Lanxess in Köln echt ein wenig enttäuscht hat, ging ich mit äußerst kritischer Haltung in die Veltins Arena in Gelsenkirchen. Ich mochte es einfach nicht, dass er das gesamte Konzert nur akustisch mit einer Loop Station spielte. Anscheinend hat ihm irgendjemand geflüstert, was mir nicht gefiel, denn genau diesen Punkt hat er hervorragend ausgebessert. Die diesjährige Tour gewinnt von mir den ersten Platz im schönsten Bühnenbild und Ed eine weitere Auszeichnung, dass er über 60.000 Menschen unterhält, zum Mitsingen animiert und es sich gar nicht mehr so groß und riesig anfühlte, einfach weil es so schön harmonierte. Musikalisch begabter und gleichzeitig bodenständiger Mensch.

03) Guildo Horn & Die Orthopädischen Strümpfe, Bochum:

Letztes Jahr Platz 1, dieses Jahr zumindest ein wirklich äußerst guter Platz 3. Guildo Horn ist einfach der unterbewertetste Künstler im deutschen Raum, das meine ich sauernst. Die Weihnachtsshow ist nach zwei Läufen nun für mich eine neue Tradition, der Termin für 23 steht bereits fest in meinem Kalender. Ich habe Tickets für die nächste Tour zu Weihnachten verschenkt. Die sensationelle Musikalität, das Tempo, die Stimmung und die eigenwillige Interpretation eines Weihnachtskonzertes ist einzigartig und ein wahres Must Seen. Selbst wenn im nächsten Jahr 1:1 dasselbe Konzert wäre – was nicht passiert, wurde im Vergleich zur letzten Saison auch einiges angepasst und ausgetauscht – würde ich jetzt schon die Tage zählen.

02) Georgette Dee, Dortmund:

Georgette Dee wurde mir vor Jahren mal von einer ehemaligen guten Freundin empfohlen. Habe ich zwischendrin immer mal wieder dran gedacht und immer mal wieder vergessen. Als das Konzerthaus ums Eck diese extravagante Künstlerin im Programm stehen hatte, war das für mich der Wink mit dem Zaunpfahl. Kennt ihr diese Abende, an denen ihr schon nach wenigen Sekunden alles um euch herum vergesst, weil das gerade Erlebte euch so abholt? Hatte ich bei Georgette Dee mehrfach. Eine wahnsinnige Aura. Für mich unerklärlich, dass bei so einer hohen Qualität nie der Sprung in die oberste Liga gelang. Liegt aber wahrscheinlich daran, dass die Künstlerin eigentlich ein Mann ist… OMG!! Herzstillstand. Sachen gibt’s.

01) Lady Gaga, Düsseldorf:

Ich kenne zig Leute, die dieses Konzert besucht haben. Gefühlt fand es jede*r schlechter als ich. Ganz viele haben sich darüber beschwert, dass sie zu wenig gesehen haben, die Halle zu groß war, die Orga nicht richtig klappte. Stimmt auch alles. War mir aber komischerweise alles egal. Eigentlich hätte die Top 3 diesen ersten Platz hier verdient. Dennoch habe ich mich aus rein emotionalen Gründen für Lady Gaga entschieden, da ich bereits nach wenigen Minuten Konzert bemerkt habe, wie wichtig mir ihre Songs sind. Wie viel ich einfach mit der Musik verbinde. Und wie intensiv es mich beflügelt. Ich habe durchgetanzt, mitgesungen, Flashbacks wahrgenommen und mich über das Jetzt gefreut. Eine sehr subjektive Entscheidung, aber für mich einfach das berauschendste Konzerterlebnis 2022 von einer der Allerbesten unter den Besten.

Nicht-So-Lieblingskonzerte:

05) Classic Goes 90s, Düsseldorf:

90er und Eurodance – viel mehr braucht es nicht, um mich glücklich zu machen. Allerdings hat mich das Konzept von „Classic Goes 90s“ am Ende so gar nicht überzeugt. Jasmin Wagner aka Blümchen ist leider wirklich eine echt miese Moderatorin, sowieso keine starke Sängerin und in hochschwanger tonal einfach permanent daneben. Die Songauswahl war teilweise ganz gut, teilweise wirr und nicht nachvollziehbar. Außerdem trägt ein gutes Orchester, das elektronische Hits spielt, dabei aber manche Parts nicht imitieren kann, in meinen Augen keinen gesamten Abend. Nette Idee, aber das war’s dann auch.

04) Marianne Rosenberg, Bochum:

Marianne Rosenberg ist Kult. Darüber braucht man nicht diskutieren. Einfach eine Grande Dame der deutschen Musikszene. Schade, dass sie offensichtlich nur auftritt, um das Portemonnaie zu befüllen und ansonsten lieber hinter als auf der Bühne wäre. Teilweise Playback, abgelesene Moderationen und sowieso alles sehr lieblos gestaltet. Da ich sie als Person nicht so abfeiere wie viele Hardcore-Fans im Publikum, blieb für mich nur ein maximal mittelprächtiges Konzert, das keinerlei bleibenden Eindruck hierließ.

03) Selig, Bochum:

Ich habe 2021 Jan Plewka interviewt und er war einfach einer der süßesten Menschen überhaupt. Ich kenne von Selig nicht so viel, aber was ich kenne, mag ich. Umso trauriger, dass das Konzert beim Zeltfestival Ruhr in jedem Punkt enttäuscht hat. Jan wirkte hibbelig und nicht richtig bei der Sache, die Band spielte sehr routiniert und wenig enthusiastisch, der Sound war unterirdisch, die Playlist ausschließlich für Fans der 90er gemacht. Einfach schade. Mit Sicherheit können die das besser, aber ich habe trotzdem wenig Motivation, es herauszufinden.

02) Die Ärzte, Köln:

Hiermit mache ich mir wahrscheinlich keine Freund*innen, aber ich muss einfach sagen: Die Ärzte live in Köln war wirklich super scheiße. 33 Jahre ohne ein Ärzte-Konzert. Deswegen erklärten mich viele eh schon für bekloppt. Eigentlich wollte ich 2020 zur Tour, die aber ja aus den üblichen Gründen abgesagt wurde. 2022 dann also die zweite Chance – leider aber wohl in der ungünstigsten Location. Die Orga im Kölner Stadion war daneben, es war im FOS völlig überfüllt, einige Leute um uns herum eher an Gesprächen als am Konzert interessiert. Das Schlimmste aber: Der Sound war so katastrophal, dass ich wirklich nichts (!) verstanden habe. Gar nichts. Die Songs, die ich kannte, konnte ich nach rund einer Minute erraten und dann intuitiv mitsingen, ansonsten hätte ich auch Watte in den gesamten Gehörgang schieben können und ein ähnliches Erlebnis gehabt. Mir wird wärmstens ans Herz gelegt, der „Besten Band der Welt“ eine zweite Chance zu geben. Von mir aus, aber das ist dann auch die letzte.

01) Suede, Köln:

Suede kenne ich seit 2008. Suede mag ich seit 2008. Weiter oben konntet ihr bereits lesen, dass ich auch das neue Album gut finde. Aber dieses Konzert war einfach völlig daneben. Die Meinung teilen nicht alle, ich wurde für meine kontroverse Haltung bereits mehrfach online angegiftet. Alles fein, aber es war von fast 40 Gigs, die ich gesehen habe, der schlechteste. Ist einfach so. Wahnsinnig enttäuschende Setlist – für mich!!! Für eine Person, die Suede bisher nicht (!) live gesehen hat – und ein dermaßen unsympathischer, arroganter, überheblicher Frontmann, der mit so vielen anderen Dingen beschäftigt ist, dass sehr viele Töne nicht dort landen, wo sie hingehören. Kotzt euch gerne erneut über mich aus, meine Meinung bleibt trotzdem dieselbe.

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Kategorie 4 – Musicals & Shows:

Hier wiederum kann ich von meiner neuen Bestleistung sprechen: 24 Musicals & Shows, und so viele waren so, so gut. Eine äußerst starke Top 10 – und mit 33 Jahren merkt man auch, wie schön es ist, ganz gemütlich kurz vor Beginn aufzutauchen, zu sitzen, zu gucken, Eindrücke zu sammeln und wieder zu gehen. Ja, irgendwann kommt einfach jede*r in dieses Alter und man kann nix dagegen tun. Um vier wenig angenehme Shows und einen waschechten Totalausfall kommt ihr beim Lesen dennoch nicht drumherum. Wollt ihr aber auch nicht, weiß ich doch.

10) Die Eiskönigin, Hamburg:

Mal ehrlich: Kaum ein Film schrie dermaßen nach „Bringt mich auf die Bühne“ wie „Die Eiskönigin“. Etwas schade, dass die Umsetzung zwar gut, aber nicht sehr gut funktioniert hat. Da hätte man einfach noch zwei, drei Schüppen drauflegen können. Schön und beeindruckend war das Bühnenbild trotzdem. Die Musik ist sowieso fantastisch. Mein größter Kritikpunkt ist die etwas zu stark gewollte Familientauglichkeit. Da hat sich der Film mehr getraut. Unter den Disney-Musicals bleibt jedoch „Tarzan“ weiterhin mein Favo.

09) Nicolette: Intimate Hours, Düsseldorf:

Oh Mann, ich liebe Nicolette einfach. So eine inspirierende Persönlichkeit. Ein Kompliment, bei dem ich mit absoluter Sicherheit weiß, dass sie es sehr mag. Ich habe sie sogar zweimal in diesem Jahr gesehen. Die Comedy-Show „Etepetete“ im Mai fand ich ganz nett, teilweise sehr witzig, teilweise aber auch drüber und gestellt. „Intimate Hours“ hingegen ist für mich Nicolette in a nutshell, einfach das, was sie wirklich kann, was sie lebt und verkörpert. Spritzigkeit, ehrliche Themen, über die nicht jede*r gern spricht, eine angenehme Atmosphäre voller mutiger Gäst*innen. Dass ich tatsächlich auf die Bühne ging und vor so vielen Menschen einen meiner Dämonen präsentiert habe, macht mich immer noch ein wenig stolz auf mich. Nicolette, your fault!

08) A Musical Christmas, Dortmund:

Ich hasse Musicalgalas. Wirklich. Für mich haben gute Musicals ein Konzept, eine Geschichte, eine durchgängig vorzufindende Atmosphäre. Das funktioniert bei Galas, in denen nur einzelne Songs daraus in Abendgarderobe gesungen werden, nahezu nie. Es sei denn, man hat ein eigenes Konzept entworfen und die passenden Protagonist*innen dabei. Anton Zetterholm und seine Frau Harriet Jones versprühen so viel Liebe, so viel gesangliches Können und so viel Charme, dass ich mich liebend gerne in ihr winterliches Wunderland habe fallen lassen. Beim nächsten Mal noch etwas mehr Christmas und etwas weniger Musical, dann habe ich gar nichts mehr zu beanstanden.

07) Wicked, Hamburg:

„Wicked“ zählt für mich zweifellos zu den zehn, womöglich zu den fünf besten Musicals aller Zeiten. Als ich 2011 in Oberhausen erstmalig dieses perfekte Stück erleben konnte, war ich wie in einem Rausch. In wenigen Monaten war ich gleich dreimal im Publikum und immer und immer wieder restlos begeistert. Nun lief es erneut für fast ein Jahr in Hamburg und ich freute mich wie Bolle. Leider ist die Neuinszenierung nicht ganz so gut wie das Original, aber dennoch absolut sehenswert. Mit Sicherheit versteht ihr mich aber trotzdem, dass bei Dingen, die man sehr liebt, auch eine Minienttäuschung sich irgendwie schwer anfühlt. Deswegen gibt es hiermit für eine wirklich sehr starke Aufführung nur einen Platz 7 und die Bitte, beim nächsten Mal einfach wieder alles so wie damals zu machen. Versprochen? Danke!

06) Musical Revolution 2022, Frankfurt am Main:

Erwähnte ich schon, dass ich Musicalgalas hasse? Meine wunderbare Musicalfreundin Johanna lud mich ein. Sie hatte zwei Tickets für „Musical Revolution“ in Frankfurt und meine Erwartung war gen zero. Dass da eine richtig fette Band steht, eine riesige Top-Cast singt, einfach ein so herzzerreißend cutes Pärchen moderiert und nur Songs aus Musicals gespielt werden, die man in Deutschland (noch) nicht zu Gesicht bekommt, war mir nicht klar. Das war richtig, richtig gut und auch für mich als Musicalinteressierten ein Türöffner. Danke, ich freue mich jetzt schon so sehr auf Januar 2024! Dann hoffentlich als Rezensent. Ich schreibe euch dann nochmal, Michel!

05) Der Besuch der alten Dame, Tecklenburg:

Tecklenburg ist immer ein Highlight. Jeden Sommer. Ab und zu fahre ich anschließend nach Hause und denke, dass es zwar cool war, ein weiteres mir unbekanntes Stück gesehen zu haben, aber ich mir dennoch etwas anderes gewünscht hätte. Das war 2022 mit „Der Besuch der alten Dame“ gar nicht so. Wer hätte gedacht, dass ein Dürrenmatt-Werk so gut als Musical funktioniert? Wahnsinn. Starke Musik, noch viel stärkere Darsteller*innen und eine Geschichte, die nie altert. Geheimtipp!

04) Bat Out Of Hell – The Musical, Düsseldorf:

Hate it or love it. „Bat Out Of Hell“ ist nicht das Musical, das Massen begeistert. Aber es hat seine treue Fanschar. Völlig zurecht. Die Musik gehört für mich mit zu dem Besten, was jemals komponiert wurde. Die Story ist speziell, aber die Cast, die hier in Düsseldorf auf der Bühne steht, hat so eine Energie, die dazu von einem knallenden Sound unterstützt wird, dass es schwer ist, nicht im ganzen Körper puren Rock’n’Roll zu spüren. Ein echtes Highlight, das leider nur zwei Wochen zu sehen ist. Bis zum 5.1. könntet ihr noch…

03) Rocky Horror Show, Duisburg:

„Rocky Horror“ löst in mir eine Faszination aus, seit ich 13 bin. Das ist fucking 20 Jahre her. Schlimm. Und leider waren zwei Liveinszenierungen, die ich in früheren Jahren mal gesehen habe, dem schlichtweg nicht verbesserungswürdigen Film nicht in Ansätzen gewachsen. Da musste erst die Show vom Londoner West End um die Ecke kommen, um mich und meine sehr kritische Haltung umzustimmen. Wenn „Rocky Horror“ live, dann wirklich nur noch so. Sensationelle Sänger*innen, großes Bühnenbild, Stimmung im Saal. Nur als Leser nehmen wir beim nächsten Mal auf gar keinen Fall (!) Martin Semmelrogge, sondern jemanden, der sich vorbereitet hat. Dann mache ich aus der 9 von 10 auch eine 10 von 10.

02) Hamilton, Hamburg:

Eigentlich teilen sich zwei Musicals den ersten Platz. Am Ende entscheidet ganz allein der Geschmack darüber, was einen mehr hooked. „Hamilton“ hat den Broadway revolutioniert. Das ist keinesfalls übertrieben. Dafür wird es zwar in Deutschland nicht reichen, aber Stage hat bewiesen, dass unmögliche Dinge sehr gut möglich sind. Keine Darsteller*innen, die qualitativ unter einer glatten 1 spielen, so viel Kraft und Stärke, so viel Musikalität. Das ist schon echt außergewöhnlich gut. „Hamilton“ ist für diejenigen, die ihr Augenmerk auf die Musik legen, zweifellos eine Offenbarung. Auch auf Deutsch.

01) Moulin Rouge! Das Musical, Köln:

Wir reden hier über Nuancen. Denn wirklich nur ein kleines Fitzelchen mehr hat „Moulin Rouge“ mich noch krasser geflasht. Ich bin aber auch für pompöse Effekte, große Gesten und eye-popping Moments sehr empfänglich. Natürlich macht es sich die Show mit ihren Coversongs viel leichter als „Hamilton“, aber dafür ist das Erlebnis das bombastischste, was Deutschland bisher zu bieten hatte. Mehr geht nicht, zumindest kann ich es mir gegenwärtig nicht vorstellen. Rausch und pure Exzesse. Hallt immer noch nach.

Nicht-So-Lieblingsmusicals & -shows:

05) Lukas Heinser, Essen:

Ok, klar: Eine Lesung hat es im Vergleich zu einem Hochglanz-Musical verdammt schwer. Aber ich habe auch schon sehr gute Lesungen besucht. Die von Lukas Heinser gehörte aber leider nicht dazu, auch wenn der gute Herr über den Eurovision referiert hat. Holpriger Vortrag, kein wirklich stimmiges Konzept und alles ein wenig unvorbereitet. Mag für Eurovision-Gelegenheitsgucker*innen interessant sein, für mich war es entschieden zu wenig. Sorry.

04) The Sound of Classic Motown, Dortmund:

Spontan für Freunde eingesprungen, die nicht konnten. Motown-Musik ist eigentlich ein Selbstläufer. Die ist einfach so groovy, dass man sich nur schwer vor ihr schützen kann. Aber „The Sound of Classic Motown“ nutzt die guten Möglichkeiten nicht mal bis zur Hälfte aus. Sänger*innen, denen im Gesicht steht, dass sie die Show bereits in der 500. Runde durchrattern müssen und einfach wenig Bock haben. Dann wurden spontan einige im Programm angekündigte Songs gestrichen. Und sind wir ehrlich: Die richtige Venue ist das Dortmunder Konzerthaus für solche Sounds auch nicht. Das Publikum wirkte eher so, als hätte es sich verirrt. Langweilig.

03) N Bisschen Frieden – Rock’n’Roll Summer, Duisburg:

Es tut mir wirklich weh, diesen Absatz zu schreiben, aber „N bisschen Frieden“ war auch mit Wohlwollen einfach ein echter Reinfall. Kompositionen von Ralph Siegel unter dem Namen des großen Eurovision-Erfolgs, das ist doch erstmal gar nicht verkehrt. Wenn jedoch Proben viel zu spät stattfinden, die Technik einfach unzählige Male nicht aufpasst und permanent Fehler sichtbar werden, die Promo nicht richtig läuft, kann und muss das eben gegen die Wand fahren. Die Darsteller*innen waren neben den Liedern noch das Beste, konnten aber das Trashig-Unprofessionelle auch nicht mehr überspielen. Absoluter Käse.

02) Aspects Of Love, Münster:

Gleich mehrfach habe ich mir in „Aspects Of Love“ gewünscht, dass Szenen ganz schnell vorbeigehen. Wer es noch nicht wusste: Das ist ein AndrewLloydWebber-Musical. Ja, auch die ganz Großen haben mal einen schlechten Tag. Oder zwei. Oder drei. In der Musik ist das Stück, das zwei Wochen nach meiner Geburt uraufgeführt wurde, solide. Die Besetzung in Münster ist sogar sehr gut. Dennoch braucht es schon einiges an Selbstüberzeugung, so eine Geschichte heute noch auf die Bühne zu bringen. Wow, das ist echt fremdschämig. Altbacken, konservativ, peinlich. Selbst vor Aspekten wie körperliche Liebe innerhalb der Familie oder mit Minderjährigen wird nicht zurückgeschreckt. Da bin ich dann einfach per se raus. Dass ich Operngesang persönlich nicht mag, ist subjektiv. Der Rest aber einfach ein Unding in 2022. Braucht niemand.

01) We Will Rock You, Essen:

Ladies, Gentlemen and everything in between: Der schlimmste Kulturbesuch des Jahres. Schon oft habe ich davon gehört, dass „We Will Rock You“ schwierig sei. Aber ich wollte es ja unbedingt selbst herausfinden. Dieses Jahr war es nun soweit – und es war noch viel, viel schlimmer als befürchtet. Homofeindlicher Humor, Chauvinismus, Gags auf MarioBarth-Level, für eine derartige Preiskategorie eine maximal mittelprächtige Bühne. Witzig: Riccardo Greco ist die Hauptrolle in meiner Top-1- und Flop-1-Show. Das hat noch niemand vorher geschafft. Auch hier nehme ich die Darsteller*innen raus, finde jedoch die Entscheidung, in einem dermaßen frechen Musical mitzuspielen, bei dem ich mir schon nach rund 20 Minuten gewünscht habe, dass es zu Ende ist, grenzwertig. Nie, nie, nie, nie wieder „We Will Rock You“. Eine Zumutung sondergleichen.

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Kategorie 5 – Lieblingsfilme:

Last but not least ein Gruß an meine Cineast*innen: Wie jedes Jahr möchte ich euch auch meine zweite Leidenschaft – Filme, nicht Serien – nicht vorenthalten. Hier habe ich ebenfalls einen persönlichen Rekord aufstellen können: 59 Filme, die entweder dieses Jahr in die deutschen Kinos kamen oder auf Streamingportalen ihre Premiere feierten, habe ich mir reingezogen. Ok, ein Paar sind auch darunter, die ich 2021 verpennt habe und die dann eben 2022 auf Blu-Ray herauskamen, fair enough. So oft wie dieses Jahr war ich auch noch nie im Kino. Wenn ich mich nicht verzählt habe, müsste es 28 Mal gewesen sein. Ihr ahnt es schon: Nicht alles davon war ein empfehlenswertes Erlebnis. Hier eine Auslese, was ich euch ans Herz legen kann und was ihr euch sparen könnt.

10) Terrifier 2:

Ihr kennt es mittlerweile: Horror ist einfach mein Genre. Da muss alles mitgenommen werden, was geht. Und der Großteil ist großer Kappes. Umso unglaublicher, dass es 2022 gleich zwei richtig derbe Granaten ungekürzt ins Kino geschafft haben. An „Terrifier 2“ kam man in den Medien kaum vorbei. Von kollabierenden und sich übergebenden Zuschauer*innen war Mitte Oktober plötzlich die Rede. Natürlich absolut übertrieben. Ich frage mich immer, wie man überhaupt in so einem Film landen kann, wenn man so zartbesaitet ist. „Terrifier 2“ hat ohne Zweifel eine der abgefucktesten Szenen ever und geht richtig weit – aber er macht dabei auch verdammt viel Spaß. Einfach ein richtig böser Slasherfilm, der noch etwas mehr Grusel gebrauchen könnte, aber mit Art, dem Clown, die stärkste Horrorfigur seit locker zehn Jahren bietet. Freue mich auf Teil 3.

09) Große Freiheit:

Queere Filme gibt es mittlerweile wie Regenbogenfahnen auf dem CSD. Gute queere Filme gibt es eher so oft wie Diversität bei Prince Charming. „Große Freiheit“ thematisiert die Gefängnisstrafe, die man bekam, wenn man in den 40ern und noch einige Zeit später, homosexuelle Begegnungen hatte. Ein wirklich wichtiger Aspekt, der viel zu oft untergeht. Ganz stark gespielt, besonders von Franz Rogowski. Leider fehlt mir an manchen Stellen ein wenig Tragik. Sehenswert ist die österreichische Produktion aber ohne Frage.

08) Orphan: First Kill:

„Orphan – Das Waisenkind“ zählt für mich zu den besten Horrorstories des laufenden Jahrtausends. Was ein In-Your-Face-Film. Dass man sich wirklich getraut hat, eine Fortsetzung zu drehen, ist beachtlich. Das konnte doch nur in die Hose gehen – aber nein, anscheinend doch nicht. „Orphan: First Kill“ hat zwar nicht ganz das Niveau des ersten Teils, aber braucht sich nicht zu verstecken. Es braucht eben nur die passende zündende Idee. Dann läuft das. Angucken und sich überraschen lassen!

07) The Sadness:

Horrorfilm-Sensation Nummer 2. „The Sadness“ galt in einschlägigen Blogs als der brutalste Film, der jemals im Kino lief. Kann ich so unterschreiben. Im Vergleich zu „Terrifier 2“ wird hier richtig durchgezogen, kein Humor zugelassen und ganz im klassischen Asia-Style gnadenlos draufgehalten. Eine Story, die gut in die gegenwärtige Zeit passt. Massentauglich ist das Ding trotzdem nicht. Also wirklich nur mit Vorsicht genießen. Ein Zombiefilm, der keine Sekunde lächerlich wirkt. Mich hat er super unterhalten. Muss ich mir Sorgen machen?

06) Der Gesang der Flusskrebse:

Von Zombiefilmen zu rührseligen Schnulzen. Wer kann, der kann. „Der Gesang der Flusskrebse“ hat mich richtig überrascht. Was eine schöne, berührende Geschichte in tollen Bildern eingefangen und dazu mit ordentlich Spannung verbunden. Eine Mische, die man so nicht alle Tage serviert bekommt. Hat mich zwei Stunden lang so gebannt zuschauen lassen, dass ich auf der Couch nur einmal Pause gedrückt habe, um mir etwas zu trinken zu holen. Das ist wohl mein „Prädikat: Besonders wertvoll“.

05) Frau im Dunkeln:

Wer sich alle Oscar-nominierten Filme reinzieht, muss auch durch tiefe Täler ziehen. Gerade 2022 hieß das Langatmigkeit. „Frau im Dunkeln“ stellte das starke Gegenstück dar. Ihr habt noch gar nicht von dem Film gehört? Wunderbar. Schaut nicht den Trailer, lest nicht die Inhaltsangabe, sondern macht euch für gutes Schauspiel bereit. Olivia Colman ist erneut eine Gigantin im Ring und trägt die außergewöhnliche Familiendrama-Thriller-Kombination im Alleingang. Anders, aber anders gut.

04) CODA:

Und dann hat endlich mal wieder mein persönlicher Favorit bei den Academys gewonnen. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass „CODA“ als bester Film aus dem Rennen geht – aber ich habe es ihm so gegönnt. Ein wunderbar unaufgeregter, herzlicher Streifen, der das Rad nicht neu erfindet, sondern einfach seine Kernkompetenzen perfekt ausspielt. Schöne Geschichte, kluger Humor, die richtige Musik und die richtige Besetzung – fertig. So gut kann sich ein Film anfühlen.

03) Pleasure:

Aber ich persönlich will mich oft gar nicht gut fühlen beim Filmgucken, ich will Aufwühlung. Hat „Pleasure“ geboten, kann man nicht anders sagen. Öffnet den Zuschauer*innen ein Stück weit die Augen für eine Industrie, über die gern der Mantel des Schweigens liegt: die Pornobranche. Was manche Menschen hier über sich ergehen lassen, um Ruhm, Liebe, Zuneigung und Kohle zu gewinnen, ist gruselig. „Pleasure“ meint es ernst und erzählt mit einer packenden Geschichte einen typischen Werdegang. Sollte man mal gesehen haben. Tut aber zwischendrin ordentlich weh.

02) Scream:

Als Horrorfreak muss man „Scream“ natürlich mögen. Fand ich immer cool wegzugucken. Aber der fünfte Teil ist einfach next level. Ich liebe, liebe Metaebenen. Ich liebe es so sehr, wenn der Film klüger ist als ich beim Zuschauen. Wenn Dinge passieren, die mich überraschen, die mich irritieren. Eine Seltenheit in Horrorfilmen. Deswegen war „Scream“ eine volle Granate. So muss man das machen. Genau so! Eine Achterbahnfahrt, bei der man weder weiß, wie viele Loopins kommen, noch wie lange sie gehen wird.

01) Triangle of Sadness:

Und dann gibt es eben Filme, die einfach alles richtig machen. Die erzählen eine Story, die sich mehrfach auf den Kopf stellt. Die ist so bitterböse und auf die Fresse, dass man nicht weiß, ob man beschämt weggucken oder laut lachen soll. Perfekte Kamera, perfekter Schnitt. „Triangle of Sandess“ ist so groß, dass einem die Spucke wegbleibt. Eine 10 von 10. Gibt’s von mir nicht jedes Jahr. Noch weniger bei einer derartigen Lauflänge. Verdient. Ich bin so angefixt, dass ich mir 2023 noch die restlichen Filme von Ruben Östlund anschauen werde. Man munkelt, er liefere nur so einen Stuff ab… das wäre eine Offenbarung!

Nicht-So-Lieblingsfilme:

05) Halloween Ends:

Wie kann man nur? Eine Frage, die bleibt. Wie kann man nur ein so zeitloses Franchise so verschandeln? Wie kann man nur? Ich verstehe es wirklich nicht, dass so viele Menschen diesen Mist zugelassen haben. „Halloween Ends“ hat es so versaut, und das ist so schrecklich schade. So unnötig. Musste das sein? Nein. Wollen wir das? Nein. Seit dem Kinostart gibt es mehrere Petitionen, in denen ein neuer Film gefordert wird. Fühle ich.

04) Possessor:

Habe ich erst vor ein paar Monaten gesehen und kann mich jetzt schon nicht mehr dran erinnern, worum es ging. Kein gutes Zeichen. Der Sohn von Regielegende David Cronenberg nutzt seinen Namen und möchte in die Fußstapfen seines Vaters treten. Der kriegt es aber selbst nicht mehr auf die Kette, wie in diesem Jahr auch „Crimes of the Future“ bewies. „Possessor“ ist irgendein abgefahrener Sci-Fi-Bodyhorror-Quatsch. Mehr ist nicht hängengeblieben. 30 Euro fürs Mediabook investiert, die hätte ich lieber spenden sollen.

03) Christmas Bloody Christmas:

Wie gesagt, wer Horror mag, braucht oft Nerven aus Stahl. „Christmas Bloody Christmas“ war für meine Horrorfreundin Sina und mich am 23.12. fällig. Passte so gut zum Datum. Bei „Direct-to-DVD“-Veröffentlichungen muss man Abstriche machen. Aber hier stimmt einfach nüscht. Die Story ist cringe, das Schauspiel unterirdisch, sämtliche Charaktere unsympathisch und alles auch noch ohne jegliche Spannung eingetütet. Wenn schon Horrorweihnachtsmann, dann doch lieber „Black Christmas“. Aber auf keinen Fall den von 2019! Der ist genauso übel wie dieses Unwerk hier.

02) Being The Ricardos:

Oscar-Hassfilm 2022. Dabei mag ich sowohl Nicole Kidman als auch Javier Bardem so gern. Aber offensichtlich muss man in den USA aufgewachsen sein und ganz viel Backgroundwissen haben, um es zu mögen. Für mich die wirklich zähesten zwei Stunden des Jahres. Ich hatte eigentlich nach zwei Minuten schon gar, gar, gar keine Lust mehr. Aber mein innerer Monk zwingt mich nun mal dazu, zu Ende zu gucken. In solchen Fällen hasse ich ihn dafür. Hat mich echt nur genervt.

01) Jeepers Creepers: Reborn:

Eine 10 von 10 ist selten bei mir, eine 1 von 10 aber genauso. Herzlichen Glückwunsch hiermit an „Jeepers Creepers: Reborn“ für diese ganz besondere Auszeichnung. Dabei ist die Vorlage doch so cool, da kann man doch so viel rausholen. Liebe Produzent*innen, gebt mir das Geld, ich mache das besser. Schwöre ich. Wow, war das ein monumental schlechter Film. Eine Trash-Granate, die keinen Spaß macht, die nicht unterhält, sondern wirklich einer Beleidigung an meinen Verstand gleichkommt. Ich wollte es verdrängen. Es geht nicht. Traumatisch.

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P.S.: Mein Monsieur Cuisine macht super Piña Colada. Bock?

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2 Kommentare zu „Musikalischer Jahresrückblick 2022: Christopher“

  1. Bin gerade über den Artikel gestolpert. Noch jemand hierzulande, der auf aktuellen Kram steht und dessen Lieblingssänger Darren Hayes ist? Da muss ich ein Shoutout da lassen, dachte ich wäre der einzige Bin sogar extra nach London für seine Tour geflogen. Stabiles Ranking!

    1. Hey ruudiboo 🙂
      Ach cool, du kennst Darren Hayes! Das allein ist ja schon immer mehr als nur besonders 😉
      Ich bin extrem (!) neidisch, dass du in London warst. Wirklich.
      Ich hatte auch überlegt, aber war mir dann insgesamt mit Anreise etc. zu teuer.
      Hoffe aber wirklich sehr, dass es irgendwann doch nochmal klappt, ihn live zu sehen.
      War’s geil?

      Danke für dein liebes Feedback 🙂

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